Vorab: Der Renzensent ist ein beinharter Francoise-Fan, der ausnahmslos alle Platten als Cd und Vinyl sein eigen nennt. Und nun dieses Spätwerk, das die renommierte HiFi-Zeitschrift Stereoplay mit "altersmild" gekennzeichnet hat. Genauso scheint es zu sein; nach eher düsteren CDs (Le Danger) ist dies nun eine mit einer scheinbaren Leichtigkeit, die aber eher einer Unverbindlichkeit gleichkommt. Das liegt nicht an der Stimme von Madame Hardy, die immer noch erfrischend, kraftvoll und ausdrucksvoll erklingt. Auch die Texte (bis auf wenige Ausnahme von Francoise selbst verfasst) überzeugen. Aber der Musik fehlt es an Ausdruck. Sie ist zu sehr im Stil der heutigen Zeit gefangen - an die dynamikarme Ipod-Generation angepasst. Weichgespült!
Musikkalisch wenig ausdrucksvoll sind "Noir sur blanc" (Basslauf und Snare-drum wie auf unzähligen Pop-Balladen) und "La pluie sans parapluie", fast langweilig ohne jeden Höhepunkt plätschern "Mieux le connaitre" und "Un couer eclaté" dahin. "Le temps de L'innocence" klingt wie durch einen dämpfenden Vorhang, schlecht aufgenommen oder schlecht abgemischt? Der Rest ist durchaus angenehm anzuhören, auch wenn man nur mehr Augenmerk auf die Instrumentation gelegt hätte. Besitzer einer high-endigen Anlage werden enttäuscht sein.
Nur als Hintergrundmusik bei einem exklusiven Dinner - dazu sollte sicht die Künstlerin doch zu schade sein. Sie kann mehr, auch heute noch mit ihrem jugendlichen Alter von 66 Jahren. Gute Musik ist aber mehr als eine aufregende Stimme und literarisch anmutende Texte, die Gesamtkonzeption überzeugt einfach nicht (wenn es denn eine gibt). Noch einmal ein Stereoplay-Zitat: "Aus dem seicht-kontemplativen Balladen ragen nur der feine Gitarrenpop "Le Pas" und das locker-swingende "Je ne vous aime pas" heraus. Stimmt nicht ganz, das englisch gesungene "Memory devine" ist bluesig angehaucht (die englische Aussprache ist einfach grausig - Madame Hardy spricht und singt sogar in Deutsch besser). "Esquives" klingt nach Francoise's Glanzplatten der späten sechziger und frühen siebziger Jahre. Zum Schluss der CD lädt "Les mos s'envolent" zum Träumen ein; und "L'aute cote du ciel" lässt ahnen, dass es nicht mehr so viele Platten von Madame Hardy geben wird. Schade!
Aber gottseidank gibt es noch den kompletten Katalog zu kaufen oder teilweise bei ebay zu ersteigern - sie ist eben eine großartige Künstlerin. Regen ohne Regenschirm - das ist im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt anzuraten, zu schnell verkühlt man/frau sich. Ja, ich hätte mir etwas mehr Sonne und Licht gewünscht ...