"Ich wollte leben! Ich wollte das Leben geniessen! Ich wollte tanzen, singen, lieben, und erdbebenartige Org*smen haben! Ich wollte spielen und ich wollte f*cken!"
Maggie Tapert, die in den sechziger Jahren steht, hat mit ihrem vorliegenden Buch, ihre eigene Geschichte niedergeschrieben, es ist eine Biographie, eine Verarbeitung ihres Lebens, ihres Frau-Seins, eine innere Auseinandersetzung mit der se*uellen Frau und deren Identität, es ist aber auch auch eine Art Selbstfindung, ein ungezähmter Geist, eine revolutionäre "Pleasure-Aktivistin", die sich dem weiblichen Org*smus und dem kraftvollen spirituellen Wesen in der Frau verschrieben hat, eine selbstbewusste Amerikanerin, die in der Schweiz lebt und sich aufmacht, die eigene Programmierung in sich aufzulösen und diese Erfahrung an andere weiterzugeben, und deren Ziel es ist, immer mehr zu lieben, eine ungewöhnliche und selbstbewusste Auseinandersetzung, die ein Ziel hat: Zu lieben und dabei frei zu sein!
Sie gilt als extrovertierte Provokateurin und se*ueller Sonderling, (die sich in der monogamen Beziehungsform nie wirklich glücklich fühlte) sie nimmt sich mehrere Liebhaber, ihr Motto: "Liebe die Männer und lass sie gehen!" Als ihre Ehe mit 40 Jahren zerbricht, sollte einen innere Suche und Auseinandersetzung beginnen, die den Focus auf "Pleasure" hatte. Ein Ausdruck, der ganz vieles in sich vereint, Liebe, Selbstfindung, Selbstverwirklichung, gelebte weibliche S*xualität, eine natürliche Neugier auf das Leben und dem, wie Lebensfreude im Innersten verankert sein kann, mit Herz und Lust, mit G*ilheit und der Lust am S*x, und vor allem wie wenig heute Frauen im 21. Jahrhundert noch immer nicht zu ihrer Ur-S*xualkraft und deren Ausdruck stehen. Maggie Tapert weiss, was weibliche S*xualität auch in der heutigen Zeit verhindert oder einschränkt, wieviele Frauen noch nie einen Org*smus in ihrem Leben hatten, sie will den Frauen ihr Anrecht auf weibliche Org*smusfähigkeit zurückerobern, will den Weg für eine authentische weibliche Se*ualität frei bahnen, um dabei wieder in eine eigene Erlaubnis zu kommen, ihr Wissen gibt sie schon seit 20 Jahren in ihren Seminaren für Frauen weiter. In ihren workshops fragt sie ihre Teilnehmerinnen: "an welchem Punkt sie in ihrer se*uellen Reise angekommen sind." Fragen wie: "Was habe ich für eine se*uelle Identität" bis hin zu "Wer bist du se*uell und wie erlebtst Du Dich als se*uelles Wesen?" stehen im Zentrum ihrer Arbeit. In unglaublicher berührender Schilderung, erzählt sie im Kapitel "Die Arbeit mit Frauen" von ihren Seminar-Erfahrungen als workshop-Leiterin, die einmalig sind. Im letzten Kapitel "Begegnung mit der Liebe" beschreibt sie die Liebe als eine "anspruchsvolle Berufung". Ich halte diese beiden Kapitel für die Stärksten in diesem Buch.
Daneben erfährt man von ihrer eigenen Erfahrung mit einer Unterleibserkrankung, ihre Eskapaden auf einer Fetischparty, ihrer Rolle als Domina (Ich und mein Boy), ihr Versuch als Haupt-Darstellerin in einem P*rnofilm mitzuwirken, ("Zum ersten Mal wurde mir grausam klar, was es bedeutet - einen P*rnofilm zu drehen..") sie erzählt von ihrem Org*smobile, wo sie am Zürcher Paradeplatz eine BH-Sammlung veranstaltet, sowie Frauen die Gelegenheit anbietet, in ihrem selbstgebauten/erdachten Lustmobile ausgestattet mit ihrem entwickelten Super-Hammer-Vi*rator "Maggies Magic" in den Genuss s*xueller Org*smen zu kommen, bis dahin, wo sie von ihren chirurgischen Eingriffen erzählt, um als schön und attraktiv zu gelten. Sie erzählt von verzehrenden Leidenschaften, will das Leben in seiner vollen Schöpfung erfahren und ist gleichzeitig vor dem Scheitern nicht gefeit. Enttäuschungen und schmerzhafte Erfahrungen, zwingen sie zur Auseinandersetzung mit sich selbst, wobei sie ehrlich zugibt: "Heute kann ich zugeben, dass ich eine Frau bin, die Männer liebt."
Fazit: Man geht bei diesem Buch durch z.T. weniger Interessantes bis hin zu völlig berührenden Kapiteln, wo man die Erschütterung von Frauen spürt: "Am nächsten Morgen erzählte mir meine Assistentin, dass Sarah, umgeben von ihren liebevollen Freundinnen, einen Org*smus gehabt habe. Als wir uns später trafen, strahlte sie und teilte unter Tränen in den Augen der ganzen Gruppe mit, sie habe das Gefühl, endlich angekommen zu sein". Maggie Tapert, Expertin für den weiblichen Org"smus, schafft Räume und Möglichkeiten , sein weibliches s*xuelles Selbst zu erforschen und zu erfahren. (Grenzüberschreitungen in der Vergangenheit führen zu Selbstentmachtung in der Gegenwart)
Unglaublich ehrlich und authentisch ist es geschrieben, das mich persönlich sehr beeindruckte. Während mich die Schilderung von Schönheitsoperationen, ihrem Ausprobieren auf einer Fetischparty etwa oder etwa ihre Org*smobile-Tour in Zürich weniger angesprochen und interessiert hatte. Nichts desto trotz, hat sich hier eine Frau einer Wahrheit verschrieben, die ein Recht einfordert, das mehr als nur berechtigt ist, Maggie Tapert will Konditionierungen, Angepasstheit, Bravheit, Programmierungen, gesellschaftliche Zwänge und Konventionen durchbrechen, um dem authentischen se*uellen weiblichen Ausdruck Möglichkeiten zu geben, gelebt zu werden, was ich persönlich für einmalig halte.
Was kann es Schöneres und Berührenderes geben, wenn ein Mensch, eine Frau sich aufmacht, um sich tiefer kennen zu lernen, als sie bis anhin wusste. "Ich will wissen wie andere Menschen lieben...Ich bin offen genug, um mich vom Leben überraschen zu lassen, und heisse das Geschenk willkommen, im Hier und Jetzt zu leben." Was will man dem noch entgegen halten, als ihr meine Wertschätzung und Dankbarkeit auszudrücken in einer Zeit, wo Frauen immer noch nicht zu ihrer Se*ualität stehen, ich halte die Arbeit von Maggie Tapert für bewundernswert! Eine bewusstmachende auf das Leben neugierig machende Lektüre mit zweifelsohne er*tisierender Wirkung, auch für Männer sehr empfehlenswert!
Gerne zitiere ich hier ein paar aussagekräftige Stellen:
"Ich möchte Ihnen helfen, sich von überholten Konventionen zu verabschieden und ihr individuelles , authentisches befriedigendes se*uelle Selbst zu entdecken. Ich möchte, dass sie verstehen, dass ihre Sexualität, nichts mit jemand anderem zu tun hat...Wenn ich heute im Park spazieren gehe und junge Paare, Arm in Arm mit Kindern und Hunden im Schlepptau sehe, erinnere ich mich daran, dass auch ich das einmal hatte...Die Schwelle zum Org*smus zu überschreiten, ist der Beginn einer lebenslangen Reise des se*uellen Selbstausdrucks."