Vorweg: Ich bezeichne mich selbst als großen Gorillaz-Fan und habe vom ersten Album (2000) an alle Scheiben erworben und sie rauf und runter gehört. Von daher kann ich heute - 10 Jahre später - auf eine Geschichte zurückblicken, wie sie klassischer kaum arrangiert sein könnte: Mit Exposition, Entwicklung und Auflösung. Ein Spiel in drei Akten.
Das Debutalbum "Gorillaz" (2000) weckte damals mit dem kultigen Comic-Video allerhöchstes Interesse und traf den Nerv der Zeit. Auch wenn die ungewohnten Arrangements nicht jedermanns Sache waren: Sie erscheinen auch heute noch durch ihre unkonventionelle Machart zeitlos, düster und kreativ. Die morbiden Charaktere der imaginären Band waren gut aufeinander abgestimmt und wurden zum Markenzeichen der Musik, die zwar vom Pop-Mainstream erschaffen wurde, ihn aber gleichermaßen zerschmetterte und neu zusammensetze. Einfach äußerst originell, aber auch sehr experimentell.
Die Geschichte erreichte mit dem fulminanten "Demon Days" (2005) den künstlerischen Zenit. Die Mischung aus Pop, Rock und Elektro war nahezu perfekt ausgearbeitet und trieb die Ideen des Vorgängers strukturiert zusammen. Es gab keinen Song auf dem Album, der irgendwie langweilig, fehl am Platz oder belanglos wirkte. Der Biss war kräftig, der Sound groovig und knallig, die Ideen immer noch neu und spritzig. Definitiv das beste Album der Band.
Wieder fünf Jahre später soll die Geschichte mit "Plastic Beach" scheinbar ihr Ende finden. Ein Ende, dass man kaum wirklich in Worte fassen kann, zu sehr ist man damit beschäftigt, die diffusen Arrangements und die krassen Stilbrüche gut oder schlecht zu finden. Es ist in jedem Fall ein unbefriedigendes Ende.
Ja, was schreibt man als Fan zu solch einem Produkt? Am liebsten würde ich Lobeshymnen und Preisgesänge von mir geben, aber leider will der Funke noch nicht überspringen. Zunächst einmal war ich über die Einleitung des Albums erstaunt, welche beinahe komplett mit allen Gorillaz-Stilen bricht. Damit ist nicht nur der erste Track gemeint. Bis zum ersten richtigen Song "Rhinestone Eyes" (Track 4) wird man akustischer Zeuge von bezugslosen orchestralen Klängen, ein paar orientierungslosen Beats und Rhytmen und Rap-Einlagen von Snoop Dogg. Danach plätschert das Album erstaunlich Blutarm und synthetisch daher. Die Ideen sind da, aber die Power und die Konzentration fehlen. Kein Song kann an Hits wie "Clint Eastwood", "Feel Good Inc.", "El Manana", "Dare" oder "Every Planet We Reach Is Dead" anknüpfen. Nichtmal annährend.
Was wir zu hören bekommen ist ein großes Synthie-Pop Experiment. Damon Albarn verlässt sich hierbei beinahe ausschließlich auf seine Kollegen mit den schwarzen Stimmen, die aber weder die nötige Exotik, noch die gewohnte Kraft und Qualität mitbringen. Die Lieder erscheinen vollkommen willkürlich aneinandergereiht, entgleiten zwischenzeitlich in chaotischen Klimperphasen und zerstören sich so selbst den krampfhaften, herbeigezerrten Tiefgang. Die vermeintliche Komplexität besteht hier vor allem in der Zusammenlegung einzelner Töne und Instrumente, aber nicht in der gekonnten Komposition oder der gegenseitigen Ergänzung. Der Umstand, dass auf dem Album kein richtiger Rock- oder Hiphop-Song neben den ganzen "Balladen" existiert, verringert ebenfalls die Nachhaltigkeit.
Hightlights des Albums sind die bereits bekannte Chartsingle "Stylo", das für Gorillaz-Verhältnis klassische "Rhinestone Eyes" und das feuchtfröhliche "Melancholy Hill". "Empire Ants" sollte an dieser Stelle auch hervorgehoben werden. Die anderen Songs bleiben leider nicht wirklich lange im Gedächtnis haften.
Was andere Kritiken als ambitioniert und wegweisend bewerten, bezeichne ich als ziellos und fragmentiert. Wenn das der gewünschte Effekt ist: Gratulation, Experiment geglückt. Als normaler Mensch vermisst man jedoch einfache akustische Anhaltspunkte und Songs, die man gerne im Radio hört und mitsingt.