Es wird zunehmend schwerer, die Neuerscheinungen aus dem Hause essay recordings zu besprechen. Das Ding ist, dass man gerade bei noch nicht bekannten Künstlern versucht ist, sich wegen deren Originalität in Superlativen zu verausgaben. Dann erscheint das 2. Album und toppt das erste, und was schreibst du dann. Das dritte macht dein Problem nur noch schlimmer. - Und jetzt zu Shantel, der sich seinen guten Ruf als Großmeister des Balkan-Pop redlichst verdient hat. Wollen wir also sachlich bleiben.
Was ist neu bei Planet Paprika: Es gibt - bis auf die letzte - keine Nummer ohne Gesang. Das mag man bedauern, wenn man Freund reiner Instrumentals ist, oder begrüßen, wenn man auf die menschliche Stimme nicht verzichten mag.
Nach einigen Stücken, die alle sehr tanzbar sind kommen zwei Nummern, die deutlich hervortreten. Das eine ist eine Verneigung vor dem legendären griechischen Untergrundkünstler Anestis Delias (1912 - 1944), dem Rembetiko verschworen, der selbst zu hören ist, virtuos eingebunden in eine neue Begleitung.
Bei dem anderen Track ist die Stimme so weit elektronisch verändert, dass sie gleichzeitig zwar als Stimme zu erkennen ist, aber auch wie in weiteres seltsam differenziertes Instrument im musikalischen Gefüge verwoben ist. Mein absoluter Lieblingstrack bei all den wunderbaren Melodien, die uns immer unwiderstehlich in die Glieder fahren. Interessant ist, wie Shantel seine musikalische Heimat ausdehnt und Griechenland intensiv mit einbezieht.
Was mich als Komponist und Musikwissenschaftler freuen würde: Wenn Shantel sich ausgiebig mit dem "Phénomène Aksak", den auf dem ganzen Balkan zu findenden unregelmäßigen Rhythmen, befassen würde. Das birgt auch für die tanzbegeisterte Fangemeinde ganz neue Herausforderungen.
Hier noch die Tracklist:
Good Night Amanes / Planet Paprika / Wandering Stars / Bucovina Original / Being Authentic / Citizen of Planet Paprika / Sura Ke Mastura / Usti, Usti Baba / Eyes of Mine / Binaz in Dub / Beauties from Athina / Ex Oriente Lux / Good Morning Amanes.