Ein Mann um die Vierzig, einsam, geistig und sexuell unbefriedigt, Sohn eines ungeliebten Vaters, wird durch dessen gewaltsamen Tod Erbe eines kleinen Vermögens und beschließt, einen Urlaub in Thailand zu verbringen, um dort seiner Leidenschaft für die zärtlich devote Zuwendung thailändischer Prostituierter zu frönen. Er will gut vögeln, ohne sich den Bewertungskriterien gefühlsarmer westlicher Frauen zu unterwerfen.
In einigen expliziten Beischlaftszenen beschreibt Houellebecq anschaulich den schönsten Traum des westlichen Freiers, den Orgasmus der bezahlten Partnerin, die - anders als ihre westlichen Kolleginnen - zur Hingabe fähig ist, und die Vergütung als gerechten Lohn für eine gute Leistung ohne moralischen Vorbehalt oder geheime Verachtung entgegennimmt. Houellebecqs Held Michel erwartet nichts mehr vom Leben als diese gelegentlichen Aufhellungen seinen langweiligen, unerfüllten Daseins.
Doch im Verlauf der Reise trifft er Valérie, eine junge, intelligente Frau, die mit viel Erfolg für einen internationalen Reiseveranstalter tätig ist. Michel fühlt sich auf unbestimmte Weise zu Valérie hingezogen, scheut aber die mögliche Zurückweisung und den Aufwand der Werbung. Zurück in Frankreich ergreift Valérie die Initiative und Michel findet in ihrem Bett überwältigende sexuelle Erlösung und das Versprechen persönlichen Glücks. Zusammen mit ihrem Chef wechselt Valérie bald darauf den Arbeitgeber und steht vor dem Problem, ein neues Reiseprodukt auf den Markt zu bringen, daß das stagnierende Geschäft der klassischen Ferienclubs ablösen soll. Aufgrund seiner Erfahrungen in Thailand entwickelt Michel die Idee des professionellen Sexurlaubs, der von Valéries Konzern als Produkt vertrieben werden soll. Das Konzept wird angenommen und mit einem deutschen Partner auf den Markt gebracht. Aber sowohl die Utopie vom persönlichen Glück als auch die Idee des wirtschaftlichen Fortschritts durch Ausgleich der Bedürfnisse scheitern grausam durch den islamischen Fundamentalismus.
In Michel Houellebecqs Roman wird die menschliche Sexualität zum internationalen Wirtschaftsgut mit hohem Tauschwert. Dieser Tausch ist wichtig für die 'Geberländer' und ihre Menschen beiderlei Geschlechts, da der Verkauf sexueller Dienstleistungen große Devisenströme nach sich zieht, aber er ist ebenso wichtig für die 'Nehmerländer', die westlichen Gesellschaften und ihre unbefriedigten, sexuell frustrierten Menschen, die der zunehmenden Unerträglichkeit des Seins durch Kauf von sexueller Zuwendung wenigstens für die Zeit des Urlaubs zu entkommen hoffen. In der Tradition ökonomischer Tauschwerttheorien entwirft Houellebecq eine Welt, worin die intimsten menschlichen Bedürfnisse wirtschaftlichen Zusammenhängen unterworfen werden. Dabei erscheint die Verweigerung einer auf der Grundlage sexueller Leistungen finanzierten wirtschaftlichen Entwicklung unmoralischer, als die Akzeptanz der Realität und ihre professionelle Handhabung.
Obwohl schwächer als sein letztes Werk Elementarteilchen ist Houellebecqs Plattform lesenswert und unterhaltend. Provokativ und gelegentlich durchaus pornographisch wird das politisch Korrekte angegriffen und der Befragung ausgeliefert.