*Meine Geschichte ist eine Geschichte des Wahnsinns. Dabei hielt ich mich seinerzeit nicht im Entferntesten für wahnsinnig, nicht einmal für leicht gestört. In der Tat, ich betrachtete mich als aufrechten, hart arbeitenden Bürger, respektiert von den Kollegen, immer eine freundliche Begrüßung auf den Lippen. Das, was man gemeinhin als enge Freunde bezeichnet, gab es nicht, doch hätte es sie gegeben, sie hätten in mir einen umgänglichen, durch und durch angenehmen Zeitgenossen gesehen. Insofern unterschied ich mich nicht von Tausenden anderer gefährlicher Schizophrener ...
Wenn ich jetzt, fast zwanzig Jahre später, daran zurückdenke, kommt es mir irgendwie lustig vor, obwohl es mit Sicherheit nicht zum Lachen ist. Der Tod eines unschuldigen Menschen ist niemals zum Lachen. Doch wenn man bedenkt, was heutzutage als normales Verhalten durchgeht, in den Reality-Shows im Fernsehen und bei den üblichen Verdächtigen, die sich als Promis ausgeben, in den zwischenmenschlichen Wegwerf-Beziehungen, die manipuliert, ausgebeutet und dann entsorgt werden wie Lottoscheine von letzter Woche, dann war ich wahrscheinlich auf eine bizarre Art und Weise meiner Zeit voraus ...*
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Zum Autor: Buddy Giovinazzo wurde 1960 in den USA geboren. Er ist Autor und Filmemacher und lebt wechselweise in Los Angeles und Berlin. In Deutschland ist er bekannt geworden durch Regiearbeiten und Drehbücher für Serien wie "Tatort", "Polizeiruf 110" und "Wilsberg".
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Zum Inhalt: Der Universitätsdozent für Fotografie, James Gianelli, ist abgesehen von seiner starken Eifersucht und seiner anderenseits immensen Zuneigung zu seinen Studentinnen, ein ganz normaler Mann. Doch dann will ihn seine derzeitige Freundin Karen, seine große Liebe, plötzlich verlassen. Alles staut sich auf und der ohnehin psychisch labile James bekommt einen psychotischen Anfall. Als er wieder zu sich kommt, hat er einen totalen Blackout. Und das schlimmste ist: Er wacht neben ihrer Leiche auf, die deutliche Würgemale am Hals vorweist. Und sofort ist für James Gianelli klar: Hier kommt nur ein Mann als Täter in Frage - und dieser Täter ist er selbst. Demtentsprechend entsorgt er ihre Leiche und ihr Auto an einem entlegenen Pier. Ihren Freunden erzählt er, dass er keinerlei Ahnung hat, wo sie abgeblieben ist. Und es scheint so, dass er mit dieser Lüge sogar durchkommt.
Etwas später: Auf einem seiner Streifzüge mit dem Fotoapparat beobachtet James, wie vier Männer die Leiche einer ermordeten Prostituierten aus dem Meer bergen. Er fotografiert das Geschehen. Kurz darauf taucht der Geist der Ermordeten bei ihm auf. Natürlich weiß Gianelli zwar, dass Dominique nur ein Geist ist, seien kann, aber sie ist auch ab sofort die Frau seiner Träume. Denn im Gegensatz zu seinen vorherigen Freundinnen widerspricht sie ihm nicht, never. Er kann sie ganz nach seinen Wünschen formen und sie wird ihn auch niemals für einen anderen Mann verlassen. Sein ganzes Leben scheint durch die neue Frau ungeahnte Dimensionen anzunehmen.
Aber auch ein Geist ist nicht vollkommen willenlos ...
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Fazit: Der Autor Buddy Giovinazzo haucht dem klassischen Noir-Genre neues Leben ein. Und das entgegen aller Trends oder Genre-Konventionen. Er überrascht, denn seine Protagonisten sind nicht, wie man erwarten könnte, Gangster, Dealer und Junkies. Nein, ein angesehener Universitätsdozent für Fotografie betritt die Szene. Eines aber bleibt: Im Grunde drehen sich Giovinazzos Geschichten immer um die Liebe. Auch wenn das dumpfe Gefühl bleibt, dass die Liebe in Zeiten, in denen Armut und Verzweiflung weltweit zunehmen, eher ein Auslaufmodell ist.
Ein höchst bemerkenswerter, uneingeschränkt empfehlenswerter Kriminalroman aus dem Bereich Noir.
Lesen !!
[Reinhard Busse]