Aus der Amazon.de-Redaktion
Dass der sogenannte, mit Schinken, Käse und Ananas belegte "Hawaii-Toast" ausgerechnet in Deutschland erfunden wurde, ist ja an sich schon komisch. Und es ist wohl auch kaum verwunderlich, dass sich der Hawaiianer Eric T. Hansen da fragen musste, auf welchem Planeten er denn da gelandet sein war. Und tatsächlich: Seine Recherchen, deren Ergebnisse er in diesem vergnüglichen Büchlein genüsslich vor uns ausbreitet, bestätigen eindrucksvoll, welch skurriles, dabei aber gar nicht mal so unsympathisches Völkchen wir eigentlich sind. Der Autor jedenfalls ist, nachdem er als Mormonenmissionar nach Deutschland geschickt worden war, gleich ganz hier geblieben und hat in diesem komischen Land sogar seine religiöse Verblendung überwunden.
Wenn sich die Deutschen, schreibt Hansen, von außen sehen könnten, so wie er sie als Amerikaner sehe, würden ihnen zuerst kleine Merkwürdigkeiten ins Auge fallen: "die Gartenzwerge, die Kuckucksuhren, die Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen". Erst dann würden sie das eigentlich Skurrile bemerken: "die rätselhafte Beziehung dieses Volkes zum Staat, zum Genuss, zum Geld, zur Kultur und zur eigenen Identität". Darauf angesprochen, warum sie eigentlich so anders seien, würden sie vermutlich antworten: "Wieso denn, das ist doch ganz normal". Und deshalb bräuchte man für dieses Land einen guten Reiseführer. Und mit Planet Germany hält man ihn tatsächlich in Händen!
Außer über Deutschland und die Deutschen erfährt man aus dem lesenswerten Band auch so manches interessante Detail über Menschen aus anderen Kulturen, das man sich eigentlich schon längst mal hätte fragen sollen. So etwa, wieso eigentlich beinahe jeder japanische Deutschland-Tourist -- ganz im Gegensatz zu den meisten Deutschen -- fehlerfrei das Loreley-Lied mitsingen kann... Kurzum: Eine wirklich lehrreiche Lektüre. --Hasso Greb
Titel Thesen Temperamente, ARD, 2. Dezember, 2006
In seinem Buch zeigt Hansen höchst amüsant und voller Anekdoten aus der deutschen Geschichte, dass wir ganz anders sind, als wir die Welt gerne glauben machen möchten. Dabei kommt Hansen zu erstaunlichen Erkenntnissen...
WDR 5 (Daniel Blum), 4. Dezember, 2006
Ein witzelnder und stichelnder Reiseführer, geschrieben allerdings nicht für die Besucher, sondern die Bewohner dieses Landes. Die sich im Spiegel des Buches sehen können, mit verdutztem Gesichtsausdruck: Ach, so sehen mich andere? ...Voller Legenden sei das deutsche Selbstbild, behauptet Hansen. Er kontert sie mit persönlichen Erfahrungen und sanftem Spott, am häufigsten jedoch präsentiert er Recherche und Argumente. Denn Hansen ist studierter Mittelalterfachmann und Journalist und hat in sein Buch richtig viel Arbeit gesteckt. So vorbereitet, widerspricht er der deutschen Furcht vor Amerikanisierung: kaum ein Staat überschwemme das Ausland so mit seinen Waren und Dienstleistungen wie Deutschland. ...Und auch formal überrascht er häufig: Neben fiktiven Lexikoneinträgen wie dem über das 'Goetheundschillerding' gibt es pseudowissenschaftliche Abhandlungen und Exkurse in Hansens Heimat. ...Hansens geistreiches Buch unterhält, ist aber alles andere als unpolitisch. ...'Planet Germany' balanciert gekonnt zwischen Entertainment, Information und Provokation.
Kurzbeschreibung
Wenn ein Amerikaner sich einen BMW kauft, ist er immer noch Amerikaner. Ein Deutscher aber braucht nur in einen Hamburger zu beißen, schon hat er seine deutsche Seele verloren. Warum tun sich die Deutschen so schwer mit ihrer Identität? Weil sie sonst keine Deutschen wären, meint der Amerikaner Eric T. Hansen. In seinem neuen Buch nimmt er rund ein Dutzend typische hiesige Eigenschaften unter die Lupe und macht eine erstaunliche Entdeckung: Die Deutschen sind ganz anders, als sie die Welt gerne glauben machen möchten. Seit nunmehr zwanzig Jahren zieht Eric T. Hansen das nasskalte Deutschland dem sonnigen Hawaii vor. Was er in diesen Jahren über uns Deutsche herausgefunden hat, ist oft komisch, gelegentlich verblüffend, aber immer erhellend, klug und unterhaltsam.
Über den Autor
Eric T. Hansen, Jahrgang 1960, wuchs in Hawaii auf, wo er seine Leidenschaft für das Mittelalter und für europäische Kultur entdeckt. Er kommt dem Ziel seiner Träume näher, als er nach Deutschland geschickt wird - als Mormonenmissionar. Er entschließt sich zu bleiben, studiert Mediävistik in München, tritt aus der Kirche aus und zieht nach Berlin, wo er bis heute als Journalist arbeitet. 2004 veröffentlichte er »Die Nibelungenreise. Mit dem VW-Bus durchs Mittelalter«.