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Pocahontas, in 4 Bdn., Buch.1, Po: Pocahontas in Wonderland. Shakespeare on Tour. Indian Song
 
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Pocahontas, in 4 Bdn., Buch.1, Po: Pocahontas in Wonderland. Shakespeare on Tour. Indian Song [Taschenbuch]

Klaus Theweleit
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn es stimmt, dass die deutsche Geisteswissenschaft von einem Renommee zehrt, dessen Zeiten längst vergangen sind, dann ragen Klaus Theweleits Buchprojekte wie die Gedankengebäude des 19. Jahrhunderts in den akademischen Betrieb: sperrig, monumental und unverdrossen. Nur wenige deutsche Wissenschaftler schreiben so kontinuierlich wie der Freiburger Publizist -- und in solchem Umfang. Seit seiner berühmten germanistischen Doktorarbeit Männerfantasien (1977) dreht sich sein Schreiben um das Motiv Männerherrschaft durch Frauenopfer. Theweleits neuester Mammut-Komplex, der aus einem geplanten Unterkapitel des Buchs der Könige I (1988) hervorgegangen ist, schreibt diesen ideologiekritischen Diskurs fort. Die jüngst erschienenen zwei (von vier) Bänden basieren auf der Geschichte des Indianermädchens Pocahontas, die einen weißen Siedler vor dem tödlichen Zorn ihres Vaters rettet. Für Theweleit ist die Pocahontas-Geschichte der "entscheidenste" Gründungsmythos der amerikanischen Nation. Hinter ihren teils widersprüchlichen Um- und Fortschreibungen sieht Theweleit die diskursive Macht der Kolonisatoren, die er in den historiografischen, poetischen und kulturellen Ablagerungen zu durchleuchten sucht. Letztlich geht es Theweleit um eine Theorie der Gewalt: Kämpfe zwischen Geschlechtern, Völkern und rivalisierenden mythologischen Diskursen.

Die Geschichte der Besiedlung der neuen Welt hat eine berühmte Leiche im Keller. Jamestown, Virginia, 1607: Der Kopf des 27-jährigen englischen Captain John Smith liegt auf einem Stein, darüber schwebt die Axt. Ein 12-jähriges Mädchen namens Pocahontas, Lieblingstochter des Häuptlings, legt sich schützend über ihn. Der Mann bleibt am Leben. Zehn Jahre später trägt dasselbe Mädchen den christlichen Namen Rebecca, hat einen englischen Tabakpflanzer geheiratet und stirbt auf Staatsbesuch als Indian Princess in London. Es hätte auch anders kommen können. Ohne Pocahontas' "Frauenopfer", so Theweleit, hätte "Nordamerika ... auch Mexico werden können, mit den Engländern als Spaniern, für ein paar Jahre lang zumindest." Damit lehnt sich Theweleit weit aus dem Fenster, aber das haben spekulative Lesarten so an sich. Theweleit liest die Geschichte dieses Mythos als die Geschichte einer "entscheidenden Verkehrung", als Manipulation, als Tilgung störender Elemente aus der trivialen Folklore, die das nationale Selbstverständnis der USA geprägt hat. Drei große Kapitel widmet er diesem Thema. Nach einer ausführlichen, spannend zu lesenden Einführung in den Pocahontas-Komplex geht es um Shakespeares Shipwreck-comedy, die auf den Schiffbruch einer Siedler-Überfahrt im Jahre 1610 anspielt.

Im letzten Kapitel beschäftigt sich Theweleit damit, wie sich die Instrumentalisierungen der Pocahontas-Figur als "all American girl" bis in die modernen Vereinigten Staaten hinein fortsetzt. Wir Mitteleuropäer, denen die Geschichte des mutigen Indianermädchens zuletzt (und wahrscheinlich zum ersten Mal) in der süßlichen Disney-Bearbeitung nahegebracht wurde, müssen viel nachholen. Wer zu faul ist, sich durch dieses überbordende Buch zu lesen, sollte sich wenigstens diese Warnung zu Herzen nehmen: "Wo Pocahontas draufsteht, ist immer 'ein Betrug' mit drin". Hugh! --Nikolaus Stemmer

Kurzbeschreibung

Dieser Band erzählt die so gut wie unbekannte Geschichte der Pocahontas, weitet sich zu einem Text über die Gleichzeitigkeit der Jamestown-Besiedlung, Virginia, mit Shakespeares "Sturm", weitet sich zu "Poca in den Literaturen" und entfaltet die Darstellung der IndianerIn als Mythos- und Bildwesen von den frühen Stichen der Europäer ins Design der Werbung und der Kinderbücher; eine Bildgeschichte der "Kultur, aus der Warhol kam" und die Disney-Feen ..."Züchtungs-Geschichten" von der Erfindung Amerikas ...

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
So vielschichtig und spannend habe ich selten ein geschichtliches Buch gelesen.Toll wie der Bogen von der damaligenzur heutigen Popkultur gespannt ist und wie die Instrumentalisierung von Geschichte an so vielen Beispielen anshaulich und gut geschildert wird. Selbst der Einfluss auf Shakespeare oder von ihm auf politische Entwicklungenund Ideengeschichte ist überzeugend gestaltet. Trotz des gewaltigen Umfanges habe ich über die Feirtage in einem Rutsch gelesen, ich konnte nicht mehr davon lassen.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Geschichte ist Mythos, so verkündet eine Rollschuhfahrerin auf einer der zahlreichen Illustrationen dieses Buches. Und kaum eine Geschichte ist mehr Mythos als die um Pocahontas, Tochter eines Indianerhäuptings, die einem der ersten weißen Siedler das Leben rettete, die Siedler mit Lebensmitteln versorgte, half, die ersten Tabakpflanzungen Virginias aufzubauen, getauft wurde und schließlich in London starb. Viele Dinge treffen hier zusammen: Der Gegensatz zwischen zivilisiertem Mann und schamloser, wilder Frau, der alte Traum vom paradiesischem Urzustand der Menschen, Vorstellungen von der Errichtung einer neuen Welt, und Möglichkeiten der Assimilation der Indianer. Tatsächlich kristallisieren sich in den Erzählungen der Beteiligten Momente heraus, in denen Entscheidungen für Jahrhunderte getroffen wurden: So etwa, als Pocahontas Vater die Heirat ihrer Schwester mit einem der Siedler verbietet, und so eine Entwicklung in Gang setzte, die die Vermischung von Indianern und Siedlern (wie sie ja in Mexiko und unterschiedlich stark in Südamerika stattgefunden hat), verhinderte: Weißer Mann und rote Frau waren für lange ein unmögliches Paar. Klaus Theweleit arbeitet (zusammen mit Martin Langbein) die Entwicklung der ersten Jahre der Besiedlung auch und besonders unter solchen mytho-politischen Aspekten heraus, wobei auch eine große Rolle spielt, wie die Engländer diese Entwicklung sahen (... durch Flunkereien von Abenteurern, durch geschönte Berichte der Virginia Company, durch phantastische Pläne intellektueller Weltenplaner). In einem zweiten Teil wird auf die Einflüsse eingegangen, die diese Ereignisse auf Shakespeares letztes Stück »Der Sturm« hatte. Dieses handelt bekanntlich von einer neubesiedelten Insel, auf der verschiedene Gesellschaftsmodelle ausprobiert werden. Vor dem Hintergrund der Pocahontas-Geschichte und der Mythen, die im damaligen England mit der Neubesiedlung verknüpft wurden, sei es nun Orpheus, Dido oder Amphion, werden viele vorher dunkle Stellen klar. Das Stück, so versteht man, hält England den Spiegel vor und entwirft ein Zivilisierungsprogramm für die eigene Gesellschaft. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
LATIN LOVERS 17. August 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Die erotischen Geschichten und Romane von Phil Andros, alias Samuel M. Steward, sind Klassiker, die man gelesen haben muß. Sein Werk gehört zum Besten dieses Genres. Phil Andros gelingt es immer wieder auf's Neue, die Buchstaben auf dem Papier in knackige Kerle aus Fleisch und Blut zu verwandeln. Sie sind dann so lebendig, daß man förmlich sehen kann, wie sie aus den Buchseiten heraussteigen und sich miteinander beschäftigen...
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