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Pink Moon: Roman
 
 
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Pink Moon: Roman [Gebundene Ausgabe]

Frank Goosen
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Als Felix Nowak seinen Vater zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, ist dieser schon seit 19 Jahren tot. Zumindest glaubt das der Protagonist in Frank Goosens Pink Moon -- weil es ihm von der Mutter zu seinem 18. Geburtstag so erzählt worden ist. Aber es stimmt ja so einiges nicht in seinem Leben -- was mit dem Vornamen beginnt. Denn Felix Nowak ist keineswegs jener Glückliche, auf den seine Mutter ihn getauft hat, sondern besitzt eher viel Talent zu melancholisch-pessimistischer Lethargie. Gemeinsam mit seinem Freund Walter besitzt Nowak ein Café-Restaurant namens „Pink Moon“, das mit seinem Geld finanziert worden ist. Dann stirbt Nowaks Mutter, die Felix mit schrägen Männerbekanntschaften zur Flucht nach Berlin und zur Nervenkrise erzogen hatte. Und auf der Beerdigung ist er felsenfest davon überzeugt, seinen tot geglaubten Vater unter den Trauergästen gesehen zu haben. Danach gerät sein Leben zwischen namenloser Trauer und der Erinnerung an das bekannt-unbekannte Gesicht aus der Vergangenheit, das er nur von einem Foto kennt, immer mehr aus den Fugen ...

Pink Moon zeigt einen neuen Goosen. Einen gereiften Goosen. Einen Goosen, der das melancholisch-traurige Metier für sich entdeckt hat. Und einen Goosen, der wieder einmal bewiesen hat, das er es versteht, mit jedem Buch noch ein bisschen besser zu werden. Freunde von Liegen lernen, Pokorny lacht oder Mein Ich und sein Leben werden sich also ein wenig umstellen müssen, wenn auch nicht allzu stark. Es wird sich auf jeden Fall lohnen. Denn die Stimme Frank Goosens in Pink Moon hat wieder einen unverwechselbaren, neuen, faszinierenden Ton. --Stefan Kellerer

Kurzbeschreibung

"Ich sah meinen Vater erstmals neunzehn Jahre nach seinem Tod". Ein Mann sucht den verlorenen Vater. Und findet, was er nie verloren glaubte. Frank Goosen erweist sich mehr denn je als brillanter Erzähler männlicher Abgründe. "Auf dem Bild sehen Sie so aus, als würden Sie gleich eine der Flaschen nehmen und an die Wand werfen", hatte Evelyn gesagt, als sie Abzüge ihrer Fotos präsentierte, die sie am Tag zuvor im PINK MOON gemacht hatte: Felix alleine, Felix zusammen mit Walter, seinem Schulfreund und Geschäftsführer, die Bar, die grobkörnigen Fotos von Nick Drake, Tim Buckley und Gram Parsons im Hintergrund, das PINK MOON in der Totalen. Im übrigen fand Felix nicht, dass er aggressiv wirkte. Oder unglücklich. Warum auch? Probleme hatten doch nur den anderen. Wie sein ebenso geheimnisvoller wie zutraulicher Nachbar Renz. Oder sein Tennispartner Wöhler. Und vor allem seine Mutter, die Zeit ihres Lebens ihrer großen Liebe nachgetrauert hatte, seinem Vater, dem Held und großartigen Tänzer, der kurz nach Felix Geburt für immer verschwand. Die ihre große Sehnsucht mit unglücklichen Affären stillte. Und die ihm ein Restaurant geschenkt hatte, das ihn nicht brauchte. So genießt Felix ein Leben als stiller Teilhaber - bis er eines Tages an einer Straßenecke einem Mann gegenübersteht, von dem er weiß, dass es sein vor Jahren verstorbener, unbekannter Vater ist ... Lakonisch und mit großer Souveränität erzählt Frank Goosen die Geschichte von Menschen, die auf der Suche nach den kleinen und großen Geheimnissen ihrer Vergangenheit sind. Und die finden, was sie nie verloren glaubten.

Der Verlag über das Buch

Gekürzte Hörbuchfassung mit Musik von Juliano Rossi -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Klappentext

»Frank Goosen schlägt in »Pink Moon« zärtere Töne an, und das steht ihm gut.«
Rolling Stone

»»Liegen lernen« ist ein wirklich unterhaltsames Buch, »Pink Moon« ist um Klassen besser.«
Prinz

»Ein bewegendes Buch, das begeistert.«
Cosmopolitan -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Frank Goosen, geboren 1966 in Bochum, hat sich Ruhm und Ehre als eine Hälfte des Kabarett-Duos "Tresenlesen" erworben. 2003 erhielt Frank Goosen den Literaturpreis" Ruhrgebiet". Mit seinen Kabarettprogrammen tourt er regelmäßig durch Deutschland. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wohnt er in Bochum.

Auszug aus Pink Moon von Frank Goosen. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich sah meinen Vater erstmals neunzehn Jahre nach seinem Tod. Ich erkannte ihn

gleich wieder, auch wenn er mehr als dreißig Jahre älter war als auf dem

einzigen Foto, das meine Mutter von ihm aufbewahrt hatte: ein gutaussehender,

glattrasierter Mittzwanziger mit Fassonschnitt in einer Prager Seitenstraße,

während hinter ihm der Frühling durch die Straßen floh.

Auch jetzt noch sah er gut aus mit seinem kurzen, grauen Haar, der hellen Hose,

dem dunklen Jackett und dem gestreiften Hemd, an dem die obersten drei Knöpfe

offen standen. Seine Brust war glatt und unbehaart, die Haut hatte den

attraktiven Teint natürlicher Bräune, und seine Augen waren von jenem klaren

Blau, das meine Mutter um den Verstand gebracht hatte. Sie hat mir nicht viel

über ihn erzählt, aber wenn sie es doch tat, endete sie so: "Seine blauen Augen

haben mich um den Verstand gebracht. Er war ein Held und toller Tänzer!" Keiner

von den Vätern, die sie zwischendurch an mir ausprobierte, erfüllte diese

Kriterien.

Mein Vater stand an einer Straßenecke und stritt sich mit einer Frau. Ich

drückte mich in einen Hauseingang und sah zu den beiden hinüber. Die Frau

rauchte und kaute an den Fingernägeln. Mein Vater redete auf sie ein und machte

beruhigende Handbewegungen: so, als wolle er etwas zu Boden drücken. Die Frau

schüttelte den Kopf.

Bestimmt eine Viertelstunde betrachtete ich die beiden und fragte mich, wie

lange sie da schon standen. Als die Frau sich mit dem Handballen durch die Augen

fuhr, wusste ich, dass sie weinte. Mein Vater berührte sie an der Schulter, aber

sie schüttelte ihn ab. Er machte einen Schritt zur Seite und wollte an ihr

vorbeigehen, sie stellte sich ihm in den Weg. Das ging ein paar Mal hin und her.

Dann sagte mein Vater etwas und ließ sie stehen.

Er kam auf mich zu. Ohne nachzudenken, drückte ich auf die zweite Klingel von

oben. Der Summer ertönte, und ich trat in den Hausflur. Durch die Rauglasscheibe

sah ich einen Schatten vorbeigehen. Ich zählte bis zehn und folgte ihm.

Mein Vater ging Richtung Innenstadt. Ich wechselte ein paar Mal die

Straßenseite, ließ mich zurückfallen und holte wieder auf, wenn er um eine Ecke

bog. In der Fußgängerzone war es etwas schwieriger, ihm zu folgen.

Samstagmittag, die Stadt war voll. Ich zog meine Jacke aus und hielt sie in der

Hand. Es war Anfang September, noch immer mehr als zwanzig Grad und blauer

Himmel. Bevor in ein oder zwei Wochen unwiderruflich der Herbst kam, wollten die

Leute noch ein paar Mal ihre kurzen Röcke, die knappen T-Shirts und die offenen

Schuhe und Sandalen ausführen. Sie saßen vor den Eisdielen und den Szene-Cafés,

löffelten bunte Becher und betrachteten glücklich kühle Getränke in beschlagenen

Gläsern, an denen Wassertropfen herabperlten. Kinder pusteten durch ihre

Strohhalme Luft in Apfelschorlen, und ihre Eltern hatten die Welt im Griff, weil

sie Sonnenbrillen trugen und niemand ihnen in die Augen sehen konnte.

Mein Vater blieb vor einem chinesischen Restaurant stehen und warf einen Blick

auf die Speisekarte, die in einem roten, von einem kleinen Pagodendach gekrönten

Schaukasten hing. Er sah durch eines der Fenster und ging weiter.

Als wir zum Bahnhof kamen, fürchtete ich, er würde einen Zug nehmen, aber er

ging durch die Halle hindurch, nahm den Südausgang und wandte sich nach rechts.

An der Ausfallstraße, die zur Universität hinausführte, lag das Kelo, eine auf

drei versetzten Ebenen angeordnete Mischung aus Café, Restaurant und Bar mit

Backsteinwänden und Tischen aus Tropenholz, benannt nach einer Nummer von Miles

Davis. Ich mochte keinen Jazz. Mein Vater ging hinein, und ich wartete ein paar

Minuten, bevor ich ihm folgte.

Caroline saß auf der Empore, zu der links vom Tresen eine kleine Treppe

hinaufführte. Mein Vater hatte auf der rechten Seite am Fenster Platz genommen.

Ich nickte Caroline zu und setzte mich auf einen Barhocker. Im Spiegel hinter

dem Tresen konnte ich trotz der davor aufgereihten Spirituosen meinen Vater

beobachten. Ein junger Mann ganz in Schwarz, mit knöchellanger weißer Schürze

und dunklen Haaren voller Gel, sah mich fragend an, und ich bestellte einen

Kaffee. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis Caroline von der Empore kam und

sich neben mich setzte. Ihr Haar und ihre cremefarbene Bluse rochen nach kaltem

Rauch, ihre Augen waren gerötet und ihr Gesicht ein wenig aufgeschwemmt. Es

schien eine lange Nacht gewesen zu sein. Als ich sie darauf ansprach, schüttelte

sie den Kopf. Ich fragte sie, ob das eine neue Bluse sei,was sie noch mehr

verärgerte.

"Das ist keine nette Frage", sagte sie. Ihrer Stimme war die letzte Nacht noch

anzuhören. "Es ist die gleiche Bluse wie gestern. Ich hatte noch keine

Gelegenheit, die Sachen zu wechseln. Sie ist zerknittert und riecht nach mir

anstatt wie üblich nach teurem Parfüm und Reinigung. Deine Bemerkung war also

nicht besonders charmant."

Ungefähr so war seinerzeit der Irrtum unserer Annäherung verlaufen. Äußere

Reize, gemeinsame berufliche Interessen und funktionierender Small Talk hatten

eine Dynamik in Gang gesetzt, die ein gemeinsames Essen und einen Kuss vor ihrer

Haustür nach sich gezogen hatte. Doch schon beim zweiten Treffen waren viele

Scherze ins Leere gegangen, und wir hatten beide nur gelacht, um nicht unhöflich

zu sein.

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