Ripley's Mutti plaudert aus der Schule
Natürlich, wer ein Buch schreiben will, der sollte sich zuvor Gedanken darüber machen, wie das eigentlich so läuft mit dem Schreiben, dem Plotten und dem Erzählen überhaupt.
Scrollt man durch die einschlägigen Foren und Blogs, oder mischt man sich unter die Teilnehmer irgendeines x-beliebigen Creative Writing Kurses, fallen dort immer dieselben Namen: Sol Stein, zum Beispiel, mit seinem zum Klassiker erklärten Werk "Über das Schreiben" oder auch schon mal Albert Zuckerman's "Wie verfasst man einen Bestsellerroman".
Sol Stein ist als Romancier zumindest im deutschen Sprachraum jedenfalls längst vergessen.
Zwei Namen hört man angesichts des Themas "Schreiben ' Do it yourself" erstaunlicherweise so gut wie nie.
Der eine ist Raymond Chandler, der mit seinem längeren Essay "The simple Art of Murder" immerhin die Regeln für ein ganzes Genre, nämlich,den hard boiled Kriminalroman festlegte. Und: Patricia Highsmith, die mit "Plotting and Writing Suspense Fiction" eine der wenigen Großen des Autorengewerbes darstellt, die sich noch zu Lebzeiten bereit fanden, dem Publikum einen Blick in ihre Werkstatt zu ermöglichen.
Vielleicht liegt die relative Unkenntnis über dieses Büchlein nur daran, dass es wohl seit längerem in deutscher Sprache nicht mehr aufgelegt worden ist. An seiner Qualität kann es jedenfalls nicht liegen. Denn die ist über jeden Verdacht erhaben.
In einem klaren und einfach zu lesendem Stil plaudert Patricia Highsmith hier aus der Schule des Schreibens, schildert was nötig ist dazu einen Spannungsroman zu verfassen, vor allem aber hält sie, die doch immerhin für den Nobelpreis nominiert gewesen sein soll, nicht damit zurück, auch eigene Fehler und Probleme beim schreiben deutlich zu machen. Highsmith ist selbstverständlich Profi genug, nicht etwa irgendwelche Rezepte für Erfolg beim Publikum zu versprechen.
Ihr wichtigster Ratschlag lautet denn auch, dass man ohne gehöriges Sitzfleisch und eine gewisse moralische Indifferenz, besser gar nicht erst versuchen sollte Kriminalromane zu schreiben .
Doch wem das zu prosaisch oder gar altbacken daherkommt, dem möchte ich dieses Buch aus einem anderen Gesichtspunkt empfehlen: man kann es nämlich durchaus auch als Werkstattbericht aus dem stillen Kämmerlein einer der wirklichen Könnerinnen ihres Genres lesen. Und welcher Krimifan könnte der Versuchung schon widerstehen einmal einen Blick auf die andere Seite - hinter die Kulissen zu werfen?