"Ausreichend kritische Selbstreflexion, innere Ruhe und Gelassenheit braucht es, um Managementpositionen erfolgreich ausfüllen zu können." Daran erinnert uns Gerhard Zapke-Schauer gleich in der Einleitung. Ob denn die Lektüre der folgenden Seiten wesentlich dazu beiträgt, diese Persönlichkeitseigenschaften zu erwerben oder wenigstens zu verstärken, war eine meiner lesebegleitenden Fragen. Die andere lautete: Wie geht der Autor mit dem Zufall um? Denn immerhin verspricht der Untertitel, dass sich Irrtümer erkennen und vermeiden lassen. Mit der Einlösung dieses Versprechens würde Gerhard Zapke-Schauer eine Hoffnung erfüllen, die dem Menschen offenbar unauslöschbar eingebrannt ist. Davon leben Unternehmensberater.
Weil Zapkes Ansatz von einem Glaubensmodell ausgeht, das komplexer Systeme für steuerbar hält, haben wir es mit relativ konventionellen Inhalten zu tun, womit meine Hoffnung, sehr viel Neues zu erfahren enttäuscht wurde. Als Bücherwurm und regelmässiger Leser der Zeitschrift Harvard Business Manager habe ich inzwischen eine beträchtliche Rezeptsammlung angehäuft. Mein absoluter Lieblingsartikel ist jedoch noch immer eine Übersicht über die besten Managementkonzepte und Leadershipstrategien. Denn man staune und höre, alle konnten überzeugende Erfolgsbeispiele vorweisen. So unterschiedlich sie auch waren. Und die Beispiele sind nicht getürkt. Sie leiden nur unter der Versuchsanordnung, Pferde von hinten zu zäumen. Nur fällt das bei komplexen Systemen kaum auf.
Wie aus Besserwissern Visionäre werden sollen, ist mir nach der Lektüre dieses Buches nicht klarer geworden. Zumal ich nicht daran glaube, dass sich Menschen durch Einsicht ändern. Und so komme ich zum Schluss, dass Zapkes neues Buch vor allem denen etwas bringt, die ohnehin schon auf dem Weg sind, auf den sie der Autor führen will. Das ist nicht wenig. Denn wer Erfolg und Ethik verbinden will, muss mit harten Widerständen und braucht wie jeder Mensch externe Bestätigung. Und der Wunsch nach Legitimierung des eigenen Tuns wird diese Leser davor schützen, über die zahlreichen Widersprüche in Zapkes Argumentationen zu stolpern. Auch das ist normal. Man sieht, was man sehen will.
Mein Fazit: Der Ansatz ist konventionell, indem Gerhard Zapke-Schauer wie die meisten Unternehmensberater davon ausgeht, dass es so etwas wie richtiges Management gibt. Immerhin ist mir die "Richtigkeit" dieses Autors sehr viel lieber als die "Wahrheiten" anderer Leadership-Experten.