Die Eckdaten:
Adventure, First-Person, Point-n-Click, vorgerendert, 360°-Panorama.
Das Schlechte:
- Kaum Animationen (und wenn, dann lediglich ein übergangsloses Vorher-Nachher-Switchen - die eigentliche Bewegung, beispielsweise beim Öffnen einer Tür, entfällt)
- Die "Lautsprecherstimme" klingt 1) nicht nach einem Lautsprecher, dazu fehlt der blecherne Beiklang, und wirkt 2) so, als hätte man nur die Stimme eines bereits anderweitig besetzten Sprechers ein wenig verfremdet. Da hätte man mehr machen können.
- Nicht unbedingt das längste Spiel der Welt. Ein paar Stunden mehr hätten's schon sein können
Das Gute:
- Ein Meilenstein, was Spielatmosphäre angeht. Das Bunkerfeeling und das kalte, militärische Flair der Stalin-Ära werden kongenial vermittelt.
- Die Grafik ist herausragend. Die einzelnen Zimmer sind extrem detailverliebt, alles strotzt nur so von Stromkabeln, Rohren, zerschlissenen Polstermöbeln, alten Schränken mit verstaubten Kanistern, Akten etc. Hier hat man sich mal richtig Mühe gegeben, authentisch rüberzukommen. Man riecht förmlich den Schimmel in den Bunkerwänden.
- Die Musik und die Soundeffekte tun ihr übriges, um den Spieler in die Welt hineinzuziehen. Die Musik wird nicht inflationär, sondern nur an bestimmten Orten eingesetzt und fügt sich perfekt in die "technokratisch-seelenlose" Gesamtstimmung.
- Sehr gute deutsche Umsetzung (was ja bei anderen Spielen, insb. russischen, nicht selbstverständlich ist - siehe Star Heritage-The Black Cobra...). Man hat zum einen keinen Laien, sondern einen professionellen Sprecher engagiert (wenngleich das Lautsprechermanko bestehen bleibt, siehe oben), zum anderen hat man auch sämtliche Dokumente, Plakate etc. in zeitgemäßem Design ins Deutsche gebracht. In der Beziehung hat sich der Publisher nicht lumpen lassen, das merkt man.
- Einfaches, intuitives Handling. Ein rechter Mausklick, schon kann man auf Inventargegenstände zugreifen, ins Hauptmenü gehen oder das Notizbuch einsehen, in dem alle aufgefundenen Schriftstücke archiviert werden.
Ansonsten:
- Die Steuerung erfolgt über den (als Schalter dargestellten) Cursor. Man dreht sich, indem man mit der Maus in die jeweilige Bildecke zieht. Auch ein Nach-oben- und Nach-unten-Sehen ist hierüber möglich. Ich hatte zwar das Gefühl, man dreht sich ein wenig schwerfällig, aber das kann man über die Optionen nachjustieren.
- Die Handlung, wenn man von einer solchen sprechen will, besteht eher aus dem persönlichen Erleben der "Bunkerexperience" und dem Aufdecken der Praktiken des sowjetischen Militärs, über alte Akten und Schriftstücke und an der "eigenen Haut". Dies ist kein Minuspunkt, sondern vielmehr eine Herangehensweise, wie sie in äußerst vielen First-Person-Adventures an den Tag gelegt wird. Wer mehr auf storylastige Third-Personer mit einer Fülle unterschiedlicher Charaktere und einer raschen Abfolge "unerwarteter Wendungen und Wirrungen" steht, dem sei allerdings vom Kauf abgeraten.
- Schließlich noch eine Anmerkung zu einer anderen Rezension zu diesem Spiel: In eben jener wurde angekreidet, dass die Handlungen nicht zusammenhingen und das Spiel ohne Lösungsbuch nicht spielbar sei. Buhuhuuu...
Erstens: Wer irgendwo nicht weiter kommt, hat doch den Walkthrough schon auf der CD mit dabei. Bei welchem anderen Spiel gibt's das schon? Und zweitens: Also, ich persönlich bin jetzt wirklich nicht das Adventure-Genie, das noch nie eine Komplettlösung bemühen musste. Bei diesem Spiel jedoch brauchte ich sie bis zum Ende nicht. Also von wegen, ohne Lösungsbuch nicht spielbar, Blödsinn! Man sollte jedoch wissen, dass es sich bei dem Spiel um ein echtes Adventure handelt, nicht um eines der vielen, mittlerweile in Mode gekommenen Wimmelbildspiele. Wer es bislang gewohnt war, 1) mit der Nase auf die Rätsel gestoßen zu werden, 2) zum Aufbau der einzelnen Rätsel ausführlich gebrieft zu werden, 3) es eh nur mit Pillepalle-Rätseln zu tun zu haben und 4) sie auch noch skippen zu können, wenn sie sein kleines Köpfchen zu sehr zum Rauchen bringen, der wird bei einem Adventure wie diesem hier erst mal schlucken: Hier wird einem nichts lange vorgekaut, Kombinationsgabe ist gefragt; man muss selber die Zusammenhänge herstellen und die subtilen, fein gestreuten Hinweise zu deuten wissen. Das ist jedoch genrebedingt, liebe Wimmelbildanhänger, und wenn euch das zu schwer ist, dann bleibt bei euren Wimmelbildern und bewertet deswegen kein Adventure schlecht.
Und noch ein Punkt für Leute, die nicht so auf DRM und Online-Authentifikation und solche Sachen stehen (so wie ich): Auf der Packung steht "Internetverbindung wird vorausgesetzt", da bin ich erst mal kalkweiß angelaufen. Aber: Das Spiel erfordert KEINE Internetverbindung. Man muss noch nicht mal irgendeinen Registrierungscode eingeben, der in die Packung geklebt ist, und die CD muss man auch nicht mehr ins Laufwerk legen, so man es erst mal installiert hat. Also Entwarnung.
Von mir eine ganz klare Kaufempfehlung an den Adventurefreund, und ein Muss für First-Person-Fans ist es sowieso.