Nach dem Erfolg ihrer zweiten Single Please please me lag es auf der Hand, schnell eine gleichnamige LP nachzuliefern. Am 11. Februar '63 spielten die Beatles an einem einzigen Tag (in 585 Minuten Studiozeit) 10 Songs ein (Lennon war stark erkältet), ergänzten sie um die beiden bereits erschienen Singles Love me do/P.S. I love you und Please please me/Ask me why und kamen so auf 14 Songs, was - mit Ausnahme von "A hard Day's Night" - bis zum "Sgt. Pepper's"-Album die Standard-Titel-Zahl auf ihren Alben bleiben sollte.
Die ursprüngliche Idee, einen Live-Auftritt der Beatles mitzuschneiden, wurde glücklicherweise verworfen (man denke an die Klangqualität solcher Aufnahmen Anfang der Sechziger!); es stimmt allerdings auch nicht ganz, dass die Beatles stattdessen einfach nur ihr Live-Programm im Studio eingespielt haben, wie ein Vergleich mit dem Album "Live at the Star Club!" zeigt; dieses war in der Songauswahl doch deutlich ungehobelter und rockiger und nicht so Pop-orientiert wie das Album.
Auf "Please please me" sind schon etliche Merkmale zu hören, die den Sound der Beatles über Jahre definieren sollten: hervorragender Harmoniegesang, ein tolles Gespür für Melodien und einfach diese den Beatles ganz eigene Präsenz, dieser Gruppengeist, der Millionen Fans wünschen ließ, den Beatles näher zu sein. Bei 6 Coversongs und für die damalige Zeit unerhörten 8 Eigenkompositionen (die die Zeit besser überstanden haben als die Covers) zeichnete sich bereits Lennons Hang zu melancholischen Balladen über verlorene Liebe ab (Anna) als auch zu rauen, ungeschliffenen Rockern (Twist and Shout) und McCartneys Hang zu eingängigen Rockern (I saw her standing there) und Melodien (P.S. I love you), aber auch zum etwas Schwülstigen (A Taste of Honey). Die Platte hat ihre Durchhänger (z.B. das etwas belanglose Chains), zeigt aber Lennon/McCartney als viel versprechende Komponisten auf ihrem Weg; Do you want to know a Secret erreichte in der Version von Billy J. Kramer and the Dakotas ein paar Wochen später die Spitze der britischen Charts. Ein typisches Merkmal dieser Zeit war der häufige Einsatz von Lennons Mundharmonika, die sich besonders 1963 auf zahlreichen Beatles-Songs findet.
George bekommt mit Chains und Do you want to know a Secret zwei Songs zu singen; er sollte sich als Sänger über die Jahre stetig verbessern. Auch Ringo bekommt mit dem peppigen und erstaunlich gut gesungenen Boys einen Song für seine Fans; wie Paul später einräumte, machten sich die Beatles damals keine Gedanken darüber, den Text einer Girl-Group (Shirelles) eins zu eins zu übernehmen, sondern hatten einfach Spaß am "bop-shoo-wop"-Chorgesang!
Beim Erstellen der CD-Erstauflage des Albums 1987 hatte George Martin (wie auch für die nächsten drei Beatlesalben) entschieden, nur den Monomix zu veröffentlichen mit der Begründung, nur für dieses Format seien die originalen Zweispur-Aufnahmen damals konzipiert gewesen. Das mag sein; nur hatten sich in den vielen Jahren danach Millionen Hörer an die Stereo-LPs gewöhnt, und für sie bedeutete der Monomix einen Rückschritt. Die Remaster machten 2009 zum ersten Mal offiziell den originalen Pingpong-Stereo-Mix zugänglich, an dem sich wiederum die Geister scheiden. Um es kurz zu machen: ich persönlich habe die frühen Beatles-LPs so kennengelernt und liebe sie so, wie sie sind, ich fand es immer witzig, die Musik von links zu hören und den Gesang von rechts, und die Remasters klingen so fett, dass die beiden Spuren nicht allzu separiert aus den beiden Kanälen klingen.
Blöd für die Liebhaber der Mono-Mixe ist allerdings, dass es diese nur gesammelt in der Mono-Box zu kaufen gibt; bei einer Albumlänge von 33 Minuten wäre es heute eine Selbstverständlichkeit, den Mono- UND den Stereomix auf einer CD unterzubringen und die Hörer selbst wählen zu lassen (so wie z.B. auf den beiden 4-CD-Boxen "The Capitol Years"), zuzüglich der Single From me to you/Thank you Girl (aufgenommen und erschienen kurz nach der LP), von der es ebenfalls je einen Mono- und einen Stereomix gibt. Außerdem vermisse ich der Vollständigkeit halber noch (gegenüber der Albumversion mit Andy White am Schlagzeug und Ringo am Tamburin) die Singleversion von Love me do mit Ringo am Schlagzeug. Die sich so ergebenden 76 Minuten Spielzeit hätten locker auf einer CD Platz. Leider wurde diese Chance wieder vertan.
Mit I saw her standing there, Please please me, Love me do und der energetischen Cover-Version von Twist and Shout sind hier bereits vier unsterbliche Beatles-Klassiker zu finden. "Please please me" bekommt ihre fünf Punkte ohne weiteres, weil sie bereits diese gewisse Frische aufweist, die sich über die letzten 45 Jahre einfach nicht verbraucht hat.