Mein erster Eindruck vom PB 903 war durchaus positiv: Gut lesbares Display, solide verarbeitetes Gehäuse und Unterstützung für eine große Anzahl von Dokumentenformaten (was für mich ausschlaggebend für den Kauf eines PB war). Leider mußte ich bald feststellen, dass das PB in vielen Fällen keine Alternative zum Notebook/PC zum Lesen von elektronischen Dokumenten darstellt, weil eine Vielzahl von (für sich gesehen eigentlich kleinen) Mängeln und Software-Bugs dem Benutzer das Leben schwer machen. Darüberhinaus hat das E-Ink-Display den Nachteil eines deutlich geringeren Kontrastes gegenüber einem TFT-Display (was natürlich nicht als Mangel am Gerät selbst zu werten ist, sondern Nachteil der verwendeten Display-Technik), so dass Text im Vergleich zum PC oder auch gedruckten Buch auf dem PB schwerer lesbar ist. Ebooks mit technischem/naturwissenschaftlichem Inhalt mit vielen verschiedenen Schriftarten und Formeln sind meiner Erfahrung nach besonders problematisch, weil hier der Teufel im Detail steckt und die schlechte Lesbarkeit auch nur weniger Symbole den Reader unpraktikabel machen (es sei denn, man hat Spaß daran, sich ständig in den Text rein- und raus zu zoomen).
Der Grund für meine schlechte Bewertung liegt aber in der schlechten Bedienbarkeit des Readers, die vermutlich auf eine mangelhafte Implementierung (des vermutlich zu großen) Funktionsumfangs zurückzuführen ist. Was mich betrifft, relativiert sich der Funktionsumfang dadurch beträchtlich, dass viele Funktionen nicht zufriedenstellend umgesetzt sind. Nun zu den von mir beobachteten Mängeln:
1. Das PB 903 ist in der Bedienung über den Touchscreen äußerst träge, häufig muss ein Bedienelement mehrfach berührt werden, bevor eine Reaktion erfolgt. Dabei ist es schwer zu beurteilen, ob es an der Empfindlichkeit des Touchscreens oder an der langsamen Reaktion des Readers liegt, ich vermute, dass beide Faktoren eine Rolle spielen. Will man über die virtuelle Tastatur ein Wort eintippen (z.B. beim
Internetsurfen), vergehen z.T. mehrere Sekunden, bis der Buchstabe erscheint, häufig erscheint dieser dann auch gleich doppelt (vielleicht als Entschädigung für das lange Warten?).
2. Reader reagiert nicht mehr: Ebenfalls ein häufiges Problem, dass das PB nicht mehr zur Weiterarbeit zu bewegen ist und nur durch Neustart wiederbelebt werden kann. Klar, dass so etwas ein großes Ärgernis ist.
Regelmäßig kommt es zu diesem Phänomen beim Öffnen von Wörterbüchern. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, diese überhaupt noch zu öffnen, weil die Bedienung dermaßen träge vonstatten geht, dass altmodisches Nachschlagen im Offline-Wörterbuch schneller zum Ergebnis führt. Hinzu kommt, dass sich das PB bei dieser Gelegenheit in 50% der Fälle aufhängt und neugestartet werden muss. Möchte man den Reader also extensiv nutzen, sollte man einiges an Wartezeit mitbringen (z.B. für den Neustart, das Umblättern der Seite, Navigieren allgemein..)
3. Newsreader bzw. Internet-Browser: Der eingebaute Newsreader hat die etwas störende Eigenschaft, dass die unterste Zeile angeschnitten wird. Weil nur in ganzen Seiten gescrollt werden kann, bedeutet das,
dass man die untersten Zeilen einer Seite geradezu eraten muss, sicher zu verschmerzen, aber eindeutig ein Minuspunkt. Ein separater Internet-Browser, der an einen Uralt-Mozilla-Klon erinnert, ist
wohl nur als Dreingabe zu betrachten. Aufgrund der eher schlechten Lesbarkeit, eingeschränkten Darstellung moderner Seiten und umständlichen Bedienung habe ich die weitere Benutzung sehr schnell aufgegeben, zum Surfen ist das PB schlichtweg ungeeignet.
4. Unzureichend konfigurierbare Viewer: Störend beim Pdf-Viewer ist das Fehlen einer Scrollfunktion, d.h. entweder lässt sich eine gesamte Seite lesbar darstellen oder man muss sich damit begnügen, nur Teile von Seiten lesen zu können. Beim chm-Viewer ist mir aufgefallen, dass die Formatierung schwer lesbar ist, insgesamt kein Vergleich mit Standard-CHM-Viewern auf dem PC.
5. Mangelhafter Support: Der Support lässt ebenfalls zu wünschen übrig, auf die beworbenen, regelmäßigen Updates warte ich seit etwa einem halben Jahr vergeblich, auf mehrfache Nachfrage bei pocketbook.de wurde mir mitgeteilt, dass ein Update in Vorbereitung sei und Ende des Monats rauskommen solle. Das war vor einem Vierteljahr...
Resümee: Offenbar wurde hier wieder mal vorschnell ein Beta-Produkt mit vollmundigen (und wahrscheinlich nicht haltbaren) Versprechungen auf den Markt geworfen, ausbaden darf das dann der ahnungslose Endkunde, der diesen Versprechungen Glauben schenkt.
Anmerkung: Diese Rezension bezieht sich auf Pocketbook 903 Firmware 2.0.6.