Erst wenn man dieses Album kennt, weiß man wieviel Suzanne Vega Rickie Lee schuldet. Nicht nur die Strukturen der Songs, auch der flow, die Art zu singen und vor allem die Atmosphäre hat sich Vega sehr stark angeeignet.
,Pirates' ist wie ein Sommerbrise, die leicht und angenehm die Haut kühlt. Das soll aber nicht bedeuten, daß diese Platte eine ,Lüfterl' ist. Trotz aller Leichtgkeit ist das höchst anspruchvoller Pop, der oft von der Jazz-Harmonik kommt. Und auch wenn Jones damals der Makel anhaftete eine billigere Kopie von Joni Mitchell zu sein, so unterscheidet Sie sich doch stark von dieser, alleine schon was die Eingängigkeit der Songs anlangt - was nun nicht heißt, daß man diese schon nach dem ersten Hören mitsingen könnte. Auch diese Platte muss wachsen, aber Jones macht es einem leicht Sie immer wieder hören zu wollen.
,Living It Up' bleibt dank seiner hook sofort hängen und der funky swingende good-time song ,Woody And Dutch On The Slow Train To Peking' sowieso - da will man gar schon aufspringen und tanzen. Auch ,Lucky swingt, daß es nur so eine Freude ist und der Titelsong klingt dann wie ein Steely Dan track, dem man die Blasierheit und den Snobismus ausgetrieben hat. Wie ein missing link zwischen Becker und Fagen und den McDonald Doobies. Auch bei den anfanglich sperrigeren songs wie ,Traces Of The Western Slopes' schafft Sie es den Hörer immer wieder mit überraschenden Wendungen zu fangen - seies es nun Tempo- Rhythmus oder Stimmungswechsel, es bleibt immer interessant. Ganz zum Schluß wird's dann ein wenig melancholisch, aber Jones schafft es mit ihrer Melodieführung spielend ,The Returns' nicht zu kitschig werden zu lassen.
Vielleicht ist Mitchell anspruchsvoller - Sie ist aber auch verkopfter und macht es einem schwerer als Jones. Und die wunderbar zeitlose Produktion dieser Scheibe ließ Sie keinen Tag altern. Ging damals, geht heute und wird auch noch in 30 Jahren gehen. Viele halten Jones' Debut für ihr magnum opus, dabei klingt ,Pirates' eigentlich viel stimmiger und geschlossener und ist kompositorisch mindestens genauso gut.