Air haben ja noch nie geschafft, ein schlechtes Stück Musik zu machen - so auch nicht auf Pocket Symphony. Allerdings sind sie hier so ... anders, unerträglich und still. Sie sind langweilig und die Pause zwischen zwei Beats raubt dir die Zeit.
Man fragt sich, ob sie ihre alten Instrumente weggeworfen haben, die Synthesizer downgraden lassen - wollen sie gar nicht mehr die Sexy Boy Kelly watch the Stars-Air sein, die ich so lieb gewonnen habe?
Die Antwort ist nein. Die Stimmung auf dieser Scheibe ist eher an 'Virgin Suicides' angelegt (die für einen Soundtrack toll ist...), tanzen kann man hier zu gar nix. Davon abgesehen ist die CD mit so einem opendisc-Autostart-Dreck versehen, der sich immer startet, wenn man sie in den PC schiebt.
Warum dann trotzdem 5 Punkte? Das frage ich mich auch, denn als ich mir 'Pocket Symphony' zum ersten Mal angehört habe (über mp3 player im Zug), bin ich eingeschlafen - naja, ich war eben müde...Bahn wirkt. Jedenfalls denke ich, dass diese Scheibe eine Chance verdient hat und halte sie hier für unterschätzt und unterbewertet - ich gehe gutgläubig davon aus, dass Air nicht die Ideen ausgehen, sondern diese Scheibe einfach mit dem Ziel kreiert haben, die ruhigste, chilligste und minimalistischste Musik zu machen, die ihnen möglich ist und somit den Zuhörer zum Zuhören zu zwingen.
Bei mir hats gewirkt, und ich höre einfach gerne Stücke wie 'Left Bank' oder 'Once upon a time' oder 'Mer de Japon' (eigentlich die schnellste Nummer, die anklingen lässt, dass sie nichts verlernt haben). Die Kompositionen, arangiert mit Glockenspiel, Tambourin, Xylophon, oder japanischen Instrumenten wie Koto(?) und Shamisen(?) strahlen Ruhe und Kraft aus. Und das chillige 'Hell of a Party' spricht jedem aus der Seele, der kurz vor einsetzen des Katers noch einmal den rauschenden Abend Revue passieren lässt.
'Pocket Symphony' ist so gesehen wirklich die Hosentaschensymphonie des kleinen Mannes, das ganze Album eine akustische Widerspiegelung des halbwachen Zustandes zwischen Einschlafen und Erwachen (Stichwort 'Somewhere between waking and sleeping'). Und ich gelobe auch, zu Pocket Symphony nie mehr einzuschlafen. Und noch etwas: 'PS' habe ich zu Beginn nur widerwillig, mittlerweile allerdings äußerst gerne und immer öfter in den CDplayer geschoben. Und plötzlich: Ist das eine Spur 'Kelly', die da im dezenten Beat von 'Napalm Love' lauert? Ich hörs mir noch mal an.
Nächstes Mal dafür bitte wieder mehr 'Moon Safari'!