Kaum in die Birne zu kriegen, dass derselbe Mensch, der "Coma" und "Planet of the Apes" ersonnen hat, auch für Dünnpfiff wie "Criminal Law" oder "Mr. Baseball" verantwortlich zeichnet. Auch wenn man das Sequel "Escape..." auf dieser CD nun wirklich nicht braucht, ist der ursprüngliche Schaffner-Film eine großartige Erfahrung, wenn man nicht an Themen hängt, die der Briefträger summt. Eine an Bartok geschulte Partitur, die aber weiter geht, sehr perkussiv, mit merkwürdigem Instrumentarium (das Krummhorn in "The Hunt") angereichert, befremdlichen Affeneffekten und praktisch gar keine Elektronik, Knabbern am Mundstück, und in einer Klangqualität (sowie einer hervorragenden, spannenden Abmischung), die keine Wünsche offen lässt, sofern man sich des Aufnahmejahres bewusst ist. Kein Cue gleicht dem anderen. Ich kann mich erinnern, wie ich als Kind während des Films zu meinem Vater auf der Couch sagte: "Sag mal, ist die Musik nicht irgendwie komisch?" Er zuckte nur mit den Schultern. "Was für Musik?" Na, das ist jedenfalls der modernste Goldsmith, den ich kenne (nehmen wir noch "Coma" hinzu). Bartok ist hier auch nur ein Ausgangspunkt. Goldsmith hat hier seiner Fantasie und seiner Experimentierfreude freien Lauf gelassen, hat jedes obskure Klangobjekt, das man ihm gebracht hat, einfließen lassen. Diese Musik werde ich auch noch in zehn Jahren hören. Sie nutzt sich nicht ab. Sie ist verquer und verschroben, allerdings auch keine Angelegenheit für Geräuschpuristen - solche Leute hören auch keine Filmmusik. Sein großes Meisterwerk, noch vor "Alien". Wer "Planet of the Apes" zehn Mal gehört hat, hält diese Klänge für vollkommen folgerichtig und natürlich. Nichts daran wirkt "gewollt" oder crazy. Eine glasklare Angelegenheit, bewundernswert einfallsreich orchestriert.