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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein gutes und aktuelles Repertoire für Grünfeld-Anhänger,
Von
Rezension bezieht sich auf: Play the Grunfeld: Detailed Coverage of This Kasparov Favourite (Taschenbuch)
Mit diesem Repertoirbuch für Grünfeld-Fans hat Yelena Dembo ihr Debut für Everyman gegeben. Als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt, war ich ob der recht dünnen 192 Seiten etwas enttäuscht - schließlich hat Everyman seine Bücher jüngst auf bis weit über 300 Seiten ausgedehnt (siehe Greet's "Play the Ruy Lopez" oder Vigus' "The Pirc in Black and White") und das bei gleichbleibendem Preis! Aber okay, man kann nicht alles haben, obwohl ein aktueller 300 Seiten starker Wälzer zum Grünfeld-Inder schon ziemlich genial gewesen wäre... Die Einführung hat sie ziemlich enthusiastisch geschrieben: Dembo sieht den Grünfeld-Inder - wie Adorjan schon vor Jahrzehnten - vielmehr als Gegenangriff denn als Verteidigung, so dass der Grünfeld-Funke schon beim Lesen der Einführung auf den Käufer überspringt.Was dann folgt, sind Varianten - und zwar nicht in Form von Musterpartien und darin eingeflochtenen Alternativabspielen, sondern im guten alten Baumformat. Ich muss zugeben, dass mich diese heute leider recht seltene Wahl positiv überrascht hat, schliesslich findet man die kritischen Varianten so wesentlich schneller. Zum Repertoire: bei den "jetzt-oder-nie"-Abspielen gibt Dembo öfter auch mal zwei Varianten für den Nachziehenden, was etwas an Watson's "Play the French" erinnert. Die Auswahl des Repertoires ist hingegen natürlich Geschmackssache, wie halt bei jedem fremdvorgeschlagenen Repertoire: Gegen die moderne Hauptvariante mit 7. Sf3 und 8. Tb1 empfiehlt Dembo mit 9. ...b6 den Lieblingszug Svidler's, sicher eine gute und dazu weniger theorielastige Wahl als der Bauerngewinn auf a2, die auch schon Davies in "The Grünfeld Defence" traf. Gegen 7. Sf3 nebst 8. Le3 folgt 8. ...Da5, 9. Dd2 und jetzt 9. ...O-O. Gemäss Dembo ist 9. ...Sc6 eine "gleichwertige Alternative, die eventuell sogar mehr als nur Ausgleich" verspricht, aber bei ihr nicht analysiert wird. Schaut man mal eben in den Datenbanken nach, zeigt sich dann auch eine wesentlich bessere Statistik für 9. ...Sc6 gegenüber 9. ...O-O. Und der Springerzug nach c6 ist ist zudem die bevorzugte Wahl von Grünfeld-Experten wie Kasparov, Svidler, Navara, Krasenkow und Sutovsky und wird ferner von Davies und Jansa empfohlen. Auch wenn Dembo's Analysen durchaus sattelfest zu sein scheinen, hat Schwarz in der Praxis wohl kompliziertere Probleme nach 9. ...O-O zu lösen als nach 9. ...Sc6. Wobei das Abspiel mit 9. ...Sc6 meiner Meinung nach für Schwarz auch einfacher zu spielen ist, sowohl nach 10. Tb1 (von Dembo als kritisch angegeben, aber nach aktuellem Stand der Theorie vollkommen okay für Schwarz) als auch nach 10. Tc1. Die ehemalige und jüngst wieder häufiger anzutreffende Hauptvariante mit 4. cd5: nebst e4, Lc4, Sge2 und Le3 begegnet Dembo mit zwei Abspielen: 10. ...Sa5 und 10. ...Ld7, die beide aus schwarzer Sicht mehr als okay zu sein scheinen. Schade, dass sie jedoch 10. h4!? unterschätzt und als Widerlegung - wie schon soviele Autoren vor ihr auch - die alte Partie Naranja-Portisch 1970 zitiert, die von Schwarz hübsch gewonnen wurde. Daß Weiß in der Partie Li Shilong-van der Weide 2006 mit einer wesentlichen Verbesserung aufwartete, das das schwarze Konzept in Frage stellt, erfährt der Leser somit nicht. Es sei jedoch angemerkt, daß es auch gegen 10. h4 eine angemessene Lösung gibt... Gegen das russische System mit 4. Sf3 und 5. Db3 begibt sich Dembo in die Fußstapfen von GM und Philosoph Jonathan Rowson, indem sie 7. ...Sc6 auspackt. Dies ist sicherlich eine vernünftige Wahl für ein Repertoirebuch, schränkt es doch die Theorie gegenüber den Hauptvarianten 7. ...Sa6, 7. ...a6 und 7. ...Lg4 stark ein und setzt zudem etwas auf den Überraschungseffekt. Ähnlich gute Empfehlungen gibt die Autorin gegen die meisten anderen Abspiele, wobei sie 4. Lg5 Se4, 5. h4!? übersieht, wie es in einem der letzten SOS-Bände vorgeschlagen wird. Etwas enttäuscht hat mich ihre Wahl 4. Lf4 Lg7, 5. e3 O-O (?!), die sie damit begründet, dass Schwarz den Bauernraub 6. cd5: Sd5:, 7. Sd5: Dd5:, 8. Lc7: wegen 8. ...Sa6, 9. La6: Dg2: nicht fürchten muß. Was durchaus auf die Variante mit 4. Sf3 und 5. Lf4 zutrifft, ist meines Erachtens nach 4. Lf4 und 5. e3 falsch, denn das Endspiel nach dem Damentausch 10. Df3 Df3:, 11. Sf3: ba6: ist für Schwarz durchaus nicht so einfach zu verteidigen wie es "dank" des Läuferpaares den Eindruck zu erwecken mag. Der Anziehende hat einen klaren Plan in Form der verdoppelten schwarzen a-Bauern, wohingegen es dem Nachziehenden sehr schwer fallen wird, die Stellung mit f6 und e7-e5 für das Läuferpaar zu öffnen, um seine statischen Nachteile zu kompensieren. Schwarz steht aus meiner Erfahrung heraus ein schwerer Kampf ums Remis bevor und ein Blick in die Datenbanken und auf aktuelle GM-Partien (z.B. Radjabov-Ivanchuk) bestätigt dies. Wem dies genügt, okay. Trotz der zwei, drei Kritikpunkte handelt es sich um ein gutes und aktuelles Repertoirbuch zum Grünfeld-Inder. Yelena Dembo hat alte Abspiele neu analysiert und bewertet, was schon Grund genug für Lob ist. Inwiefern sie damit richtig liegt, wird die Zukunft zeigen - vielleicht ja gar in Form von Partien der Leser ihres Buches?! Zudem vertritt sie klar ihre Meinung zu den diversen Abspielen und präsentiert ihr Repertoire gut und auf den Punkt gebracht. Nur leider wird man den Eindruck nicht ganz los, daß sie das Buch als ein "Best of Adorjan, Rowson, Davies und Co." zusammengeschustert und dabei nicht immer die zuverlässigsten Varianten getroffen hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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