Aus der Amazon.de Redaktion
Gut 15 Monate nach seiner 2006 erschienenen CD 3121, die Platz vier der deutschen Albumcharts erreichte, gibt es Neues von dem Mann aus Minneapolis. Planet Earth kommt als Digi-Pack mit Wackelbild-Frontcover daher - wechselweise Prince-Logo oder der Zeuge Jehovas gottgleich übergroß mit schützend geöffneten Händen hinter dem Planeten stehend. Ökologisch unpassend wird die Disc jedoch nur eingeschweißt ausgeliefert! Und das, obwohl sich die zehn Lieder inhaltlich um das Problem des Klimawandels drehen. Die Titel sind allerdings nicht gelistet und auch ein Booklet fehlt. Nur die Musiker wurden namentlich aufgeführt. Neben den eingangs Genannten ist dies natürlich seine New Power Generation, die in folgender Besetzung antritt: Cora Coleman Dunham (Schlagzeug) und ihr Ehemann Joshua (Bass), Shelby J. (Co-Vocals), The Twinz (Backgroundgesang), Mike Phillips (Saxophon), Ex-James-Brown-Saxophonist Maceo Parker, Greg Boyer (Ex-George Clinton's Parliament/Funkadelic) an der Posaune, Lee Hogan (Trompete), Renato Neto (Keyboards) sowie sein langjährigen Keyboarder Morris Hayes.
Bedient der eingängige Poprock-Track "Guitar" noch die kommerziellen Erwartungen an die erste Single-Auskoppelung, so zeigt Prince in der soft-jazzigen Ballade "Somewhere Here On Earth" seine wahre Brillanz. "The One U Wanna C" mit fettem, treibenden Basslauf ist ein simpler Ohrwurm zum Mitsingen. Superb dann die zweite Ballade, das minimalistische "Future Baby Mama" (Janet Jackson hätte sich über diesen Song als Interpretin gefreut!). Stark auch der weichgespülte Midtempo-HipHop "Mr. Goodnight". Austauschbar und beliebig: "All The Midnights In The World". Klasse, die funky-treibende Disco-Referenz "Chelsea Rodgers"! Das spacig-transparent produzierte, geradlinige "Lion Of Judah" erweist im Gitarren-Solo seinem Idol Jimi Hendrix Referenz, schielt aber zu sehr auf die Charts. Das intelligent und abwechslungsreich arrangierte "Resolution" zum Ausklang zeigt erneut: Prince hat sich längst weit vom Funk entfernt, ist kein Innovator mehr, sondern primär beim Pop gelandet! Geschickt versteht er es jedoch, 45 Minuten lang niveauvolle Unterhaltung mit textlichem Anspruch zu verknüpfen.
In der Vermarktung seines neuesten Opus geht der große Kleine indes völlig neue Wege: Nicht nur, dass alle Besucher seiner Konzerte die CD beim Kartenkauf (ohne Aufpreis) erhalten. In England wird der Longplayer ferner einer Ausgabe der Wochenzeitung "Mail On Sunday" (Auflage: zwei Millionen!) zum Nulltarif beigelegt! In diesen "Geiz ist geil"-Genuss kommen Prince-Fans jenseits der britischen Insel nicht. Sie müssen für Planet Earth zahlen. Es lohnt sich!
--Thomas Hammerl