Der Einstieg in diesen Film gestaltet sich schwierig, auch sehr viele weitere Tanzszenen gestalten sich auch sehr unverständlich, das mag daran liegen, das sie aus dem Kontext der Gesamtinszenierung herausgegriffen worden sind. Das stört etwas den Einstieg-wäre da nicht Wim Wenders. Er fängt diese schwierige Tanzkunst visuell und packend ein, so das wohl auch Menschen,die eher weniger mit Piná Bauschs Tanzkunst vertraut sind den Einstieg finden können. Klar das moderne Tanztheater ist sicher nicht jedermanns Sache-und wer mit Wenders nichts anfangen kann ist hier gleich zweimal falsch.
Wim Wenders Film zeigt wie Körperbetont Pinas Tanztheater ist, er zeigt auch wie sehr Pinas Inszenierungen dem richtigen Theater verwandt sind-die Übergänge sind fließend. Auch die Tanzszenen sind so fließend, leicht, körperbetont, das vedient absolute Beachtung und Bewunderung. Man möchte fast sogar schon von "stunts" sprechen. Wundervoll ist Wim Wenders Film genau dann, wenn er das Theater verläßt und hinaus geht in die Stadt Wuppertal mit ihrer Schwebebahn, in die Natur. Genial verstörend sind die Tanzszenen in der Schwebebahn, eine Frau steigt mit einem Kissen ein und trampelt darauf herum-und vorher sah man die Schwebebahn durch die Stadt gleiten und es ließen sich durchs Fenster Wahlplakate sehen...
Wenders findet wunderbare Plätze für die Szenen außerhalb, da ist zum Beispiel ein Szene in einer Industrieanlage(ich glaube Zeche Zollverein) zu sehn. Der Tänzer scheint verloren in dieser Weite und Übermacht der Industrie-Anlage, doch der Tanz belebt den Körper UND die Anlage. Hier wird der Untertitel des Film am besten deutlich:" Tanzt, Tanzt sonst seid ihr verloren "
Der Film bezieht die Architektur als Element mit ein ebenso die Natur, das ist sehr beeindruckend. Genial in dieser Hinsicht auch die Tanzszenen an einer Straßenkreuzung, alles in Bewegung, die Körper, die vorbeifahrenden Autos. Und die Szenen die unter der Schwebebahn(Schatten und Spiegelungen an der Hauswand!!!) oder an deren Bahnhöfen stattfinden bzw, in deren Über-bzw- Unterführungen. Wenders gelingt hier modernes, surreales, architektonisches ! !, statisches, packendes, buntes Kino.
Auch Rainer Werner Fassbinder hätte diesen Tanzfilm drehen können, er hat eine Doku über ein Theatertreffen gedreht und auch Pina Bausch kommt darin vor. Wenders, Fassbinder, Pina Bausch sind aus dem selben Holz...