Um es vorweg zu sagen, das Gerät ist gewöhnungsbedürftig, die Bedienungsanleitung eine Zumutung und der Service von Pioneer eine Frechheit. Dennoch ist das Gerät empfehlenswert.
Der Reihe nach. Die Bedienungsanleitung hat in deutscher Sprache 228 Seiten und muss aus dem Internet geladen werden. Es gibt kaum eine Erklärung, in der nicht auf ein anderes Kapitel verwiesen wird (Einzelheiten siehe Seite ...), folgt man dem Verweis wird wiederum auf anderes verwiesen usf., in sich sicher logisch aber schwer zu lesen! Zudem muss man sich die Passagen ausdrucken oder eine Laptop mit ins Auto nehmen. Das ist alles nicht erfreulich aber richtig ärgerlich wird es wenn bestimmte Menüpunkte auf den 228 Seiten nicht erwähnt werden. Dazu gehört die Einspielung von POIs, die über das Menü 'Einstellungen Gefahrenschwerpunkte' möglich ist. Diese Menü gibt es laut Anleitung gar nicht! Der Anruf bei der Hotline ist sinnlos, ein Mail wurde damit beantwortet ich möge mich an den Händler wenden. Geholfen hat schließlich ein Diskussionsforum im Internet. Blitzer lassen sich über den Umweg pioneer.uk kostenlos abonnieren, sind aber auf 8000 POI limitiert (also z.B. D-CH-A). Da dies ohnehin illegal ist sollte darauf aber verzichtet werden, es gibt bessere Lösungen. Wer dazu Fragen hat möge mir ein Mail senden.
Das Gerät selbst kann sich in den ersten Tagen nicht selbst lokalisieren, es wähnte sich mehrere hundert Meter vom tatsächlichen Standpunkt entfernt. Auch nach Tagen wurden noch 60 Meter zu einem Kreisverkehr angezeigt, den man schon verlassen hatte. Das Gerät ist folglich als Navi ca. eine Woche unbrauchbar und sollte für die Lernphase in einer bekannten Gegend verwendet werden. Allmählich lernt es aber sich zu orientieren und kann dann auch vernünftige Routen berechnen. Inzwischen (nach 4 Wochen) stimmt es auf den Meter genau, es kann jetzt was ein billiges Medion Navi vom ersten Tag an kann, bravo.
Dennoch hat die Navi-Bedienung auch dauerhafte und nicht abstellbare 'Probleme': Will man beispielsweise einen Ort nur anfahren ohne dort eine Adresse zu kennen, dann gibt es üblicherweise den Begriff 'Stadtmitte' anstelle einer Straße. Nicht bei dem Pioneer, hier muss der Weg über die POI's gewählt werden und dann die Unterpunkte Umgebung-Kommunales-Stadtmitte (was zudem Scrollen des Touchscreens erfordert).
Der Audio-Teil ist über jeden Zweifel erhaben, es funktioniert alles (auch über das IPhone) und ist hübsch animiert, der Klang ist sehr gut. Der Touchscreen zur Auswahl der Titel funktioniert nur mittelmäßig, aber die Menüs sind brauchbar.
Warum am Pioneer kein Weg vorbeiführt? Ich benutze das Gerät in einem MX5 C Roadster, für den es von Mazda auch als Zubehör angeboten wird. Es ist um Welten besser als das originale Mazda-Radio und fügt sich als Doppel-DIN-Gerät ins Armaturenbrett perfekt ein. Am wichtigsten fürs offene Fahren: Auch bei Sonne ist der sehr gute Bildschirm noch einigermaßen leserlich. Und es macht auch Spaß und übertrifft deshalb Geräte wie das VW 310/Skoda Amundsen in unserem Yeti bei weitem.
Ein Nachtrag
Da es mehrfach Anfragen zu meinem Kommentar gab hier noch eine Ergänzung: Wir haben uns bei einer Tour über die Pässe der Alpen für fast 2500 Kilometer vom Pioneer den Weg zeigen lassen. Die prinzipiellen Nachteile des Navis haben sich dabei bestätigt, die Routenplanung sollte immer mit einer Karte überprüft werden. Die Eingabe Priorität "kurz" ist nicht empfehlenswert (ausgenommen für kompakte SUV), "Hauptstrassen" schließt kleine Nebenstraßen ein, Autobahnen wurden bei uns berücksichtigt. Bei der Zielführung über Etappenziele muss das Stadtzentrum tatsächlich angefahren werden oder die Zielführung unterbrochen werden (nur machen Etappenziele dann keinen Sinn). Folglich sind nur kurze Etappen anhand einer Karte sinnvoll, aber das funktioniert dann zufriedenstellend. Die automatische Umstellung der Karte auf eine Großgrafik an Kreuzungen oder Kreisverkehren ist sinnvoll, bei unübersichtlichen Vielfach-Kreuzungen hilft es aber kaum, dann benötigt man die konventionellen Hinweisschilder auf der Straße. In Großstädten verliert das Gerät gelegentlich seinen Standort, findet ihn aber meist nach einigen Minuten wieder. Falls nicht, das hatten wir in Zürich, half auch das Ausschalten der Zündung nichts (das Gerät hat keinen Ausschalter). Die Zielsuche mit Hilfe der angebotenen POI ist ein Scherz, selbst in unmittelbarer Nähe von Tourismusattraktionen werden diese nicht erkannt und 100 Kilometer entfernte angeboten. Sehr gut ist hingegen die zoombare 2D-Kartendarstellung, sie zeigt zuverlässig den Kurvenverlauf auf Pässen an, das ist - in Kombination mit sehr genauer Eigenortung - schlicht sensationell! Auch das Display hat überzeugt, selbst bei Sonne lässt es sich noch einigermaßen erkennen. Insgesamt also viel Schatten, aber auch einiges Licht. Und für Roadster gibt es vermutlich kaum eine Alternative.