Das Buch ist unterteilt in Akkord-, Single-Note- und Zusammengesetzte - Licks (bei letzterem handelt es sich um eine Mischung aus Akkord und Single-Note-Beispielen). Die Menge des gebotenen Materials ist groß und die Licks klingen gut. Das letzte Kapitel bietet außerdem Transkriptionen von drei Funk/Soul/Pop-Stücken.
Trotz der großen Menge an Licks ist das Buch doch stilistisch beschränkt. Die meisten Notenbeispiele können in die Schiene "80er/90er Top 40 Pop/Funk" eingeordnet werden (ich denke dabei an Stücke wie das am Ende des Buches enthaltene "Get on Your Feet"). Also einer eher chartorientierten, modernen Variante des Soul bzw. Funk. Diese Stilrichtung gehört natürlich auch in ein solches Buch, und besonders als Gitarrist einer Cover-Band sollte man sich in diesem Bereich auskennen.
Aber es gibt noch viele weitere Stilrichtungen der Funk- und Soulgitarre, die leider kaum oder gar nicht berücksichtigt werden - etwa den klassischen 60er-Jahre Memphis-Soul. In den frühen 70er Jahren kam der Funk auf, der hier im Grunde nur durch James Browns "Sex Machine" repräsentiert wird. Dabei gab es gerade in dieser Zeit, vielleicht die wichtigste Zeit des Funks überhaupt, viele prägende Bands und Gitarristen (z.B. Sly and the Family Stone mit Freddie Stone, Parliament/Funkadelic mit Eddie Hazel) und neue Spielweisen. Das Wah-Wah-Pedal wurde ja hier oftmals eingesetzt - aber im ganzen Buch findet sich nicht ein einziges Wah-Wah-Lick. Das ist für ein Funk-Gitarrenbuch im Prinzip ein Armutszeugnis! Auch "abgefahrene", schräge Licks sind nicht vorhanden, was sich wahrscheinlich wieder damit erklärt, dass das Buch an wohlklingenderer, chartorientierter Musik ausgerichtet ist. Wie gesagt, das ist nichts schlechtes und gehört auch in ein solches Buch, aber es schränkt den Inhalt ein, und echte Funk-Gitarre darf ruhig schräg und etwas durchgeknallt sein - das ist es doch letztlich, was Funk ausmacht, oder?
Die gebotenen Licks sind sozusagen nur "grovvy", aber nicht "funky"
Was mir persönlich auch fehlt, sind ausführlichere Erklärungen. Funk zu spielen bedeutet ja nicht einfach ein paar Akkorde zu "schrammeln". So ist beispielsweise das Wechselspiel von Up- und Downstroakes wichtig, und es gibt beim Spielen in einer Band gewisse Dinge zu beachten. So ist je nach Größe der Band, in der man spielt und je nach Spielweise der Mitmusiker auch weniger manchmal mehr. Nicht immer kommt es gut, wenn man freie Stellen zwischen Akkorden mit durchgehend gespielten, abgestoppten 16teln füllt. Auf solche wichtigen Aspekte, für die man als Anfänger oft noch kein Gehör und Gefühl entwickelt hat, wird leider nicht eingegangen.
Fazit: trotz seines Umfanges lässt "Play Funk & Soul Guitar" viele Wünsche offen und setzt sich nicht wirklich tiefgehend mit dem Thema Funk und Soul auseinander.