Bei Kari Rueslåtten handelt es sich um die ehemalige Sängerin der norwegischen Kult-Band ‚The 3rd and the Mortal', die sich aber bereits 1995 von der Band getrennt hat, um einer Solo-Karriere nachzugehen. ‚Pilot' ist das nunmehr dritte Album das Kari in der darauf folgenden Zeit aufgenommen hat - allerdings waren die zwei vorangegangenen Album wie auch ihre Demoaufnahmen niemals offiziell in Deutschland erhältlich, sondern lediglich als Importe aus Skandinavien zu beziehen. Glücklicherweise hat das deutsche Independent-Label ‚Prophecy-Productions', die zuvor schon ‚The 3rd and the Mortal' unter Vertrag genommen haben sich nun auch der Solo-Künstlerin Kari angenommen, so dass dieses wundervolle Stück Pop-Musik nun den Weg in den bessersortierten deutschen Plattenhandel findet.
Wenn ich in diesem Zusammenhang den Begriff ‚Pop-Musik' verwende, dann tue ich das wohlwissend, dass anspruchsvollere Musikfreunde dabei vielleicht an oberflächliche Unterhaltungsmusik denken mögen, angesichts der ‚Produkte', die unsere Medienlandschaft unter diesem Label vermarktet. Doch es würde vielen Künstlern, die in den letzten Jahrzehnten mit ihrer Musik diesen Begriff geprägt haben - Künstlern wie Kate Bush, Tori Amos, Mike Oldfield und Sinnéad O'Connor - unrecht tun, ihn in diesem negativen Kontext zu gebrauchen.
‚Pilot' ist Musik von anmutiger Schönheit, von verträumter Leichtigkeit - doch driftet ‚Pilot' niemals ab in Belanglosigkeit, sorgt Karis' ausdrucksvolle Stimme und die sie stets begleitende, zurückhaltende Instrumentierung doch für die tief verwurzelte Bodenhaftung einer aufrichtigen Emotionalität, aus der ihre Musik wächst. ‚Pilot' ist keine aufgesetzte Schwermütigkeit, keine ‚Gute Laune Musik' - es ist der aufrichtige Ausdruck einer Künstlerin, der man anmerkt, dass Ihre Musik einem tiefen inneren Bedürfnis entspringt.
Musikalisch bewegt Kari Rueslåtten sich mit diesem Album ein weiteres Stück weg von den von Skandinavischer Folk-Musik beeinflussten Klängen früherer Werke. Analog zum geographischen Wandel - Kari ist von Norwegen nach London umgezogen - lassen sich zart nuancierte Trip-Hop Einflüsse heraushören, die an die eher melancholischen Seiten der Kult-Band ‚Portishead' erinnern. Andere prominente Einflüsse sind die bereits genannten Tori Amos (wobei ich hier hinzufügen muss, das ich Karis' Stimme für sehr charakteristisch, und daher den oftmals beschworenen Vergleich zu Tori Amos für wenig aussagekräftig halte) und Sinnéad O'Connor. Und natürlich sind auch die Folk-Einflüsse, wenn sie auch selten noch - wie etwa bei dem wunderschönen Song ‚Butterfly-Milk' - zutage treten, nicht abhanden gekommen, sondern lediglich in den Hintergrund moderner Stilmittel gerückt.
Obwohl es unfair ist, einen einzigen Song dieses durch und durch inspirierten Albums besonders hervorzuheben, hat mich der Song ‚Exile' besonders ergriffen - der einzigartige Charakter Karis' Musik tritt hier besonders kontrastreich zu Tage, in Form eines hauchzarten, Gänsehaut-erzeugenden Refrains, der plötzlich aus einem treibenden, den Song tragenden Trip-Hop Rhythmus hervorbricht, um schließlich wieder sanft mit ihm zu verschmelzen.