Mein Tagebuch
Dienstag, 31. Juli 2007
Heute war ein sehr schrecklicher Tag für mich.
Von meinem Hausarzt erhielt ich nach einer Routineuntersuchung die Diagnose: Diabetes Zwei!
Ich musste mich sehr zusammen reißen, dass ich den Erklärungen des Arztes überhaupt folgen konnte.
Er befragte mich, ob ich starken Durst hätte, was ich verneinte. Ebenso hatte ich auch keinen Drang, ständig zur Toilette zu müssen.
ABER: Ich fühlte mich schon seit Monaten abgespannt und müde und konnte mir meine ständig wechselnden Depressionen nicht so richtig erklären.
In drei Wochen sollte ich wieder kommen und man wird mich auf Tabletten einstellen, sagte er mir beim Abschied.
Ich fragte ihn, was ich denn sonst machen könnte und er meinte, dass ich die Kohlenhydrate weg lassen sollte.
Die zwanzig Minuten Fußmarsch nach Hause ging ich wie in einem Nebel und ich war sehr schockiert.
Ich soll jetzt Diabetikerin sein!
Warum ich?
Ich sah die Menschen vor mir, die sich täglich Insulin spritzen mussten, und die ich immer darum bedauert hatte. Und jetzt sollte ich auch zu diesen Menschen gehören?
Immer noch geschockt setzte ich mich zu Hause an meinen PC und informierte mich, was Diabetes ist und wie es entsteht.
Als abends mein Mann nach Hause kam, hatte ich schon stundenlang darüber gelesen.
Ich wusste, dass am Anfang beim Diabetes 2 die Beschwerden völlig fehlen können und dass sich der Diabetes schleichend entwickeln würde.
Vor einem Jahr waren meine Blutwerte noch in Ordnung. Damals erzählte mir ein anderer Arzt, dass ich wohl nie an Diabetes erkranken würde, da ich sehr gute Blutwerte hätte.
Ich erinnere mich an das Sprichwort: Sage niemals nie!
Ich war so aufgewühlt, dass ich nicht zu Bett gehen konnte und setzte mich immer wieder an den PC und sah mir weitere Berichte im Google an.
Nach den Schätzungen der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) leiden weltweit 246 Millionen Menschen an Diabetes. Laut IDF steht Deutschland aktuell mit 7,4 Millionen Diabetikern auf Platz 5 im internationalen Vergleich.
90% von ihnen sind an Typ 2 erkrankt.
Bereits 2004 wurden 6,4 Millionen Menschen wegen eines Diabetes behandelt und 1,9 Millionen davon mussten Insulin spritzen.
Mittwoch, 01. August 2007
Ich hatte in der Nacht nicht gut geschlafen und ich fühlte mich sehr, sehr schlecht.
Direkt nach dem Frühstück, aber was heißt Frühstück, ich habe überhaupt nichts gegessen, setzte ich mich wieder an den PC um weiter zu lesen.
Man muss nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo man nachsehen kann um sein Wissen zu erweitern.
Was hatte mein Arzt gesagt? Ich solle die Kohlenhydrate weg lassen!
Was sind eigentlich Kohlenhydrate?
In einem Bericht las ich, dass Kohlenhydrate einfach gesehen „Zucker“ sind.
Ich wusste schon lange, und bestimmt viele andere Menschen auch, dass gerade Zucker für Diabetiker nicht gut ist.
Zucker ist Glukose und eigentlich das wichtigste Kohlenhydrat im Körper, welches die Energie liefert.
Essen wir Zucker, wird er in Glukose umgebaut, die gespeichert und verbraucht wird.
In dem Bericht erklärten sie, dass es unverdauliche und verdauliche Kohlenhydrate gibt.
Die unverdaulichen würden zu den Ballaststoffen gehören und die verdaulichen spalten sich im Darm auf, werden aufgenommen und gelangen anschließend über die Blutbahn zu den Zellen.
Wichtig für den Körper ist die gleich bleibende Versorgung mit Glukose. Diese Blutzuckerkonzentration wird reguliert von dem Hormon Insulin.
Die Kohlenhydrate findet man in pflanzlichen Produkten wie Nudeln, Reis, Brot (alle Getreideprodukte), Gemüse und Obst.
Ich habe den ganzen Tag damit verbracht, medizinische Berichte über Ernährung zu lesen und wusste immer noch nicht so richtig, was ich denn jetzt essen sollte.
Es waren ja überall Kohlenhydrate drin, außer in Fleisch.
Da wurde sogar behaupte: Dass man durch zu viele Kohlenhydrate Krebs bekommen konnte.
Mir fiel jetzt ein, dass ich in meiner Kindheit immer dieses Tischgebet:
„Vaterunser. Unser tägliches Brot gib uns heute…..“
beten musste und meine Mutter mit einem Messer auf der Rückseite des Brotes ein Kreuz einritzte, bevor sie es anschnitt.
Im Fleisch sind keine Kohlenhydrate drin, aber ich höre seit vielen Jahren, dass es nicht gut ist, viel Fleisch zu essen.
Und was soll ich jetzt essen?
Donnerstag, 02. August 2007
Heute ist mein 47. Geburtstag!
Und ich bin Diabetikerin!
Mein Gott, was für ein Drama, denke ich mir. Und ich denke auch an meine liebe Freundin Inge, die seit 10 Jahren diese Krankheit hat und dies so positiv meistert. Das gibt mir etwas Mut!
Diesen Geburtstag wollte ich nicht feiern. Der war jetzt gestrichen und ich sagte allen Freunden ab.
Ich durfte ja eh keinen Kuchen essen!
Stattdessen setzte ich mich wieder an den PC.
Irgendwie kam ich auf einen Bericht, wo behauptet wird, dass sich der Cholesterinspiegel erhöht, wenn der Mensch zu viele Kohlenhydrate isst.
Aber, wurde nicht immer behauptet, dass sich der Cholesterinspiegel durch zu viele Eier und tierische Produkte erhöht?
Je mehr ich las, umso mehr verwirrter wurde ich. Mir rauchte der Kopf.
Da gab es Berichte, dass man viel Vollkorn (auch Kohlenhydrate) und wenig tierische Fette und Fleisch essen sollte.
Diese Berichte waren die Gegner von den Berichten, in denen behauptet wurde, dass zu viele Kohlenhydrate im Getreide (Brot, Nudeln), Kartoffeln, Reis nicht gut seien.
Wie soll da ein Mensch noch durchblicken, der nicht Medizin studiert hat?
Wissenschaftler, Doktoren, Professoren hatten unterschiedliche Meinungen!
Jetzt war ich komplett durcheinander.
Freitag, 03. August 2007
Mein Gott bin ich froh, dass ich meine Freundin Renate habe. Sie wusste, dass es mir schon seit Monaten nicht gut ging, und als ich ihr gestern die Diagnose mitteilte, sagte sie zu mir, dass ich mich mit meiner Familie ins Auto setzen sollte und zu ihr ins Saarland kommen soll.
Ich erledigte alle Dinge, wie Koffer packen, Haushalt führen, Kochen in einem Nebel. Es gab mich gar nicht richtig, ich stand nur noch neben mir.
Als wir nach zwei Stunden Autofahrt in Fraulautern ankamen, nahm mich meine Freundin erst einmal in die Arme und drückte mich lange. Zur Entspannung fuhren wir zwei Frauen in ihrem großen Cabriolet durch das schöne Saarland.
Es tat gut, die Sonne auf meiner Haut zu spüren, den Wind in meinen Haaren zu fühlen und meine Freundin an meiner Seite zu wissen.
Sonntag, 05. August 2007
Heute war mein Hochzeitstag!
Und ich habe Diabetes!
Seit gestern esse ich keine Kartoffeln, Reis oder Nudeln mehr. Renate hat extra ganz anders gekocht und es hat, obwohl ich diese Beilagen weggelassen habe, köstlich geschmeckt.
Diese Tage mit ihr taten mir sehr gut und gaben mir neue Energie. Und so fuhren wir Sonntagabend wieder zurück nach Hause.