Pleasantville ist auf jeden Fall ein Ausnahmefilm und ein Experiment. In Zeiten, da entweder Action, absoluter Nonsens oder saubere Gut-Böse-Klischees in den Kinos angesagt waren und die MTV-orientierte Schnellschnitttechnik alles beherrschte, kam dieser unscheinbare Film in die Kinos und lieferte zumindest mir eine erfrischende Auszeit von der Standartkost.
Dabei ist die Story, der Plot, sind die Charaktere nicht einmal so ungewöhnlich, genau genommen nimmt Pleasantville das Alice-im-Wunderland-Thema auf, indem es zwei Teenager nicht nur in die Zeit (50-er) sondern in eine Geisteshaltung zurückschickt - in die einer fiktiven 50-er-Jahre TV-Serie, die die Biedermann-Welt dieser Zeit bediente. In dieser Welt haben die beiden eine "Queste", eine (Lern)Aufgabe zu erfüllen, bevor sie wieder zurückkehren können - oder wollen.
Der Film bedient sich, was leider selten ist, dabei Möglichkeiten in der Bebilderung, um den Fortschritt und die Auswirkung des Erkenntnisprozesses aufzuzeigen: Die Welt, in der die beiden landen ist schwarzweiß. Erst mit der Etablierung eigenständiger Gedanken, Willen, Emotionen, dem Durchbruch durch Prägungen und Normen bekommt diese Welt Farbe - und wird dabei nicht nur bunt und schön, sondern auch gefährlich - die Kehrseite von Liebe ist Hass.
"Pleasant" - "angenehm", lau - wandelt sich zu heiß wie kalt. Das finden einige denn auch "unpleasant", und versuchen, die Demontage der Norm zu verhindern. Eindrucksvoll zeigt sich hier der Kampf des Massedenkens gegen das Individuelle, aber die "Bösen" sind nicht wirklich "böse", man gewinnt auch Verständnis für deren Ängste, sich Neuem anpassen zu müssen, selbst denken zu müssen, eigene Entscheidungen zu treffen.
Dieser Film schafft es, einerseits eine spritzig-lockere Komödie zu erzählen, deren Schauspieler mit Witz und Charme dem Zuschauer einen positiven und freudigen Abend zu bereiten, andererseits eine Message zu transportieren, die die Gefahren von Normdenken und Massenbequemlichkeit aufzeigt (bis hin zum offenen Rassismus) ohne zu sehr auf für Hollywood übliche schwarz-weiß-Klischees zurückzugreifen, geschweige denn den Zuschauer mit einem erhobenen Zeigefinger den Spaß am Film zu nehmen. Als Zwischending zwischen Teeniekomödie, Märchen, Liebesschnulze und Sozialkritik passt dieser Film eigentlich kaum in eine Schublade. Selten so etwas gutes aus Hollywood gesehen.
Die DVD lohnt sich darüberhinaus: wer englisch kann kann auf den Originalton umschalten und den (dennoch gut übersetzten, aber...) eigentlichen Wortwitz genießen, der sich durch den ganzen Film durchzieht. So liebevoll das Bild, so exakt pointiert ist der Dialog.
Weiter Extras runden das Angebot ab, so dass sich die DVD für jeden lohnt, der gerne ungewöhnliche Filme im Haus hat und Intelligenz wie Herz anzusprechen gedenkt.