Es gibt nicht viele Platten, die einen in den Sessel drücken oder überreden, den Tag vielleicht doch im Bett zu verbringen.Nur ein Jammer, dass man dafür einerseits zu lange warten musste oder das Resultat viel zu knapp ist. Weezer erfüllte seinerzeit beide Mankos und lieferten nichts desto Trotz ihr wohl bestes, subtilstes und atmosphärisch bezaubernstes Album ab. Vergleiche zum Vorgänger sind überflüssig, fast untersagt, denn was die Mannen um Rivers Cuomo mit Pinkerton geschaffen haben ist Poesie für das Ohr, als auch für das Auge. Das beginnt bereits mit dem fulminanten Holzschnitt des japanischen Künstlers Hokusai, dessen Werk das Cover ziert. Es scheint, dass das Land der aufgehenden Sonne einen tiefen Einfluss sowohl auf die Aufmachung als auch das Songwriting hatte. Schließlich besingt Cuomo mit seiner einnehmenden Stimme die Erlebnisse mit japanischen Fans und hin und wieder vernimmt man auch die Stimme einer japanischen Dame, die zu Beginn eines Stücks leise in das Ohr des Zuhörers flüstert. Die Produktion ist rauher und subtiler geworden, die Stücke an sich härter, abwechslungsweise melancholisch beschwingend und filigran, zum Greifen nah. Bis auf die vollkommen übertriebene Kürze von 10 Songs stimmt alles. Cuomos Texte sind wie aus dem Leben gegriffen, lassen einen schmunzeln aber auch nachdenklich und traurig werden.Das nach einem Höhepunkt oft ein retardierendes Moment folgen kann, zeigte sich an den nachfolgenden Platten, die nicht schlecht sind, jedoch nicht mehr an das anknüpfen konnten, was mit Pinkerton geschaffen wurde.Vielleicht war das auch nicht die Intention. Vielleicht wollten Weezer einfach nur beweisen wie mannigfaltig sie sind. Da auf Pinkerton die Hits à la Buddy Holly oder die vom letzten Album Maladroit ausgekoppelte Single Keep Fishin' fehlten, fand es nicht den Anklang wie es das Blaue Album 1994 hatte. Vielleicht kann man die Musik Weezers mit der Malerei vergleichen. Nach einer blauen,stimmungsvollen Periode folgt die dunklere, depressivere und an Genialität kaum zu überbietende Periode, die zwar nicht jeden anspricht, dennoch den Menschen, der ein Auge dafür hat in dieser Periode auch etwas Schönes zu erkennen, zufrieden in sein Bett sinken lässt.Man kann nicht alles haben, doch manchmal genügt wenig um glücklich zu sein.