Aus der Amazon.de-Redaktion
Radio, das war in Deutschland öffentlich-rechtlich. Glücklich konnte sich schätzen, wer in südlichen Gefilden den amerikanischen Soldatensender AFN oder im Norden sein britisches Gegenstück BFBS empfangen konnte. AFN und BFBS, da waren die Moderatoren locker -- und die Sendungen waren witzig. Jawohl: Witzig! Bei deutschen Radiosendern hatte man früher schließlich oft das Gefühl, es sei ein Witzverbot verhängt worden!
Einer der ersten deutschen Moderatoren, der das angelsächsische Konzept erfolgreich auf deutsche Wellen übertragen hat, war Thomas Gottschalk. Kein Wunder, dass er sein Spielfilmdebüt in einem Werk gegeben hat, das sich ganz und gar ums Radio drehte: Piratensender Powerplay.
Zu sehen ist Gottschalk in diesem Film ausgerechnet als Moderator eines Piratensenders, der im Süden der Republik mit lockeren Sprüchen und cooler Musik dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk das Leben schwer macht. Nun ist das, was er und sein Freund Mike (Mike Krüger) machen, absolut illegal. Es ist aber auch erfolgreich. Und so ist schon bald die halbe bayerische Staatsmacht hinter den beiden Frohnaturen hinterher.
Auch für Mike Krüger stellte dieser Film sein Debüt vor der Kamera dar. Ob man das, was die beiden Recken in diesem Lichtspiel treiben, jedoch Schauspiel nennen darf, darüber sollte man ernsthaft diskutieren. Ihre Auftritte wirken gestelzt und wenig originell. Es fehlt den beiden Jungs ganz einfach jene Ausstrahlung, mit der sie, der eine als Radiomacher, der andere als Bühnenkomiker, bekannt geworden sind.
Inszenatorische Schwächen, die Piratensender Powerplay den Look eines 70er-Jahre Schlagerfilmes verpassen, sorgen dafür, dass dieses immerhin 1983 entstandene Lustspiel selbst für 80er-Jahre-Nostalgiker nicht viel her gibt. Für jene, die Zeitkolorit suchen, für die geben andere Krüger/Gottschalk-Filme, wie Zwei Nasen tanken Super, eindeutig mehr her. --Christian Lukas
Amazon.de DVD-Bewertung
Video Jakob Kurzinhalt
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Zugegeben, dieser Film ist technisch ein Desaster. Powerplay-Freunde alter Tage dürfen sich aber an einem beispielhaftem und juxig-informativem Interview mit Mike Krüger und einem wenn auch geschnippelten Film alter Tage erfreuen, der einfach ein DANEBEN nicht so ganz verdient hat. Aber der mahnende Finger weist Richtung Marketingfilm, die lieber den Originalsoundtrack hätten lizensieren sollen. Übrigens spricht Krüger auch eine kurze Einleitung vor dem Hauptfilm. In Anbetracht dieses und nachfolgender Titel hat der Indie Marketingfilm zwar noch einen weiten Weg zum Qualitätsanbieter vor sich, jedoch potenzielle deutsche Titel mit gewissem Kultanspruch in seinem Portfolio.
Bild: Die 20 Jahre alte Klamotte aus der privatfernsehlosen Zeit leidet unter erheblicher Unschärfe und Kontrastmängeln. Die Farben sind an vielen Stellen über die Jahre hinweg ausgeblichen. Kanten werden nur sehr weich gezeigt und Details bleiben weitgehend auf der Strecke. Man muß hier zu Gute halten, daß das Quellmaterial in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein muß und die zu erwartenden Absatzzahlen eine immerhin gut 5-stellig kostende Abtastung keinesfalls rechtfertigt. Die Kompression wurde recht anständig gesetzt und zeigt eine akzeptable Rate an Artefakten.
Ton: Hoppla, was ist denn hier passiert? Für einige der fetzigen Rocktitel, die einiges vom Charme der Klamotte ausmachten, scheint die Lizenz abgelaufen zu sein, denn man hat diese kurzerhand gegen andere Songs ausgetauscht. Damit die Anmoderation von Gottschalk wieder hinhaut, hat man einfach einen Synchronsprecher Tommys Part mit neuem Song sprechen lassen. Dies ist allerdings sehr bescheiden gelungen und dürfte genau die Kundschaft verprellen, die doch diesen Schinken noch unter anderem wegen des klasse Soundtracks in guter Erinnerung haben. Der Monosound ist recht rauscharm und bietet in den Originalparts ausreichend Volumen, um dem für Monoton zulässigen Höchstrahmen von 4 Punkten zu rechtfertigen. --movieman.de