Als Pitty eines Tages in Rickfield auftaucht, weiß zunächst niemand der Einheimischen etwas mit ihr anzufangen und keiner kennt das rätselhafte, hübsche Mädchen. Oder vielleicht doch? Und was ist mit dem Pickup, der plötzlich zwischen zwei Bäumen parkend auftaucht und seit Jahren verschwunden war, wer um Himmels Willen hat ihn dort einparken können und warum schlief Pitty in dem Wagen?
Nach und nach dringen die Bewohner von Rickfield in ihren Erinnerungen an die Vergangenheit bis zu einer unangenehmen Wahrheit vor und diese ist tödlich. Vor einiger Zeit nämlich starb jemand aus ihrer Mitte auf rätselhafte Art und Weise und die Beschäftigung mit der Vergangenheit und die Anwesenheit von Pitty bringen die Menschen zum Nachdenken und zum Reden, was sie damals nicht getan haben. Und so lichtet sich der Nebel der Verschwiegenheit und Stück für Stück kommt den Rickfieldern etwas entgegen, das gewaltig groß und unfassbar ist.
"Pittys Blues" ist die fesselnde und faszinierende Geschichte einer nicht ganz freiwilligen Suche nach der Wahrheit, die zwar unbequem ist, aber auf jeden Fall ans Licht muss. Das ist deutlich für alle spürbar und so werden Widerstände aufgegeben, die jahrelang etwas verschleiert haben, dass nun mit Macht in das Bewusstsein der Einwohner von Rickfield dringt.
Eines ist auf jeden Fall sonnenklar, Julia Gäbel, die junge deutsche Autorin, die hier ihren ersten Roman vorlegt, hat ihn, den Blues. Sanft und doch unnachgiebig führt sie mit stilistischer Bravour durch das Gestrüpp von Vergessenem und Verschwiegenem und als Pitty die Stadt nach drei Tagen verlässt, ist die Wahrheit ausgesprochen, ist sie der Liebe begegnet und ist mit Julia Gäbel ein literarisches Talent hervorgetreten, dass man sich merken muss.
Eine wunderbar stille Geschichte voll innerer Kraft!