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Als angeblich schlechtester Film aller Zeiten geistert dieser in höchstem Grade unterhaltsame SF-LowFi-Trashfilm praktisch seit seiner Entstehung im Jahre 1958 duch einschlägige Film-Periodika, doch ist dieser Superlativ reichlich übertrieben und auch unfair dem durchaus ambitionierten Regisseur gegenüber, wie wir spätestens seit Tim Burtons adäquat skurrilem Ed Wood und Johnny Depps faszinierender Darstellung des Titelhelden wissen. Natürlich wackeln in Plan 9 im wahrsten Sinne des Wortes die Wände, und es chargieren die Amateure an der Schmerzgrenze (besonders jene, die dem Regisseur von seinen christlich-fundamentalistischen Geldgebern aufgenötigt wurden), aber Woods Vision vom Kino ist eben eine andere, verwandt eher jener der japanischen Godzilla-Filmer als der eines Howard Hawks: Imagination ist alles, Detailgenauigkeit überflüssig, weil ja ohnehin alles bloß Theater ist. Heute machen gerade seine Schwächen den ungeheuren Reiz dieses Filmes aus, lassen ihn interessanter erscheinen als fast alle technisch besseren Untertassenfilme der goldigen 50er.
Der in den Credits aufgeführte Bela Lugosi verstarb zwei Tage nach Drehbeginn und wurde für den Rest der Dreharbeiten von einem schweigenden Statisten ersetzt, der sich zu besseren Tarnung beständig den berühmten Dracula-Umhang vor die Nase hält. Die Videoabend-Kombi Ed Wood und Plan 9 from Outer Space sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen (in der angegebenen Reihenfolge). --Thomas Abel
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Unter all den künstlich zu Kultfilmen hochstilisierten Versagern der Kinokunst - man denke z.B. an Galaxina, der einfach nur billig, langweilig und inkompetent gemacht ist - ist Plan 9 einer der wenigen wirklich sehenswerten Filme. Aber warum?
Zunächst einmal möchte ich meine persönlich geteste Reihenfolge bei der Beschäftigung mit dem Phänomen Ed Wood empfehlen, denn sie hat diverse Vorteile:
ZUERST sehe man den von Tim Burton gedrehten Film ED WOOD mit Johnny Depp in der Titelrolle. Belohnt wird man mit einer wunderbar kurzweiligen Spielfilmbiographie, die um so mehr fasziniert, als man weiß, daß es Ed Wood so ähnlich wirklich gegeben hat. Das bereitet einen schönen Filmabend und steigert zugleich durch die Episoden am Drehort von Woods Filmen die ungläubige Vorfreude auf den bekanntesten der vier Filme Ed Woods: Plan 9 From Outer Space, der ja eigentlich Grabräuber aus dem Weltall heißen sollte. Man will unbedingt erfahren, ob der Film tatsächlich so schlecht ist, wie man vermutet. Tim Burtons ED WOOD-Film endet mit der Premiere von Plan 9.
DANN genieße man den Film selbst - auf vorliegender DVD in Englisch mit zuschaltbaren (leider ziemlich verfälschenden) deutschen Untertiteln. Man stellt fest: er ist noch viel schlechter, als man zu hoffen gewagt hatte, und man kann sich darauf verlassen, daß man einen weiteren sehr belustigenden Filmabend hat. Man wird sich angesichts einer komplett sinnfreien Story, der völlig talentlosen Darsteller und der Requisiten aus dem Zukunftsfundus von Rudis Resterampe der absurden Faszination des Filmes nicht entziehen können. Denn was man sieht, ist nicht nur offensichtlich schlechtes Kino, sondern vor allem das Gelingen einer großen kindlichen Vision: in Plan 9 kann man im Kinoformat die Fantasie eines Kindes bewundern, das selbstvergessen aus Pappe und Lego Raumschiffe und Tentakelmonster aus Gummiringen bastelt.
ZULETZT gönne man sich die Dokumentation zum Film, bei welchem Darsteller und Helfer Ed Woods dem Geheimnis seines Jahrzehnte später entstandenen Kultstatus auf den Grund zu kommen versuchen. Ich war begeistert angesichts der vielen Details, die mir im Nachhinein als in Tim Burtons Film authentisch bewußt wurden (dessen Werk sprüht vor historischen Details und Bildzitaten). Trotz gelegentlicher Längen - den Besuch der leeren Gerümpelbude, in der 50 Jahre früher Plan 9 gedreht worden war, hätte man sich sparen können - ist die Doku sehr sehenswert und spürbar mit Liebe zum Thema gemacht. Die Mitwirkenden sind sichtlich stolz darauf, Ed Wood gekannt haben zu dürfen. Und selbst der Dozent, der seine Liste von einigen Dutzend dramaturgischer Kardinalsfehler in Plan 9 herunterrattert, tut das mit der Begeisterung eines Liebhabers.
Plan 9 From Outer Space ist deswegen ein so sehenswerter schlechter Film, weil er uns teilhaben läßt an der kindlichen Freude des Erzählens. Es ist ganz tief unten nicht die Botschaft eines Films, die uns im Kino anrührt, nicht ein berühmtes Gesicht, nicht eine tolle Musik oder eine aufgemotzte Effekteschlacht - es ist die schlichte Freude der Teilnahme an einer Geschichte, am Erzähltbekommen. Ed Wood lädt uns mit seiner Naivität ein zurückzugehen in die Zeit, als wir eigentlich schon alt genug zum Lesen waren, aber es liebten, wenn Mami oder Opi uns abends etwas vorlasen. Oder als wir zum erstenmal draußen zelteten und spätnachts am Lagerfeuer einer eine Stegreifgeschichte erzählte, von fliegenden Untertassen und Untoten und dem gegen alle Kugeln gefeiten Monster, das PLÖTZLICH (dramatischer Schwenk mit der Taschenlampe) vor uns zu Staub zerfiel... Plan 9 hat außer dieser reinen Erzählfreude so überdeutlich nichts, aber auch wirklich gar nichts von dem vorzuweisen, was man als Kinogänger für selbstverständlich zu halten gelernt hat, daß man ihn - ganz wie eine Kindheitsfantasie - entweder liebt oder lächerlich findet. Man gibt ihm entweder fünf Sterne oder minus fünf Sterne. Ich gebe ihm fünf.
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