01.10.2002
Rezension: 004
Platoon ist von meinem Standpunkt aus gesehen (Ich habe den Vietnamkrieg nicht erlebt) einer der realistischsten Kriegsfilme, die je geschrieben und gedreht wurden. Wenn man willig ist, mehr über diesen Film herauszufinden, versteht man ihn besser. Es ist kein Zufall, das sich die Soldaten in diesem Film mit denen des Platoons, in dem Oliver Stone den Vienamkrieg erlebte, in ziemlich tiefen Zügen ähneln. Stone hat sozusagen seine Erinnerungen und Gefühle in dieser Story verarbeitet.
Der Film selber ist spannend umgesetzt, ohne den Standpunkt der Soldaten auch nur eine Minute zu vernachlässigen. Die Hauptdarsteller im Film sind klar die Amerikaner, und nicht der Feind. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Kriegsepen, zelebriert Platoon nicht den patriotismus und den Mut der Soldaten, sondern versucht ihnen ihre Unschuld zu zerstören. Gleichzeitig schockt er den Zuschauer mit grauenhaften Bildern des totalen Krieges. Die Sequenz, in dem das Platoon das mit dem Vietcong verbündeten Dorf zerstört, ist eine der psychisch und visuell brutalsten der Filmgschichte.
Die Darsteller sind ohne Ausnahme überzeugend und verkörpern in jeder minute des Films das Dilemma eines Soldaten, der sich im Strom des Horrors und Blut mit allen möglichen Mitteln über Wasser hält. Die Spaltung des Platoons in zwei Gruppen interpretiere ich wie die Spaltung Amerikas während des Krieges. Die eine Gruppe sieht den Feind als Sache, der im Namen des Landes um jeden Preis getötet werden muss. Die andere Gruppe angeführt von Srgt. Ellias sieht den Feind als Menschen.
Visuell ist das Werk atemberaubend. Gut durchdachte Kammeraführung erzeugt ein reales Bild und die Toneffekte ziehen den Zuschauer direkt in das Geschehen.
Wertung: 09/10