Nach langem Zögern habe ich mir nun doch einen Diascanner gekauft.
Ich war schon kurz davor, einen Nikon Coolscan 5 zu kaufen, aber der war dann nicht mehr lieferbar und eigentlich auch etwas teurer als ich mir gewünscht hatte.
Nach einiger Recherche bin ich dann beim Plustek 7600i Ai gelandet.
Insgesamt sind meine Erfahrungen damit bisher recht positiv. Die Ergebnisse sind nach kurzem Experimentieren recht brauchbar und der Workflow vom Scannen zum richtig zurechtgeschnittenen und bearbeiteten Bild flutscht inzwischen ganz gut. Die ersten 500 Dias sind schon auf der Festplatte.
Die für mich auffälligsten Schwachpunkte will ich hier einmal aufzählen.
Makel 1: Das Verhältnis von Pixelzahl zu Auflösung ist nicht gerade gut. Bei eingestellten 7200ppi erreicht man nicht mal die Hälfte an Auflösung. Gut, sollte man meinen, 3250ppi reichen eigentlich auch aus. Dummerweise ergeben eingestellte 3600 ppi nur noch knapp 2600 "echte" ppi. Die Anzahl der Pixel im Bild hat halt nur mittelbar etwas mit der Auflösung zu tun.
Man muss also leider einen doppelt so hohen Wert einstellen, wie man am Ende haben möchte. Schade eigentlich. Bei 3600 ppi und 48Bit Farbumfang ergeben sich so mal eben 110 MB pro Bild bei unkomprimierter Speicherung.
Da etliche Bilder aufgrund mehrere Jahrzente der Lagerung nicht mehr unbedingt ihre Originalfarben haben, oder aber weil sie evtl. schon vorher unter- bzw. überbelichtet waren, ist nachträglich noch vieles an Nachbearbeitung nötig. Daher kommt für mich nur der 48Bit-Modus in Frage. (Reduziert wird dann am Ende der Bearneitung)
Hätte sich Plustek entschieden, einen realistischeren Wert anzugeben, so dass man z.B. die erreichbaren ca. 3250 ppi bei eingestellten 3600 ppi erhalten würde, wäre nur ein Viertel des Speichers und der Rechenleistung nötig.
So muss man halt nachher das Ergebnis verkleinern um redundante Pixel zu entsorgen.
Hier hat wohl Marketing über Verstand triumphiert.
Makel 2: Software...
Auch über 4 Wochen nach dem Verkaufsstart von Windows 7 ist von Silverfast noch keine Version verfügbar, die darauf laufen würde. Der Plustek Treiber ist zwar exakt seit dem Verkaufsstart erhältlich, bringt alleine aber auch nicht viel.
Das war mir allerdings vorher bekannt. Nicht bekannt war mir jedoch, dass selbst unter Windows XP, das innerhalb einer virtuellen Maschine lieft, kein Scannen möglich war. Jeder Versuch wurde sofort mit einem Bluescreen beantwortet.
Auch der Windows7 eigene virtuelle XP-Modus ergab keine besseren Ergebnisse. Auch hier wurde SilveFast sofort beendet.
Auf meinem Netbook, auf dem ebenfalls Windows XP installiert ist, läuft die Software dagegen einwandfrei. Dank des leistungsschwachen Prozessors allerdings nicht gerade mit überragender Geschwindigkeit.
Hier macht sich auch noch die unsinnig hohe Pixelzahl und die daraus resultierende Vervierfachung des Speicherverbrauchs bemerkbar. (Pro Bild mit Doppelbelichtung und Kratzerentfernung dauert der Scannvorgang ca. 8 Minuten)
Außerdem ist die Software nicht sonderlich gut dafür geeignet, mit einem kleinen Display verwendet zu werden. Hier fehlen Teile von Dialogen. Das ist aber ein generelles Problem bei Netbooks.
Auf einem halbwegs aktuellen Desktop Rechner mit Windows XP oder Vista sollte es hier keine Probleme geben.
Makel 3: Positionieren der Bilder
Im Gegensatz zu manch anderen Scannern, wo nur einzelne Dias eingeführt werden können, hat der Plustek Scanner je einen Dia- und einen Negativhalter für 4 gerahmte Dias oder Streifen mit bis zu 6 Negativen.
Die naheliegende Vermutung, dass diese auch automatisch eingescannt werden können, ist aber leider nicht zutreffend.
Die Halter verfügen lediglich über Kerben, so dass sie in der richtigen Position einrasten um je 1 Bild scannen zu können. Dies muss dann manuell gestartet werden und der Rahmen muss manuell weiterbewegt werden.
Sonstige Anmerkungen:
- Das beigefügte Silverfast bietet viele Möglichkeiten, die Scanns noch zu optimieren. Auch ein Kalibrier-Target für Dias ist enthalten. Im Nachhinein muss ich sagen, dass eine Kalibrierung zumindest bei den meisten der älteren Bilder keinerlei Vorteile bringt, weil die Farben ohnehin nicht mehr gut erhalten sind.
Daher führe ich jegliche Farbkorrektur nicht im Scanprogramm durch, sondern erst nachträglich mit gesonderter Bildbearbeitungssoftware.
- Die Kratzerentfernung dauert eine ganze Weile, liefert aber dafür deutlich bessere Ergebnisse als ohne. Da meine Dias in Rahmen mit Scheiben vor und hinter dem Film untergebracht sind, kann eine weitere manuelle Säuberung nur mit erheblichem Aufwand durchgeführt werden und da ist mir der automatische Weg deutlich lieber.
Alles kann natürlich auch nicht entfernt werden
- Der Scanner (und Silverfast) unterstützt eine Doppelbelichtung zur Verbesserung des Farbumfangs und eine Mehrfachbelichtung zur Reduktion der Körnung. Jedoch sind nicht beide gleichzeitig möglich. Ich habe mich dabei für die Erhöhung des Farbumfangs entschieden. Zusammen mit der IR-Abstastung kommen dann schon genug Durchgänge zusammen, die auch jede Menge Zeit in Anspruch nehmen.
Nachtrag:
- Einen sehr ausführlichen Test dieses Scanners habe ich unter www.filmscanner.info gefunden. Insbesondere die gemessenen Auflösungswerte sind interessant. Die Zahlen waren mir übrigens vor dem Kauf bekannt. Ich wollte sie nur nicht verschweigen.
- Inzwischen ist von Silverfast auch eine Version erhältlich, die mit der 64Bit-Version von Windows 7 funktionieren soll. Wenn wieder ein Schwung Dias zum Scannen ansteht, werde ich die mal ausprobieren, für die aktuelle Aktion kam diese zu spät.
- Nach Einscannen der ersten 900 Dias habe ich meinen Kauf noch immer nicht bereut. Zwar dauerte es sehr lange, aber das Ergebnis war OK. Die Optionen von Silverfast zur Bildverbesserung (Helligkeitskorrektur etc.) nutze ich allerdings nicht. Hierzu geht es in den Photoshop (bisher nur Elements) zur Nachbehandlung.