Voller Enthusiasmus begann ich die Lektüre von "A Place of my own", nachdem das "Omnivoren-Dilemma" desselben Autors mir so ein exquisites Lesevergnügen bereitet hatte.
Und wer träumt nicht von seiner eigenen kleinen Hütte im Wald und davon, diese mit eigenen Händen zu erbauen und sich dann darin zurückzuziehen?
Und ich habe auch echt nichts dagegen, das, was man tut, in einem geschichtlichen und kulturellen Kontext zu betrachten, denn ob wir wollen oder nicht, wir sind nur zu einem Bruchteil Individuen und können nicht so tun, als würden wir die erste Hütte des Planeten bauen.
Michael Pollan, bekennender nicht-Heimwerker, engagiert einen befreundeten Architekten und einen "Bauleiter", er selbst führt nur narrensichere Arbeiten wie Schindeln annageln durch. Während er mit dem Architekten Schritt für Schritt die Hütte entwirft, fräst er sich durch Architektur-Zeitschriften und -bücher, um eine Ahnung von der Formensprache und den moderneren Strömungen des Hausbaus zu bekommen. Auch die Geschichte des Hausbaus während der Inbesitznahme Nordamerikas durch die Europäer wird skizziert.
Auf seinem großen Grundstück irrt Pollan geradezu umher, um die richtige Stelle für die Hütte zu finden. Als ich so beim Lesen murmelte: "Mann, ist doch ganz einfach, du musst eine Nacht im Zelt schlafen, wo du denkst, dass die Hütte sein soll, dann merkst du schon, ob der Platz gut ist", da sagt der befreundete Architekt: "Think about it this way - You've been hiking all day, it's getting late, und you're looking for a good campsite - just a comfortable, safe-feeling place to spend the night. That's your site."
Zu viel Theorie trübt manchmal den Blick auf das Naheliegende.
Dann werden Fundamente gegossen, ein Balkengerüst entsteht, mit Hilfe von Freunden wird der Dachfirst an Ort und Stelle platziert, während Pollan sich gedanklich mit dem Einfluss der Lingusitik auf die Architektur beschäftigt.
Gescheitert bin ich dann auf Seite 191, als Pollan sich fragt, ob er mit seiner Hütte postmodern ist.
Für meinen Geschmack hatte sich jetzt etwas zu viel Theorie um das "einfache" Gartenhaus aufgetürmt.
Das ohne Zweifel gut gelungen ist, wenn man das Coverbild anschaut.
Die von mir nicht gelesenen Kapitel behandeln den Einbau der Fenster, den Innenausbau und die Stromversorgung. Es folgen ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Sachregister.
Am lesenswertesten fand ich das neue Vorwort, in dem der Autor dieses Buch zwischen seinem ersten ("Second Nature") und seinem dritten ("The Omnivore's Dilemma) einordnet. Ich habe mich daran erinnert gefühlt, dass für Rock-/Pop-Bands das zweite Album auch oft das Schwierigste ist - selbst für die Besten.