Ich hatte vor diesem Headset gut ein Jahr das Vorgängermodell BackBeat 903 (ohne "+", mit "Altec Lansing" Branding) im Einsatz und war damit relativ glücklich, bis ich einen der Silikon-Ohrstöpsel verloren habe. Bei der Suche nach Ersatz hätte ich das BackBeat 903+ um ein Haar nicht berücksichtigt, weil ich nach den bisherigen Rezensionen damit rechnen musste, dass es gar nicht mit meiner Brille zu tragen ist, obwohl das beim optisch recht ähnlichen Vorgänger kein Problem war. Eines vorweg: Ich habe es nicht bereut.
Aber nun zum Headset selbst:
Es hat einige Besonderheiten: Trotz der Silikon-Ohrstöpsel würde ich es als "offenes" Headset einstufen. Die Ohrstöpsel schließen nämlich nicht mit dem Gehörgang ab, sondern sitzen nur relativ lose in der Ohrmuschel und richten den Schall Richtung Trommelfell. Dadurch nimmt man die Umgebung fast ungestört wahr, wie bei jedem anderen offenen Kopfhörer.
Das Headset sitzt hauptsächlich auf/hinter den Ohrmuscheln, so dass es zwar ohne Kopfbügel auskommt, dafür aber bei besonders großen oder eng anliegenden Ohrmuscheln oder bei sperrigen Brillenbügeln eventuell nicht mehr passt. Da hilft nur ausprobieren.
Dieses Modell ist eines von wenigen Bluetooth-Headsets, die nicht nur Stereo-Wiedergabe (A2DP) unterstützen, sondern dabei auch komplett ohne verheddernde Kabel auskommen.
Getestet habe ich mit einem Palm Pre+ und einem Samsung Galaxy S2. Mit beiden Handys lief das Pairing völlig problemlos.
Verpackung: Die stylische Verkaufsverpackung ist leider nicht ganz optimal; das Kabel, das normalerweise unmerklich hinter dem Nacken verläuft, wird so stark eingezwängt, dass es einen guten Tag gedauert hat, bis es von allen störenden Knicken und Verdrehungen befreit war.
Tragekomfort: Beim ersten Aufsetzen fummelt man recht lange, bis das Headset optimal sitzt. Die Ohrstöpsel lassen sich um 2 Achsen drehen und an der Teleskopstange einige Millimeter heraus ziehen. Wenn man dann die richtige Position gefunden hat, sitzt der untere Teil in der Ohrmuschel und der Bügel dahinter. Dabei sitzt das Headset so locker, dass man es kaum fühlt oder bei Kopfbewegungen sogar das Gefühl hat, es könnte herunter fallen. Passiert ist mir das im normalen Alltag jedoch nie, auch nicht beim Sprint zur S-Bahn.
Klangqualität (Stereo): Hier gab es die erste angenehme Überraschung: Im Gegensatz zum Vorgängermodell war kein Rauschen mehr im Hintergrund zu hören. Die Klangqualität liegt nah am Optimum dessen, was über die komprimierte A2DP-Verbindung möglich ist, also kein HiFi, aber durchaus für MP3-Musikgenuss unterwegs zu gebrauchen. Es klingt deutlich besser als die meisten Kabel-Kopfhörer der 20€-Klasse. Die Bass-Boost-Funktion würde ich für Musik eher aus lassen, manche Podcasts werden dadurch in lauter Umgebung aber besser verständlich. Einziges Manko: Je nach Position des Handys und Körperhaltung kann es zu kurzen Aussetzern kommen. Dabei reicht es schon, wenn das Bluetooth-Signal zwischen Hosentasche und Ohr vom linken Arm gedämpft wird, In Brust-oder Jackentasche ist das Signal jedoch immer stabil, genauso wenn das Handy in der Hand gehalten wird.
Klangqualität (telefonieren): Mit dem Headset hört man das Gegenüber auch in lauter Umgebung klarer als direkt am Handy, was hauptsächlich daran liegt, dass man beide Ohren benutzen kann. Umgekehrt ist die Qualität leider nicht ganz perfekt: Das Headset verzichtet für einen besseren Tragekomfort auf einen Mikrofonarm; das Mikrofon sitzt an der Vorderseite der linken Ohrmuschel. Dadurch nimmt es zwangsläufig Nebengeräusche auf. Diese werden zwar elektronisch heraus gefiltert, was auch erstaunlich gut funktioniert, allerdings einen etwas künstlichen Klang hinterlässt. Verständlich ist man trotzdem, gerade in lauten Umgebungen.
Bedienung: Hier sind mir die meisten Detailverbesserungen zum Vorgänger aufgefallen: Die Lautstärke-Knöpfe hinter dem linken Ohr lassen sich eindeutig ertasten. Statt nur Töne vorzuspielen, macht das Mobilteil jetzt (englische) Ansagen, unter anderem hört man beim Einschalten oder nach kurzem Druck auf die Power-Taste die verbleibende Akkulaufzeit. Mit etwas Übung hat man schnell die komplizierteren Funktionen wie vor- und zurückspulen durch langes Drücken auf "+" bzw "-" verinnerlicht. Auch dabei helfen kurze Ansagen. Die einfacheren Funktionen laut/leise, Play/Pause, Anruf-Annahme, Wahlwiederholung und Sprachwahl werden wie üblich mit Tönen quittiert.
Zubehör: Das Headset wird mit einem Ladegerät und einem kleinen Reisetäschchen ausgeliefert, welches Platz für Headset und Ladegerät lässt. Das Ladegerät ist eigentlich überflüssig, weil es einerseits den gleichen Micro-USB-Anschluss hat, der auch bei allen aktuellen Smartphones (außer Apple) Standard ist, und weil es andererseits mit nur 180mA Ladestrom zu schwach ist, um irgendetwas anderes als das Headset zu laden. Es ist wesentlich praktischer, mit demselben Ladekabel Handy und Headset aufzuladen.
Zusammenfassung: Ein hervorragendes Stereo-Headset für Musik, Podcasts und gelegentliches Telefonieren unterwegs.
Pro:
+ lange Akkulaufzeit (7h)
+ Standard-Ladeanschluss (Micro-USB)
+ sehr gute Audio-Qualität
+ kein Kabelsalat
+ sehr leicht
+ komfortabler Sitz
+ gute Verständlickeit, auch bei lauter Umgebung
+ unterstützt A2DP, HSP, HFP und AVCRP
Contra:
- passt nicht auf jedes Ohr
- Geräuschfilter produziert beim Gesprächspartner unnatürliches Klangbild
- suboptimale Verpackung