Bereits kurze Zeit nach der Veröffentlichung seines »kleinen genialen Weinführers 2005« erschien nun mit »Planet Wein« ein weiteres Buch von Stuart Pigott, das sich in Form und Inhalt deutlich von seinen bekannten Vorgängerwerken unterscheidet. Verzichtete Pigott etwa in »Göttertrank und Blendwerk« und »Schöne neue Weinwelt« völlig auf Illustrationen der von ihm bereisten Weinregionen und der besuchten Winzer, so stellt der Bildband »Planet Wein« zweifellos die von vielen Lesern vermisste und lange erwartete Ergänzung dar. So läd »Planet Wein« dann auch weniger zum konzentrierten Lesen, als vielmehr zum genussvollen Blättern (mit einem Glas Wein in der Hand) ein.
Jeder Abschnitt ist einer Rebsorte und den verschiedenen kulturellen Umfeldern gewidmet, in denen sie angebaut wird. Nicht selten prallen dabei Weinwelten aufeinander: hier alte handwerkliche Traditionen, dort modernes »Wine Design« mit Hilfe önologischer Horror-Hightech-Methoden. »Eine ... Folge des Hightech,« so Pigott, »ist die unwiderstehliche Anziehung, die blitzende neue Maschinen auf gewisse Weinmacher ausüben ... Maschinen wie der Mostkonzentrator (der Wein, der dem Weinmacher zu mager erscheint, durch Wasserentzug aus Traubenmost oder Wein aufpumpt) oder der Spinning Cone (der durch Entfernen von Alkohol verschlankt, was der Weinmacher als übergewichtig erachtet) klingen beinahe nach Terminator. Enzyme, die die Bildung gewisser Aromen fördern und genmanipulierte Hefen, die Wein noch grundlegender prägen können, sind weitere Waffen im Arsenal der Weinmacher der Gegenwart.«
Bei den Bildkommentare bleibt Pigott seinem stets unverkrampften Schreibstil treu, etwa, wenn er über die Herkunft des Chardonnay schreibt (»Inzwischen ist jedoch klar, dass ... der Chardonnay das Ergebnis einer natürlichen Kreuzung des Pinot Noir mit einem dahergelaufenen Kerl ist, den die Franzosen Gouais nennen. In Deutschland heißt er Heunisch, weil er mit den Hunnen nach Europa kam, als die auf Krawalltour durch Rom zogen.«) oder die künstliche Opulenz mancher Rotweine mit den Resultaten der Schönheitschirurgie vergleicht (»Das Pendant zu Steroiden und Silikonbusen ist beim Rotwein das Gerbstoffpulver aus der Tüte ... Es überrascht nicht, dass die Ergebnisse ... so subtil ausfallen wie die Muskeln von Arnold Schwarzenegger und so überzeugend sind wie die Kurven von Pamela Anderson.«)
Ohne Zweifel besitzt Stuart Pigotts »Planet Wein« einen hohen Unterhaltungs- und Spaßfaktor. Und so ganz nebenbei vermittelt das Buch auch in konzentrierter Form Wissen über die Rebsorten und Anbaugebiete dieser Welt. Es ist daher - nicht nur für Einsteiger in Sachen Wein - absolut empfehlenswert.