Ich kann mich an die holländische Serie "Zu Lande, zu Wasser und in der Luft" erinnern, in der einige verrückte Konstrukteure versuchten, einen Fluß mit den unmöglichsten Transportmitteln zu überqueren. In aller Regel landeten alle Betroffenen und ihr Fahrzeug in diesem Gewässer. Ein richtiger Sommerspaß, der drei Jahre lang gesendet wurde. Das Titelstück der Sendung war leicht, fröhlich und mitreißend - "Punkadiddle".
Das erfuhr ich allerdings erst 1992, als ich mir "Platinum" zulegte. Es sollte nicht die einzige Überraschung auf diesem Album sein.
"Platinum" ist nach "Tubular Bells", "Hergest Ridge", "Ommadawn" und "Incantations" das fünfte Studioalbum von Mike Oldfield. Nachdem ihm nach Veröffentlichung der "Incantations" einige Leute schon das Prädikat "vollkommen abgehoben" ausstellen wollten, vollzog er mit "Platinum" eine 180-Grad-Wende. Plötzlich wurden seine Stücke, die früher jeweils eine Schallplattenseite eingenommen hatten, kürzer und kompakter. Trotzdem vergaß er seine Wurzeln nicht - so klingt "Airborne", der erste Teil des Titelstücks, noch verdächtig nach "Tubular Bells", während "Woodhenge" auch aus "Incantations" stammen könnte. Der komplette Rest dagegen klingt verspielt-optimistisch, mitunter rockig, wie man es eigentlich von Mike Oldfield nicht wirklich erwartet hätte. Das gesamte Titelstück strotzt nur so vor Energie und Spielfreude und reißt einen automatisch mit. Nach einer kurzen Verschnaufpause ("Woodhenge") geht es nahezu ungebremst weiter, bis mit "Punkadiddle" der Höhepunkt des Albums erreicht ist und die Oldfield-Version des Gershwin-Klassikers "I Got Rhythm" einen langsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Wer also etwas Ähnliches erwartet wie das, was Mike Oldfield auf seinen ersten vier Alben vorgelegt hat, wird sicherlich überrascht sein - mit "Platinum" zeigt der Multiinstrumentalist nämlich, daß er imstande ist, nicht nur gigantische Epen zu schaffen, sondern sich auch mal mit vier Minuten vergleichsweise kurz zu fassen.
Mit einer Laufzeit von nicht mal 38 Minuten ist es leider nur ein kurzer Spaß geworden, aber währenddessen reiht Mike Oldfield eine Perle an die andere und zaubert einem ein unbeschwertes Lächeln ins Gesicht. Fast wie seinerzeit "Zu Lande, zu Wasser und in der Luft".