Daran, dass Sakamoto einer der ganz großen Musiker und Komponisten unserer Zeit ist, steht längst außer Frage ' ob Yellow Magic Orchestra oder seine Zusammenarbeiten mit zahlreichen internationalen Stars, ob remixed, mit Orchester oder wie hier in der minimalsten aller denkbaren Formen nur am Klavier' das japanische Multitalent überzeugt fast immer. Auf Playing the Piano interpretiert Sakamoto eigene Werke (Hauptsächlich Soundtracks, , irgendwo zwischen jazziger Lässigkeit und klassischem, fast romantischem Timbre, das in der leisen, aber hochpräzisen Aufnahme perfekt eingefangen ist. So reduziert wie das Cover, allerdings weniger kantig, eher beiläufig, fast schluffig, nie versucht, sich als Pianogröße zu profilieren (die Sakamoto einfach auch nicht wäre) wirkt die Einspielung, die eine «Greatest Hits»-Collection der ganz anderen Art zeigt. Eher wirkt es, als würde Sakamoto für sich, privat, einige seiner Favorites durchspielen, zwischen Klimpern und Analyse, zwischen Warmup-Fingerübung und Meditation. Es ist spannend, vor allem im Vergleich, wie Ryuichi Sakamoto aus seinen Arrangements die Luft herauslässt, den orchestralen Gestus oder elektrische Exoskelett ablegen kann, und doch durch und durch klare Kompositionen wiedererkennbar bleiben. Dabei erweist sich die Aufnahme als seltsam doppelbödig: Beiläufig aus den Boxen perlend wirkt die Musik fast wie Tafelwasser ' unauffällig, unaufdringlich, ein bisschen fad vielleicht, konsumiert und fast wieder vergessen. Mit mehr Konzentration aber, zumal unter Kopfhörern, entwickeln die sparsamen, meditativen Tracks ein Eigenleben, das begeistert. Wobei ohne Frage das grandiose Riot in Lagos der essentielle Track dieses Albums ist, eine mehrspurig aufgenommene, mitreissende Dekonstruktion dieses fast drei Dekaden alten grandiosen elektronischen Songs, der hier filigran und zum Weinen schön wiedergeboren wird. Allein diese eine Nummer wäre den Kauf des Albums wert und neben der schieren Größe dieser Nummer wirken die anderen Songs leider fast ein wenig brav und herkömmlich, was aber eher für Riot spricht und weniger gegen das Album als Ganzes, das durchweg eine reine Freude ist.