"Der Rückgriff auf diese Übersetzung geschieht nicht nur aus Gewohnheit. Für die Frühromantik, der Friedrich Daniel Schleiermacher zuzurechnen ist, war die Pflege der Tradition, der Rückgang auf die Quellen in ihrer ursprünglichen Form ein wichtiges Anliegen; so verdanken wir den Vertretern dieser Richtung eine Reihe von sorgfältigen Editionen. Ein solcher hermeneutischer Zugriff hat Schleiermacher veranlaßt, die Lehre Platons aus den Verstellungen durch eine lange Interpretationsgeschichte herauszulösen im Rückgang auf den historischen Platon und die überlieferten Texte selbst. Seine Übertragung, die eine ganze Platon-Renaissance eingeleitet hat, geht aus einer intensiven Beschäftigung mit dem Wortlaut des griechischen Textes hervor und zeichnet sich durch große Genauigkeit und Textnähe aus."
So heißt es im Vorwort des vorliegenden Bandes, welches von Ursula Wolf, Philosophieprofessorin, geschrieben wurde. Glauben wir der guten Frau, so sollte nach dieser Übersetzung Platon gelesen werden.
Denn der (alt)griechischen Sprache mächtig sind wohl die wenigsten. Auf welche Übersetzung man letztendlich zurückgreift und was das entscheidende Kriterium für den Anspruch einer wissenschaftlichen Herangehensweise ist, steht im obigen Zitat:
Je näher man am Primärtext ist, desto weiter ist man weg von möglichen Verwaschungen in der Übersetzung durch Interpretation in der Sekundärliteratur.
Insofern ist jene hier vorliegende Ausgabe wärmstens zu empfehlen, rein von der übersetzung schon.
Die Ausgabe enthält die Paginierung nach Henricus Stephanus, nach der Platon zitiert wird (der Vorteil ist hier, dass jede bessere Ausgabe sie enthält und man so, egal, welches Ausgabe, unverzüglich die richtigen Textstellen findet).
Wie stark die Übersetzung gekürzt wurde, weiß ich nicht und vermag ich nicht zu beurteilen. Was mir auffällt, das ist, dass die Dialoge (!) sehr "gestaucht" sind, d.h. dass die Zeilen "voll gefüllt" sind, nicht, wie man bei Dialogen sonst kennt, z.B. Frage in die erste Zeile, Antwort in eine neue.
Noch erwähnenswert ist, dass komplett auf griechische Termini verzichtet wurde, oft stehen sie speziell auch in Textausgaben von "rowohlts enzyklopädie" hinter dem übersetzten Wort (z.B. Metaphysik des Aristoteles).
Am vollständigsten wäre natürlich komplett griechisch - deutsch, hier also das andere Extrem. Dies aber führt zu der Bewertung (anstatt fünf nur vier Sterne).