"Ein guter Musiklehrer", meinte Julia Fischer mal in einem Interview mit der FAZ, "fragt ein Kind, das mit dem Musikunterricht anfängt, was es bei dieser oder jener Musik empfindet." Gut möglich, dass das ihr persönliches Credo ist - dass sie selbst, als Musiklehrerin (nun mit einer Professur in München) wie als Musikerin vor allem das spielt und macht, bei dem sie selbst etwas empfindet. Und das ist gut so, denn nur so konnte wohl diese CD erscheinen, die, was die Auswahl der Musik, des Orchesters, des Dirigenten und der Solistin angeht, ein Glücksfall ist. Großartige Musik großartig gespielt unter der Leitung eines so inspirierten wie inspirierenden Dirigenten, Yakov Kreizberg (1959-2011), von einem so nuancen- wie farbenreich und dynamisch spielenden Orchester, dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, und mit einer Solistin, die über das Vorzeigen von Virtuosität bereits so erhaben ist, dass eben diese (tatsächlich stupende, schwierigste Passagen mit behender Leichtigkeit meisternde) Virtuosität spielerisch wirkt: geradezu selbstverständlich. Und, ja, bei dieser Musik gibt es eine ganze Menge zu empfinden: Ich zum Beispiel habe dabei Engel singen gehört, und die waren definitiv nicht von dieser Welt, auch wenn sie sich über streckenweise dunkler Erde bewegten. Am meisten beeindruckt hat mich Ralph Vaughan Williams "The Lark Ascending" - vielleicht das beste Beispiel für Victor Hugos oft zitierten Satz, wonach die Musik das ausdrücke, "was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist". Wobei es ungerecht wäre, bei einem Gesamtkunstwerk ein Einzelstück hervorzuheben. "Männer", meinte Julia Fischer noch in dem erwähnten FAZ-Interview, "streben nach dem ewigen Glück." Ihr Lebensziel sei dagegen "der innere Frieden". Gut möglich, dass sie das mit Produktionen wie dieser nicht nur selbst erreichen kann, sondern auch der Hörer. Ob Frau, ob Mann.