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Plattform [Taschenbuch]

Michel Houellebecq , Uli Wittmann
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (52 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. August 2003
Michel ist ein kleiner Beamter im Pariser Kulturministerium, farblos und frustriert. Von einer Pauschalreise nach Thailand verspricht er sich ein wenig Erlösung von seiner Einsamkeit durch käuflichen Sex. Dann lernt er die Mitreisende Valérie kennen, und mit ihr ein tiefes menschliches Glück. Zusammen entwickeln sie eine Plattform zur globalen Mehrung des Glücks: Jeder gibt, was er hat; die einen Geld, die anderen ihren Körper.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 5 (1. August 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499233959
  • ISBN-13: 978-3499233951
  • Originaltitel: Plateforme
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (52 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 22.904 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wie wachsendes Donnergrollen kündigt sich bereits - unvermeidlich bei Houellebecq - eine tobende Polemik um die vermeintlichen Exzesse, Vulgaritäten und reaktionären Entgleisungen des Autors an." (Der Spiegel)

Über den Autor

Der wohl bekannteste französische Autor der Gegenwart wurde 1958 in La Réunion geboren. Er ist Preisträger des angesehenen Grand Prix des Lettres, des Prix Novembre, des Impac-Preises und des Prix de Flore. Mit "Plattform" erregte er, wie bereits mit seinen früheren beiden Romanen, internationales Aufsehen. Michel Houellebecq lebt heute in Irland in der Grafschaft Cork.

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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oversexed and underefucked 8. Februar 2004
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Nur ein Reise-Führer durch die Prostituierten-Hochburgen Thailands oder ein Roman aus der Sicht eines Touristen, der seine semi-autobiografischen Erlebnisse verarbeitet? Stehen im Vordergrund, die im Roman verarbeiteten Reflexionen der Protagonisten oder die Auffassungen des Autoren, die dieser mit welchen Absichten auch immer zu verbreiten sucht? Ein Buch über die Getriebenen der Kulturen. Die einen, die Prostituierten aus der Dritten Welt als die Opfer und die anderen, die „Erstweltler", als die Täter oder Kunden, die das Geld haben? Wer benutzt wen? Sind die Opfer wirklich nur Opfer und die Täter wirklich nur Täter? Haben die Akteure des Sextourismus nur scheinbar keinen Einfluss auf das Geschehen? Vertun oder reduzieren alle ab Dreißig ihr Leben „oversexed and underfucked"?
Selten ein Buch bei dem es so schwer fällt, eine Meinung dazu zu formulieren. Aber gerade damit ist dem Autoren das gelungen, was sich jeder Schriftsteller erhofft, der sich schließlich mit jeder Zeile, wie gut oder wie schlecht beim Publikum ankommend, preisgibt. Houellebecq hat sein Publikum nicht nur erreicht, sondern auch interessiert. Dabei ist es gleich, ob er zu der Gruppe der Autoren zählt, die ihr Publikum lediglich unterhalten wollen oder zu denen, die die Welt verändern möchten oder ob er der dritten Gruppe zugehörig ist, die schreibt, um die Welt zu ertragen.
Letztendlich ist es ohne Bedeutung, welcher Gruppe ein Autor angehört, zumal dies nichts über seinen Intellekt oder seine moralische Wertigkeit aussagt, sondern eher über sein Naturell, sein künstlerisches Temperament. Das gleiche gilt für die „Verbraucherseite", die Leser.
Folglich ist es überflüssig darüber zu räsonieren, ob der Roman eher satirisch, systemkritisch oder rassistisch und frauenfeindlich aufzufassen ist.
Natürlich polarisiert Houellebecq die Lager. Und das genüsslich. Wer hat je die Gemüter dermaßen erregt, mit einem so einfachen Plot: Michel, der Ich-Erzähler - der sinnigerweise den Vornamen des Autoren trägt, womit sich dieser interessanter macht als seine Romanfigur ist - ist Anfang Vierzig und weiß mit sich, dem desillusionierten Buchhalter im Amt des Kulturministeriums, wenig anzufangen. Der Single besucht regelmäßig Peepshows, weil es ihn drückt und legt lieber selber Hand an sich, als sich einer französischen Frau oder Prostituierten anzuvertrauen, von denen er allesamt nichts hält, weil die längst egoistisch-entkörpert sind und nur noch so tun, als ob. Und da fährt er halt mal nach Thailand und bumst vergnügt herum, weniger enthemmt als man erwarten könnte.
Und da haben wir es. Das schlimme Wort vom „Sextourismus" steht im Raum. Und das Buch dreht sich auch im weiteren Verlauf mehr oder weniger deutlich alleine darum. Kritisiert der Autor oder verherrlicht er? Mehr eine ästhetische Frage. Und vielleicht verspürte der Houellebecq beim Schreiben eher ein genüssliches als ein sozialkritisches Empfinden. Wegen mir, diese Freiheit sei erlaubt. Und es ist mir ziemlich egal, ob manch einer behauptet, das Buch seine eine „Rechtfertigung schmutzigen Geschäfts" oder gar „peinliche Ausfälle gegen den Islam" anprangert. Äußerungen, die, lebt man wie ich unter Moslems, einzeln und für sich gesehen bestätigen kann, wenngleich damit natürlich kein allgemeingültiges Urteil abgegeben sein darf.
Houellebecq in einem Interview: „Das Schreiben ist viel spielerischer als das Leben. Das ist eine traurige Tatsache."
Ein Satz, über den es sich lohnt nachzudenken. Ich empfehle das Buch. Ich habe es mit Interesse gelesen und kritischen Abstand behalten. HMcM
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Philosophie eines Realisten 27. November 2006
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Verherrlichung von Sextourismus hat man Houellebecq nach Veröffentlichung seines dritte Romans "Plattform" 2001 vorgeworfen. Vulgär und belanglos sei dieses Machwerk und sonst nichts. Dies ist totaler Quatsch und ich versuche aufzuzeigen warum.

Der Beamte Michel führt eine lustlose Mittelklasseexistenz. Er hat keine Familie, was ihn auch nicht sonderlich mit Trauer erfüllt, und auch keine wirklichen Freunde. Die Nachricht vom Tod seines Vaters empfängt er ebenfalls ohne größere Emotionen, da sie sich sowieso nichts mehr zu sagen hatten. Trotzdem beschließt er sich eine kleine Auszeit zu nehmen und bucht eine Art Abenteuerurlaub in Thailand. Mit den anderen Teilnehmern der Reise verbindet ihn nicht besonders viel und seine persönlichen Höhepunkte erlebt er mit kunstfertigen Prostituierten. Nur mit Valerie tauscht er am Ende der Reise Telefonnummern aus und trifft sie auch bald danach in Paris wieder. Es kommt sofort zum Sex und es entwickelt sich eine innige Beziehung. Bald darauf ziehen die beiden zusammen.

Valerie arbeitet in der Tourismusbranche und hat mit einem Kollegen die Aufgabe übernommen, ein innovatives und einträchtiges Konzept für Mittelklasseurlauber zu entwickeln. Die entscheidende Idee kommt von Michel: Hotels sollen Prostituierten freien Zugang zu ihren Anlagen gewähren, so dass käuflicher Sex im Mittelpunkt des Urlaubes stehen soll. Die Idee geht auf, bis...

Houellebecqs Sprache ist drastisch, pornographisch, verletzend und alles andere als platt und oberflächlich. Hier nur ein Beispiel: "Womit lässt sich Gott vergleichen? Zunächst natürlich mit der [ZENSIERT] einer Frau. [...] Auf jeden Fall mit irgend etwas, bei dem der Geist zu einer konkreten Möglichkeit werden kann, weil der Körper mit Zufriedenheit und Lust gesättigt und jegliche Besorgnis verschwunden ist" (154f.).

Der Mensch in den Romanen Houellebecqs unterscheidet sich wenig von primitiven Herdentieren, die sich nur von ihren Trieben steuern lassen. Doch können sich die meisten Menschen dies nicht eingestehen und suchen Zuflucht in körperfeindlichen und jenseitsorientierten Ideologien und Kulturen. Michel akzeptiert sein Dasein als triebgesteuerter Lustmensch und gelangt zu so etwas wie Zufriedenheit und sogar Liebe. Die detaillierten Sexszenen des Autors dienen somit dazu, die Beschaffenheit, die Grundeszenz, des Menschen zu betonen. Das stößt vielen Menschen vor den Kopf, die dann reflexartig in Verdammungsorgien ausbrechen. Dies passiert aber nicht aus dem Grund, da sie Houellebecqs Philosophie verstanden haben, sondern das Stilmittel der Erotik nicht als solches erkennen und somit die Tatsache der Prostitution politisch korrekt verdammen.

Fazit: "Plattform" ist weniger ein Roman als eine Bewertung des triebhaften Menschen in einer zivilisierten Welt. Wer das nicht versteht, ist selbst schuld!
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schonungslose Gesellschaftsanalyse 24. August 2003
Von Tapir1962
Format:Taschenbuch
"Plattform" ist nach "Ausweitung der Kampfzone" das zweite Buch, das ich von Houellebecq gelesen habe. Ich habe es fast in einem Zug durchgelesen, es hat mich sehr positiv beeindruckt - und dieser Eindruck ist auch der überwiegende - aber es gibt auch einige Dinge, die mich stören.
Zunächst das Positive: Houellebecq hat einen unglaublich präzisen, analytischen Blick für Befindlichkeiten der Gesellschaft, ob es um Konsumterror, soziale Rollenbilder, die Vereinsamung des Einzelnen in der Eigenständigkeit, die Rolle der Kunst oder der Religion geht (hervorragend, wie er einen alten Ägypter den Islam erklären läßt). Kaum ein gesellschaftlich relevantes Thema läßt er aus, beschreibt dabei den Zustand der westlichen Zivilisation aber nicht aus Sicht des Zynikers sondern läßt Trauer und Betroffenheit über diesen Zustand spüren und darüber, daß das eigentlich humane verlorengeht. Der Zynismus liegt nicht in der Betrachtungsweise des Autors, sondern in der Zwangsläufigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung: der Professionalisierung aller Lebensbereiche, der konsequenterweise und nach marktwirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten als letzter Bereich auch die Sexualität folgt (eigentlich ein Widerspruch, da man ja immerhin vom "ältesten Gewerbe der Welt" spricht). Synonym hierfür ist der offen beworbene Sextourismus für die riesige Zielgruppe all jener westlich Zivilisierten, die sich in unserem komplizierten Beziehungsgestrüpp verfangen haben.
Er zeigt zwar, wie es dem Ich-Autor gelingt, für sich einen Weg aus dieser Entwicklung heraus zu finden - natürlich über die Liebe, wie auch sonst? Aber schon während des Buches ist klar, daß dieser Weg in seiner Einmaligkeit und Nicht-Wiederholbarkeit letztlich nur die Ausnahme ist, welche die Regel bestätigt. Und schließlich führt auch er in die Katastrophe und in den resignativen Schluß. Die Erfahrung, etwas wirklich Großes und Wichtiges zwar erlebt aber wieder verloren zu haben traumatisiert und immunisiert auch gegen die kleinen Freuden, die sein Leben vorher erträglich gemacht hatten. Was bleibt, sind Hoffnungslosigkeit und Leere.
Houellebecq gelingt es dabei perfekt, Stimmungen zu vermitteln und er zeichnet seine Charaktere sehr plastisch. Das Thema ist relevant und unterhaltsam erzählt. Wenn es zwischendurch mal etwas langatmig wird, dann mag das zwei Gründe haben. Zum einen liegt für den Leser die Idee des Sexclub-Urlaubs viel früher in der Luft als sie im Buch offen ausgesprochen wird und man wird etwas ungeduldig, bis es endlich zur Ausführung kommt. Zum anderen sind die ziemlich unverblümt pornographischen Szenen irgendwann einfach nur noch langweilig und behindern den Erzählfluß der Geschichte, weil es auch Houllebecq nicht gelingt, bei der sechzigsten oder siebzigsten Sexszene noch so etwas wie Spannung zu erzeugen. Natürlich passen die Szenen zum Thema und zum Ductus, aber es wird irgendwann einfach zu viel und man wird den Eindruck nicht los, daß hier ein literarisches Werk doch etwas über Gebühr als Werkzeug für eine Provokation strapaziert wird und unter einer gewissen Fixierung des Autors leidet. Dann hilft nur noch querlesen und die Stelle mit der Zigarette danach zu suchen, auf daß es mit der Geschichte weitergehe.
Das kann jedoch nichts daran ändern, daß ich dieses Buch als unbedingt lesenswert einstufen würde.
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