Im Mai 1978 veröffentlichte Steve Hackett mit Please Don't Touch sein zweites Soloalbum - und das erste nach seinem Ausstieg bei Genesis. Wie auch Peter Gabriel bei seinem Debut wollte Steve so viele musikalische Stile wie möglich unterbringen und dabei auch ein Crossover aus weißer und Black Music erschaffen. So wurde das Album auch zur Hälfte in Großbritannien und zur anderen Hälfte in den USA aufgenommen.
Please Don't Touch bietet eine enorme Bandbreite an unterschiedlichen Musikstilen - von Pop, Rock, über Folk, Soul und Klassik bis hin zu Prog. Insgesamt hat es für einen britischen Musiker einen sehr amerikanischen Touch bekommen. Das alles in einem Album so zu vereinen, dass am Ende noch ein geschlossenes Werk und nicht nur eine willkürliche Ansammlung verschiedener Musikstücke herauskommt, ist schon ein wahres Kunststück. Die Kombination verschiedener musikalischer Stilrichtungen auf einem Album ist zu einem Markenzeichen von Steve Hackett geworden (besonders auf den beiden (vor-)letzten Rockalben To Watch The Storms und Wild Orchids). So gut wie bei Please Don't Touch ist ihm eine harmonische Vereinigung der unterschiedlichen Musikrichtungen meiner Ansicht nach nie wieder gelungen. Trotz der wirklich enormen Kontraste (welcher Nicht-Hackett-Kenner würde auch nur erahnen, dass hinter Kim, Hoping Love Will Last und Narnia der selbe Komponist und Musiker verbirgt?) kann man das Album sehr gut im Ganzen hören. Die Stilbrüche wirken bei den ersten Hördurchgängen sicherlich verwunderlich, sie stören aber auch nicht wirklich. Dafür sorgen zum einen verbindende Elemente wie wiederkehrende Sounds, die sich durch das gesamte Album ziehen (z.B. Steves singende Gitarre, die Nylongitarre oder auch der Necam-Chor), und fließende Übergänge zwischen den Stücken (wie zwischen Hoping Last Will Last und Land Of Thousand Autums).
Zum anderen ist die Qualität der Songs und Instrumentalstücke durchgehend gut bis exzellent; da ist einfach kein Ausfall dabei. Durch die für Hackett verhältnismäßig hohe Anzahl von Songs (sechs Stück an der Zahl bei zehn Tracks), von denen alle recht eingängig, teilweise sogar sehr radiotauglich sind (Narnia hätte ein Hit werden können!), wird der Hörer trotz der großen musikalischen Bandbreite des Albums auch nicht zu stark überfordert. Immerhin erreichte die LP mit dem Platz 38 sogar die Top 40 der britischen Charts.
Auch die Produktion des Albums durch John Acock und Steve Hackett kann überzeugen. Der Sound ist an den richtigen Stellen klar und brillant und hat bei den rockigeren Stücken genug Biss und Kraft. Besonders erfreulich ist, dass die Gitarren, die bei Genesis allzu oft unter den Bankschen Keyboardteppichen zugekleistert wurden, auf Please Don't Touch endlich klar und akzentuiert zu hören sind, auch ohne dass sie sich ständig in den Vordergrund drängen müssen. Viele Genesis-Fans hätten sich einen solchen Sound besonders auf der Wind & Wuthering gewünscht.
Sehr weise war auch die Entscheidung, bei den Songs hauptsächlich auf Gastsänger zu setzen. Mit Steve Walsh, Randy Crawford und Richie Havens hat Steve drei wirklich erstklassige Stimmen rekrutieren können, die seinen Songs eine ganz besondere Qualität verleihen. Wenn Hacketts Songs von wirklich guten Stimmen gesungen werden, kann man oft erst das enorme Songwritingpotenzial erkennen, das in dem englischen Gitarristen steckt. So sympathisch ich Steves Gesangeskünste auch finde und so sehr ich viele der von ihm selbst gesungenen Songs schätze, nein, ich möchte mir nicht vorstellen, wie Icarus Ascending oder Narnia mit Steves Stimme geklungen hätte. Dafür sind die Songs, so wie sie jetzt mit den Gastsängern sind, einfach zu gut!