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Hollywoods talentfreie Zone Ed Wood hat mit "Plan 9 aus dem Weltall" seinen wohl bekanntesten Trash-Kult hingelegt. Müsste man den Film anhand der selbst gesteckten Ziele bewerten, so wäre ein Stern noch zu viel, so schlecht ist er. Bezieht man aber unfreiwillige Kult-Komik mit ein, lassen sich drei Sterne rechtfertigen. Über diesen Film zu schwadronieren hieße Eulen nach Athen tragen: Wrestler Tor Johnson bringt kaum einen ganzen Satz fehlerfrei und unangestrengt über die Lippen, die Crew bringt die Pappmachégrabkreuze zum Wackeln, Nacht und Tag wechseln in Sekundenschnelle, Bela Lugosis "Double" hält sich wegen Unähnlichkeit immerzu den Mantel vors Gesicht, die "Handlung" ist so idiotisch, wie die Tricks und Kulissen billig und die Dialoge platt sind. Man kann den Film wegen seiner Kombination aus völligem Dilettantismus und unerschütterlichem Selbstvertrauen hassen oder lieben. Nebenbei kann man aber immerhin auch studieren, wie sich mit bescheidenen finanziellen Mitteln arbeiten lässt bzw. wie Ed Wood im Ansatz das Richtige macht, aber in der Ausführung jämmerlich versagt. Es ist beispielsweise eine gute Idee, in Archiven versacktes Filmmaterial (Kanonen schießen, Soldaten erteilen Befehle) zusammenzuklauben und in den Film zu integrieren. Doch dazu braucht man ein gewisses handwerklich-dramaturgisches Geschick, das eben einen Roger Corman von einem Ed Wood unterscheidet, obwohl ersterer auch nicht gerade in der filmkulturellen A-Liga spielt. Bei Wood wirken die Archiv-Szenen wie Archiv-Szenen, ohne durch geschickte Montage hergestellten Bezug zur Handlung oder zur Ästhetik. Wood kann Schnipsel nicht zu einer Einheit verschmelzen lassen. Wenn die Kanonen schießen, ist es ersichtlich Archivmaterial. Dazwischengeschnitten sind Woods eigene Aufnahmen, in denen die fliegenden Untertassen nicht getroffen werden: Diese Aufnahmen sehen gegenüber den realistischen Kanonen völlig anders aus, unendlich billiger, mit baumelnden Miniatur-Saucers vor einem falschen Himmel, an dem Lichtblitze der Kanonen (aber auf was treffen die Kanonen eigentlich?) aussehen, als hätte Wood des Nachts in seiner Wohnung schnell das Negativ an ein paar Stellen ausgekratzt. Ein weiteres Beispiel für einen an sich richtigen, aber schlecht ausgeführten Ansatz sind die sparsamen Kulissen: Hier war B-Filmer Edgar Ulmer ein wahrer Meister, der (z.B. bei dem Apartment einer Ex-Freundin des Protagonisten von "Detour") lediglich einen kleinen Bildausschnitt nachbaute, diesen aber perfekt, so dass beim Zuschauer die Illusion des Drumherum in seinem Kopfe entstand. Bei Wood hingegen sind die Kulissen mitunter so spartanisch, dass ihre Künstlichkeit offenbar wird: Das Innere des Raumschiffs sind mehr oder minder eine Wand und sehr wenige, sehr irdische Möbel. Das Cockpit eines Flugzeuges: Es ist schon klar, dass man so etwas nicht im echten Flieger dreht, aber die stets gleiche Sicht von vorne auf die Piloten, ohne erkennbare Armaturen, dahinter eine Wand und ein Vorhang, verdeutlicht, was hier geschah: Wood filmte wohl die Wand eines Bau- oder Wohnwagens, bei dem die Decke ähnlich gebogen wie bei einem Cockpit ist. Die Wand ist völlig nackt, dann gibt es zwei Stühle und zwei steuer-ähnliche Gegenstände - fertig. So schafft Wood Durchsichtigkeit statt Illusion.
Dennoch oder deshalb kann man den Film als sagenhaft schlechten Trash-Kult verehren. Der Filmemacher Tim Burton tut es - und schuf mit "Ed Wood" einen Streifen, der selbst schon beinahe ein Kultfilm ist. Und ihn hat offenbar auch danach die Affinität zu dem Außenseiter Ed Wood nicht losgelassen. In einer der etwas vertrackteren Anspielungen erweist er dem "Meister" noch in "Charlie und die Schokoladenfabrik" seine Reverenz: In diesem Film salutieren die Umpa-Lumpas genau so wie die Außerirdischen (vulgo Menschen in billigen Glitzerklamotten) aus "Plan 9 aus dem Weltall". Immerhin diese Erkenntnis verschafft uns "Plan 9". Das sollte doch drei Sterne wert sein? Und wem das jetzt nicht klar ist, der möge sich den ganz und gar nicht dilettantischen "Charlie und die Schokoladenfabrik" ansehen, einen liebenswert-skurrilen Kinderfilm nach dem Buch von Roald Dahl, von dem auch Erwachsene etwas haben. Aber das wäre eine andere Rezension.