ist - zumindest für mich - das erste, was beim inzwischen vierten Teil der "Pirates" auffällt. Der Anfang hat ein deutlich langsameres Tempo als die ersten Filme, das erst nach und, dafür aber stetig, anzieht. Obwohl immer noch reichlich Action-Szenen vorhanden sind, wird diesmal mehr Wert auf Dialog gelegt und der Slapstick der ersten Filme ist stark gedämpft - Humor kommt nicht zu kurz, aber gerade Depps Darbietung ist subtiler und nicht mehr so überdreht wie vor allem im zweiten und dritten Teil der Reihe.
Man kann sagen, dass "Pirates of the Carribean" erwachsen geworden ist. Die Farben sind weniger grell, die Charaktere ausgefeilter und statt der sicherlich sehr netten, aber doch eher zuckrigen und spätestens in Teil 3 nervigen Liebesgeschichte sind die romantischen Momente etwas ungewöhnlicher gestaltet und lenken weniger von der Handlung ab. Statt dessen liegt der Schwerpunkt nun auf politischen Intrigen und der ganz speziellen Dynamik zwischen Sparrow und Barbossa (Geoffrey Rushs Spiel ist in den ersten Szenen etwas gewöhnungsbedüftig, aber im weiteren Verlauf erreicht er alte Form). Penelope Cruz und Depp geben ein gutes Leinwand-Paar ab, das Witz und Romantik in der Balance hält und in den ruhigeren Momenten des Films für Unterhaltung sorgt. Außerdem bilden sie einen guten Kontrast zu der sich in einem Nebenhandlungsstrang entwickelnden Beziehung zwischen einem jungen Priester in der Sinnkrise und der von Blackbeard (sehr schön als klassischer Bösewicht angelegt) gefangenen Meerjungfrau. Am beeindruckensten waren für mich allerdings die Meerjungfrauen: statt eines Über-Monsters wie in Teil 2 oder gleich ganzer Horden von Fisch-Menschen oder Untoten, die zwar erstmal recht effektiv, aber letzlich doch ziemlich abgedreht waren, sind die Meerjungfrauen hier wirklich furchterregend. Zum einen, weil man kaum etwas über sie erfährt und sie eine Art misteriöse Bedrohung bleiben, zum anderen, weil sie mit ihren ruckartigen Bewegungen und einer Ästhetik, der fern jedes süßlichen Disney-Klischees liegt, tatsächlich eine unmenschliche Qualität haben, die viel gruseliger ist als die bisherigen Monster.
Zusammengehalten wird der (erfreulicherweise diesmal weder überlange noch mit einem Cliffhanger-Ende versehene) Film natürlich von Johnny Depp als Jack Sparrow, aber das dürfte langsam selbsverständlich sein. Schön ist, dass mit dem vierten Teil seine Darstellung nicht mehr alleine den Film tragen muss, sondern, ähnlich wie im ersten Teil, wieder von einer straffen Handlung unterstützt wird.
Alles in allem ein Film der nicht versucht, die letzten Teile noch an Tempo, verwirrenden Nebenhandlungen und Bombast zu überbieten, sondern sich wieder auf die Qualitäten des Anfangs besinnt. Immer noch aufwendig und mit jede Menge Wendungen, aber weniger laut.