Bereits der Titel möchte den geneigten Leser in Verzückung versetzen, "Plague of the Dead" klingt wie die Mischung eines Death-Metal-Songs mit dem Titel eines klassischen Zombie-Films der Achtziger Jahre. Dazu kommen überwiegend positive Rezensionen auf der Amazon.com-Seite, die mich dazu gebracht haben, dieses Buch gut finden zu wollen.
Leider ist es bei dem Wunsch geblieben, trotz größter Anstrengung wollte der Funke nicht überspringen. Z.A. Recht hat mit seinem Erstlingswerk ein überaus modernes Buch geschrieben, das wahrscheinlich nach dem Durchlaufen eines jeden deutschen Lektorats als "kommender Klassiker" angepriesen werden würde, jedoch bei mir einmal mehr einen faden Nachgeschmack hinterließ.
Erinnert man sich einmal an die guten alten Tage, als die Romanschriftstellerei noch eine ausgewogene Mischung aus Kunst und Handwerk darstellte, beschleicht einen so etwas wie Wehmut. Damals gab es noch Geschichten, die sich entfalteten, Charaktere, die sich entwickelten, einen Höhepunkt, auf den alles zulief und vor allem einen roten Faden, der die einzelnen Abschnitte der Geschichte miteinander verband.
Demgegenüber gibt es heute mit gerdazu inflationärem Aufkommen Romane, die all das vermissen lassen, als komme es nur noch darauf an, ein Pensum zu erfüllen und 'Seiten vollzukriegen'. 'Plague of the Dead' schlägt genau in diese Kerbe.
Recht schreibt keine Geschichte, sondern schildert lediglich eine Grundsituation, auf deren Basis mehrere Episoden lose aneinander gereiht werden, die teilweise an Blödsinnigkeit nicht zu überbieten sind.
Es geht um den Ausbruch eines neuen Erregers, des sogenannten 'Morningstar Strains', oder des 'Morgenstern (Viren-)Stamms', der befallene Opfer in blutgierige Raserei versetzt und selbst tote Menschen in tollwütige Irre verwandelt, die nichts anderes im Sinn haben als Mord und Totschlag. Recht verzichtet dabei weitgehend darauf, die Verbreitung der Seuche zum Gegenstand seines Werks zu machen, sondern schildert die Erlebnisse verschiedener Menschen vor diesem Hintergrund, ohne diese miteinander hinreichend zu verknüpfen. Dabei verliert er sich meiner Ansicht nach z.T. in uralten Klischees, es geht um Soldaten, Sanitäter, Ärzte und Agenten einer geheimen US-Behörde, und besonders Letztere werden mal wieder als die "böse fünfte Kolonne" dargestellt, die Amerika heimlich regiert. Was mir hier gefehlt hat, ist die Identifikationsfigur in Gestalt eines halbwegs normalen Alltagsmenschen.
Recht erweckt überdies den Eindruck, er habe bereits mit dem Schreiben des Buches angefangen, bevor er sich darüber im Klaren war, wie die Geschichte enden soll. Und immer dann, wenn ihm einmal mehr die Ideen ausgegangen sind, baut er deplaziert und uninspiriert wirkende Actionszenen in die Abläufe ein, die mit überlang dargestellten Planungsphasen eingeleitet werden. Hier gilt das Motto: "'Wir haben 12 Beretta-Pistolen und 2 MP-5-Maschinenpistolen, leider ist für die M-16-Gewehre keine Munition mehr da. Wir könnten die Pistolen verteilen und die MPs an versierte Schützen vergeben, und dann müßten wir uns überlegen, wo wir Munition für die M-16 herbekommen. Ich gehe jetzt mal zum General und bespreche die Situation mit ihm."
Und dann wird alles nochmal wiederholt, über mehrere Seiten. Schließlich wird die Frage gestellt, an wen denn nun die Waffen verteilt werden sollen, und dann führt Recht noch auf den letzten paar Seiten neue Charaktere ein, von denen vorher nicht die Rede war. Besonders diese Passagen sind es, die mir den Eindruck vermittelt haben, hier sei ein Laienschriftsteller am Werk gewesen.
Mir hat dazu mal jemand gesagt: 'Das Buch hat über 300 Seiten, ist auf gutem Papier gedruckt und kostet nichtmal 15 Euro. Ist doch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.'
Der Mann könnte sich als Lektor in einem der großen deutschen Verlage bewerben.
Auch die Tatsache, daß es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier Flickschusterei an die Stelle eines Romankonzepts gesetzt wurde, denn eine Einleitung sollte Appetit auf mehr erzeugen. Bei mir ist demgegenüber sehr schnell eine Sättigung eingetreten.
Für das Buch spricht lediglich, daß es wie bereits gesagt, auf gutem Papier gedruckt wurde...