Endlich ist es da, das neue Buch von Pyar Troll, der engagierten Ärztin, glücklichen Ehefrau und spirituell Erwachten. Wahrend ich das Cover betrachte, schaue ich nicht nur einfach einen Buchumschlag an, sondern es wird zwischendurch ungewollt zu meinem Meditationsobjekt. Es sind Momente, in denen ich in dem anmutigen Buddhakopf und der Schönheit des Titels versinke.
"Ich möchte dich an der Hand nehmen vom ersten bis zum letzten Kapitel.", schreibt sie in der Einleitung des Buches und ich glaube ihr. "Es ist mir ein Herzensanliegen, euch sowohl den Gesang der Stille hören zu lassen als auch euch zu ermuntern, den Tanz des Lebens in aller Fülle und Wildheit zu tanzen. Und es ist mir ein Herzensbedürfnis, euch zu vermitteln, wie Spiritualität und Meditation im täglichen Leben verwirklicht werden können. Stille und Leben, Spiritualität und Welt, Göttlichkeit und Menschlichkeit, Leere und Fülle sind nicht zu trennen. Das Mysterium ist unendlich - immer weiter und weiter und tiefer und tiefer."
Während ich den kurzen Geschichten über Ananda, Buddha, Milarepa oder Satsang-Auszügen und theoretischen Erläuterungen von Pyar lausche, fühle ich mich nicht alleine, sondern eher so, als wenn ein Teil ihrer Seele in den Seiten mitschwingen würde. Es sind Geschichten, die das Herz berühren und die bewusst machen, worum es bei den Anleitungen zum Da-Sein geht.
Es sind auch viele Gesprächsauszüge aus ihren Satsangs, die sie aufgeschrieben hat, und die mich den Tanz des Lebens mittanzen lassen und erfreuen. Denn die Fragen, die Pyar neun Monate lang gesammelt hat, könnten auch meine Fragen sein. Darum verschafft mir das Buch - und besonders Pyars Antworten auf die Fragen - eine gewisse Erleichterung. Von Herzen geht sie auf jede Frage ein, die ihr spirituell Suchende stellen. Und mit dem Herzen scheinen die Besucher ihrer Satsangs ihr bei der Beantwortung zuzuhören und mit demselben aufzunehmen.
Somit ist der Inhalt nicht nur ein abstraktes Reden über DAS, wonach sich alle sehnen, sondern es spannt einen weiten Bogen vom Gesang der Stille über Meditation, den weglosen Weg und die fünf Aspekte der Weisheit und umfasst viele Aspekte des spirituellen und alltäglichen Lebens. Vom ganzen Herzen spricht sie auch über andere Erwachte: "Jedes Mal, wenn ich in Satsangs von Buddha spreche, glüht mein Herz, ebenso wie es glüht, wenn ich von Osho spreche." Und von ganzem Herzen spricht sie über die vier edlen Wahrheiten, über die fünf Dhyani-Buddhas (Tathagatas) und die fünf Aspekte der Weisheit. Und dieses Glühen ist zwischen den Zeilen und in den Worten, die sie schreibt spürbar. Und während ich das Buch lese, macht sich ganz auch die Poesie der Stille in mir bemerkbar. Unerklärlich wie, aber es passiert. Vielleicht deshalb, weil es kein Buch ist, was mit dem Verstand geschrieben wurde, sondern vom Herzen und an das Herz des Lesers gerichtet ist. Von Herz zu Herz. Von Sein zu Sein.
"Der beschränkte Geist, der verschleierte, der umhüllte, abgetrennte, kleine Geist rennt auf dieser Welt herum und trägt sein kleines beschränktes Universum mit sich. Fünf Leute betrachten denselben Apfelbaum, und fünf Leute sehen etwas Verschiedenes. Der eine sieht die Äpfel und denkt an Apfelmus. Der andere sieht nur die Blätter, die er im Herbst zusammenkehren muss. Ein Schnitzer denkt wahrscheinlich: "Gutes Holz, schlechtes Holz, kann man für dies oder das benützen." Ein Maler sieht die Farben und die Form und denkt vielleicht gar nicht daran, was man mit Äpfeln machen kann. So sieht jeder den Teil der Wirklichkeit, der zum eigenen kleinen inneren Universum passt.
Wenn der Geist weiter wird, klar und still wird, wenn diese Grenzen und Identifikationen, diese vorgefassten Meinungen verschwinden, dann ist der Apfelbaum das, was er immer schon war: vollkommen "apfelbaumig" in all seiner Qualität und Fülle. Dabei geht nichts verloren, sondern es wird mehr! Alles enthüllt sich in dem, was es immer schon war. Diese vorgefassten Meinungen, Beurteilungen und Konzepte in unserem Kopf, dieses kleine Universum, das wir ständig mit uns herumtragen, ist viel zu klein. Und du merkst, dass es zwickt und dass diese kleine Welt, die du dir geschaffen hast, viel zu klein für dich ist. Und du hast sie dir noch nicht einmal geschaffen, du hast sie dir überstülpen lassen. Aber du hast sie genommen und nicht nachgefragt. Deshalb sagen die Weisen: "Nicht glauben!" Nicht glauben, selber schauen! Nicht glauben, untersuchen! Alles, was du so an Glauben, Konzepten und vorgefassten kleinen Universen mit dir herumträgst, behindert dich. Es ist wie wenn du mit zu kleinen Schuhen herumläufst. Und das ist eigentlich alles.....