Das Pocketbook 360° stammt eigentlich von einem ukrainischen Hersteller gleichen Namens, allerdings merkt man den slawischen Ursprung höchstens an der etwas kitschigen Verzierung des Deckels. Der Deckel ist ansonsten sehr praktisch, man kann es nämlich mal vorne, mal hinten anbringen, um den empfindlichen Bildschirm zu schützen.
Der Bildschirm wirkt mit 5" erst mal etwas klein, was aber beim Lesen kein bißchen stört. Die Verarbeitung ist recht gut, das Gerät liegt gut in der Hand, was durch das leichte Gewicht noch begünstigt wird. Durch den 360°-Sensor, der das Bild automatisch dreht, wenn man den Reader umdreht, ist das ganze auch für Linkshänder interessant. Die Tasten sind gut erreichbar und können locker mit der gleichen Hand bedient werden, mit der man den Reader hält. Der einzige kleine Kritikpunkt sind die beiden großen "Blätter"-Tasten an den Seiten des Joysticks: die sind etwas druckfest und beim Drücken hörbar. Aber das Problemchen bin ich auch losgeworden (vgl. unten). Der Joystick ist die zentrale Navigationshilfe; alle Tasten sind frei definierbar (bis zu zwei Funktionen pro Taste, über kurzes und langes Drücken).
Wo der Reader ganz besonders punkten kann, ist die Software. Diese ist wirklich gut durchdacht. Wenn man schon die Formate ansieht, so kommt das Teil mit so gut wie allen zurecht. Ungeschützte und geschütztes ePUB und PDF, das im Ostblock verbreitete FB2, DOC, RTF, TXT, HTML... PDFs können über "Reflow" dargestellt werden, was die Lesefreundlichkeit erhöht. Bücher können in Verzeichnissen auf der Mini-SD-Karte abgelegt werden (bei FB2 werden sogar gezippte FB2-Dateien dargestellt), es gibt drei Ansichten für das Buchverzeichnis (z.B. auch mit Buchcover). Als Lesesoftware dient entweder ein Adobe-Reader (für DRM-geschützte Dateien) oder das OpenSource-Projekt FBreader. Mit einer modifizierten Version von FBreader ist es mit dem G-Sensor des Pocketbook 360° sogar möglich, ohne Knopfdruck die Seiten umzublättern (allein durchs Kippen im Handgelenk). Dies ist das Feature, das ich am wenigsten bei diesem Teil missen möchte.
Was WiFi, Laden von eBooks über UMTS oder sonstiges proprietäres Schnickschnack angeht, das die großen Player auszeichnet, so gibt es das alles hier nicht. Dafür bringt der Reader ein Notizenmodul, Speichern von Zitaten aus gelesenen Büchern (allerdings nur als Bilder), Suche und ein Wörterbuch mit (Englisch-Deutsch ist auf dem Gerät, weitere Wörterbücher kriegt man von der Seite des Herstellers). Auf Multimedia-Fähigkeiten verzichtet das Gerät (obwohl er Bilder in 16 Graustufen recht passabel darstellt), aber dafür gibt es so einiges an Spielen: z.B. Sudoku, Schiffe versenken, Solitär oder Schach.
Alles in allem ist es ein komfortabler, viele Formate fressender und funktional durchaus mächtiger Reader, der zwar nicht mit einem starken Markennamen punkten kann, dafür aber auch nicht den Käufer an die Insellösungen mächtiger Global Player ausliefert, die nur mit die "eigenen" Formate akzeptieren.