Kurzbeschreibung
Karl-Heinz Drescher ist 1962 als frischgebackener Hochschulabsolvent in das Berliner Ensemble eingetreten, nicht nur, um im Wechsel mit den jeweiligen Bühnenbildnern Aufführungsplakate zu entwerfen, sondern um als Hausgraphiker für alles zuständig zu sein, was mit graphischer Werbung zu tun hatte, von Programmheft und Besetzungszettel bis zur Außenwerbung in Gestalt großer Aushängetücher.
Drescher hat als Plakatgestalter einen eigenen Duktus entwickelt. Nicht die freie graphische und malerische Komposition war sein Feld, sondern die Montagearbeit mit Schrift und Bild; dabei gelangen ihm - ein großer Bildband über "Die Plakate des Berliner Ensembles" zeigt es - immer wieder exemplarische Lösungen. Aber dies war nur die eine Seite seiner beruflichen Selbstverpflichtung; die andere bezeichnet der Titel seiner Erinnerungen auf humoristisch-diminutive Weise: "Pinselknecht bei Brecht". Das meint: an dem von Brecht gegründeten und bis heute von ihm zehrenden Theater.
Diese Erinnerungen sind ein Erfahrungsbericht aus kleinen, leichthändig auf den Punkt gebrachten Geschichten und Geschichtchen, Porträts und Anekdoten. Was Drescher auszeichnet und was heute, im Zeitalter des Outsourcing und des computergesteuerten Designs immer mehr verlorengeht: eine Handwerksfreudigkeit, der keine Arbeit zu gering ist, um ihr nicht die bestmögliche Fasson zu geben, sehen wir im Widerspiel mit dem Theaterbetrieb, der diesem wachen Beobachter immer neuen Stoff liefert. Wenn Paul Dessau nach der wider Erwarten geglückten "Coriolan"-Premiere den Kopf der Intendantin bei der Nachfeier in eine Basstuba tunkt und mit Sekt überschüttet oder wenn der Hausgraphiker als Statist einer Schlacht-Szene den Schild vergisst und ungeschützt eins übergebraten bekommt - in diesen und anderen Momentaufnahmen scheint das Innenleben einer Truppe auf, die an ihrem Graphiker einen ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht hatte, einen Fixpunkt der Gelassenheit und Solidität, in dessen gastfreiem Atelier das Karussell der Eigenheiten und Eitelkeiten vorübergehend zum Stillstand kam. Solange es Theater als Lebens- und Produktionsform gibt, werden sich seine Teilhaber in diesen Geschichten wiedererkennen.
Über den Autor
Karl-Heinz Drescher geboren am 7. Oktober 1936 in Quirl im Riesengebirge - 1955 Abitur in Neustadt an der Orla in Thüringen - 1955–1960 Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein Halle (Saale), (Fachrichtung Gebrauchsgraphik bei Prof. Walter Funkat) - 1960–1962 freischaffend in Halle (Saale) tätig - 1962–1999 am Berliner Ensemble als Theatergraphiker engagiert - Arbeit auf den Gebieten Plakat, Buch, Ausstellungen - verstorben am 19. Mai 2011 in Berlin seit 1962 Beteiligung an Ausstellungen im In- und Ausland „Beste Plakate des Jahres“ Kunstausstellung der DDR, Dresden; „Visuell“, Ausstellungen der Gebrauchsgraphiker des Bezirks Berlin; Plakatbiennale Warschau, Lathi, Brno, Cartel; Plakatausstellungen der DDR in zahlreichen Ländern; Plakatausstellungen des Berliner Ensembles auf seinen Gastspielreisen nach Venedig 1966, Moskau, Leningrad 1968, Warschau 1970, Paris, Tblissi 1971, Sofia 1973, Bergen 1974, Iasi, Brasow, Bukarest 1976, Jerusalem 1988, Wien, Amsterdam, Edinburgh 1993, Bukarest 1995, Istanbul 1997. In Sammlungen vertreten Akademie der Künste Berlin – Brandenburg Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus Deutsches Historisches Museum Berlin Kunstbibliothek Berlin Berlin – Museum (Theaterabteilung) Niederrheinisches Plakatmuseum Emmerich Verband Deutscher Designer, Berlin Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Kleines Plakatmuseum Bayreuth Musée d’histoire contemporaine, Paris Sammlung Tini und Erdmut C. August Sammlung Ekkehard Schall Archiv der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle (Saale) Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn