Aus der Amazon.de-Redaktion
Begonnen hat die Geschichte des stärksten Mädchens in der Kinderliteratur damit, daß die kleine Tochter von Astrid Lindgren krank im Bett lag und ihre Mutter darum bat: "Erzähl mir was von einer Pippi Langstrumpf."
Und so entstand Pippi, das außergewöhnliche Mädchen mit den beiden lustig abstehenden roten Zöpfen, den verschiedenen Strümpfen und dem selbstgenähten Kleidchen. Ihre Mutter ist ein Engel im Himmel und ihr Vater als Negerkönig sehr beschäftigt, doch trotzdem ist sie zusammen mit Herrn Nilsson, dem Affen und ihrem Pferd Onkel, das sie notfalls auch von der Veranda trägt, niemals allein in der Villa Kunterbunt.
Unvergeßlich ihre praktische, unkomplizierte Art den Fußboden zu wischen. Sie bindet sich einfach zwei Scheuerbürsten an die Füße, leert einen Eimer Wasser auf den Boden und wild spritzend wird sie zur Schlittschuhprinzessin.
Ihren Freunden, den Nachbarskindern Annika und Thomas ist es, nachdem sie Pippi kennen, nicht mehr langweilig. Mit ihr zusammen spielen sie ganz neue Spiele, wie zum Beispiel Sachensucher oder sie trinken Kaffee hoch oben in den Bäumen und übernachten auf unbewohnten Inseln. Pippi hat ständig eine gute Idee und von Erwachsenen oder Polizisten läßt sie sich nicht einschüchtern.
Nur bei ihrer Berufswahl ist sie noch etwas unsicher. Sie schwankt zwischen "feiner Dame" und Seeräuber. Eines will sie ganz bestimmt nicht: Niemals möchte sie erwachsen werden, denn "große Menschen haben niemals etwas Lustiges. Sie haben nur einen Haufen langweilige Arbeit und komische Kleider und Hühneraugen und Kumminalsteuern". Recht hat die kleine Göre. --Manuela Haselberger
Buch der 1000 Bücher
Pippi Langstrumpf
OT Pippi Långstrump; Pippi Långstrump går om bord; Pippi Långstrump I Söderhavet OA 1945; 1946; 1948DE Pippi Langstrumpf,1949; Pippi geht an Bord, 1950; Pippi in Taka-Tuka-Land, 1951Form Kinderroman Epoche Moderne
Die Geschichten stellen die Abenteuer um das rothaarige Mädchen Pippi Langstrumpf dar und realisieren auf fantasievolle Art die kindliche Verweigerung der Erwachsenenwelt.
Entstehung: Im Herbst 1941 wurde Karin, die siebenjährige Tochter von Lindgren, krank und bat ihre Mutter, Geschichten von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Den Namen hatte sie erfunden. Lindgren erfand abenteuerliche Geschichten und schrieb sie auf.
Inhalt: Thomas und Annika, zwei wohlerzogene Kinder, lernen Pippi Langstrumpf kennen, die mit einem Affen, einem Pferd und einem Koffer voller Gold in die benachbarte Villa Kunterbunt gezogen ist. Sie ist die Tochter des Kapitän Langstrumpf, mit dem sie zur See gefahren ist, bis dieser von einem Sturm ins Meer geweht worden war. Pippi ist sich sicher, dass er inzwischen ein Inselkönig geworden ist, während ihre Mutter bereits tot ist.
Thomas und Annika freunden sich mit Pippi an und erleben zahlreiche Abenteuer mit dem Mädchen, das nicht gern in die Schule geht, aber stärker als jeder Polizist ist. Im Gegensatz zu Thomas und Annika hat Pippi vor nichts Angst, ist unangepasst und tut stets, was sie will. Dass sie ein guter Mensch ist, beweist sie den Erwachsenen, indem sie zwei eingeschlossene Kinder aus einem brennenden Haus rettet.
Pippi geht an Bord, der zweite Band, setzt die Abenteuer in der kleinen Stadt fort, bis Pippis Vater, der König von Taka-Tuka-Land, kommt, um seine Tochter abzuholen. Sie entschließt sich jedoch, in der Villa Kunterbunt und bei Thomas und Annika zu bleiben.
Im dritten Band macht Pippi mit Thomas und Annika eine Reise nach Taka-Tuka-Land, das kleine Inselkönigreich ihres Vaters, das sie, gemeinsam mit den Kindern der Insel, gegen die beiden Banditen Jim und Buck verteidigen. Zurückgekehrt in die Villa Kunterbunt, fasst Pippi den Entschluss, niemals groß zu werden.
Struktur: Die Abenteuer der Kinder werden in einer zwanglosen Art und Weise erzählt, ohne wertende Kommentare der Erzählerin. Mit Pippi Langstrumpf entstand erstmalig eine nicht autoritäre Kinderliteratur, die in vielerlei Hinsicht neu war. Kinder wurden nicht nach dem Bild der Erwachsenen geprägt oder gelenkt, es sollen keine sittlichen Werte Erwachsener vermittelt werden. Lindgren lässt Kinder sie selbst sein, mit ihren zweckfreien Spielen, ihren Fantasien und ihren Auseinandersetzungen mit Erwachsenen. Einen großen Einfluss haben dabei die Kinderbücher von Erich R Kästner ausgeübt.
Wirkung: Die drei Pippi-Langstrumpf-Bücher gaben Anlass zu heftigen Diskussionen. Kritiker disqualifizierten das Werk als schlechtes Vorbild, vielfach wurde es als Angriff auf die Gesellschaft bezeichnet. Das Buch wurde dennoch ein großer Erfolg, zunächst in Schweden, bald darauf weltweit, auch wenn es immer wieder kritische Stimmen zur unkultivierten, frechen Heldin des Buchs gab, die zu einer Symbolfigur des aufgeweckten, fantasievollen Kindes wurde. Bei seinem Erscheinen in Deutschland fiel Pippi Langstrumpf 1949 auf den fruchtbaren Boden der Nachkriegsgesellschaft, die auf der Suche nach neuen Werten und Idealen war. Doch auch hier war Pippi Langstrumpf ein lange Zeit umstrittenes Buch.
Zwischen 1968 und 1970 entstanden vier Filme, zu denen Lindgren die Drehbücher schrieb. Die Handlung unterscheidet sich zum Teil erheblich von der Buchvorlage. Inger Nilsson verkörpert eine Pippi Langstrumpf, die das Erscheinungsbild des starken Mädchens seither bestimmend prägt. St. N. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Kurzbeschreibung
Klappentext
"Die Schweden haben uns mit dieser Pippi Langstrumpf die echteste, hinreißendste, fröhlichste Gestalt geschenkt, die wir in der Kinderliteratur kennen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Autorenporträt
Auszug
Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrlosten Garten. In dem Garten stand ein altes Haus, und in dem Haus wohnte Pippi Langstrumpf. Sie war neun Jahre alt, und sie wohnte ganz allein da. Sie hatte keine Mutter und keinen Vater, und eigentlich war das sehr schön, denn so war niemand da, der ihr sagen konnte, daß sie zu Bett gehen sollte, gerade wenn sie mitten im schönsten Spiel war, und niemand, der sie zwingen konnte, Lebertran zu nehmen, wenn sie lieber Bonbons essen wollte. Früher hatte Pippi mal einen Vater gehabt, den sie schrecklich lieb hatte. ja, sie hatte natürlich auch eine Mutter gehabt, aber das war so lange her, daß sie sich gar nicht mehr daran erinnern konnte. Die Mutter war gestorben, als Pippi noch ein ganz kleines Ding war, das in der Wiege lag und so furchtbar schrie, daß es niemand in ihrer Nähe aushalten konnte. Pippi glaubte, daß ihre Mutter nun oben im Himmel sei und durch ein kleines Loch auf ihr Kind runterschaue, und Pippi winkte oft zu ihr hinauf und sagte: "Hab keine Angst um mich! Ich komm schon zurecht!" Ihren Vater hatte Pippi nicht vergessen. Er war Kapitän und segelte über die großen Meere,......