Wer sich mit japanischer Kunst etwas auskennt: Kawase Hasui läßt grüßen. Die Bilder wirken wie kleine Kunstwerke, erinnern an viele bekannte Künstler des Shin Hanga. Und für die für die das gerade böhmische Dörfer waren: Habe selten ein Anime gesehen, das soviel Wert auf Details wie Lichteffekte, -reflexionen gelegt hat, das mit so viel seltsamen "Kameraeinstellungen" experimentiert - kurz: Den Betrachter mit einer Vielzahl von gekonnt eingesetzten Stilmitteln konfrontiert, die teils sehr ungewöhnlich sind.
Die Geschichte ist dabei auch noch halbwegs gut: "Mal wieder" eine Alternativwelt. Japan hat den zweiten Weltkrieg verloren (soweit so gut) und wurde auch geteilt (das ist neu). Hokkaido wurde der Sovietrepublik zugeschlagen, die beiden Machtblöcke (USA und die Sovietrepublik) liegen sich auf beiden Seiten der Tsugaru-Straße, der Meeresenge zwischen Hokkaido und Honshu in den Haaren, ein Krieg droht - und ein fazinierender, unheimlicher, geheimnissvoller Turm ragt auf Hokkaido in den Himmel, schon von Weitem zu sehen, selbst im fernen Tokio. Dann sind da die drei Jugendlichen, die sich in den letzten Tagen ihrer Schulzeit ein Versprechen geben - zwei Jungs, ein Mädchen. Das Mächen fällt in den letzten Sommerferien, die die drei eigentlich miteinander verbringen wollen, in einen tiefen, rätselhaften Schlaf, der irgendwie etwas mit dem geheimnissvollen Turm zu tun hat. Die Geschichte wird - wie ich finde - angenehm flach gehalten. Klingt zunächst nicht positiv, in diesem Fall meine ich das aber so: Ich habe mit diesen Alternativwelten-Zeitsprung-Wirklichkeitsverschiebungs-Spektakeln immer so meine Probleme. Technobabble langweilt halt ein bischen, finde ich. Daher will ich gar nicht so genau wissen, wie das alles so im (vorgeblichen) Detail funktioniert, Hauptsache, es ist gut gemacht und halbwegs unterhaltsam. So hier der Fall. Den Charakteren wird genug Zeit und Raum gegeben, sich zu entwickeln, die Geschichte ist mysteriös, interessant und spannend genug (aber nicht zu verwirrend) um einen bei der Stange zu halten.
Die deutsche Synchro finde ich OK, gehöre sowieso nicht zu den Leuten, die sich aufregen, wenn bei einem japanischen Anime der deutsche Dub nicht lippensynchron läuft - wobei man hier durch die gewählten Einstellungen sowieso so gut wie niemals Großaufnahmen der Gesichter zu sehen kriegt :-)
Toneffekte und Musik sind sehr dezent, passend zur stillen, eher melancholischen Stimmung des Films. Wenn es denn mal dröhnt und explodiert, dann kräftig und effektvoll - gut dosierter Surround-Sound macht auch Spaß ;-)
Fazit: Ein künstlerisch rundherum gelungener Film, ein Fest für die Augen bei dem die Story nicht weiter stört. Für volle fünf Punkte reicht es für mich nicht ganz, aber dennoch aufgrund der wahrhaft fulminanten Optik eine echte Empfehlung für Animefans.