Für mich ist es immer wieder verwunderlich, wie perfekt die Bohlen-Maschinerie funktioniert: Da wird nach monatelangem Spektakel, garniert von menschenverachtenden Sprüchen wie auch kongenialer Publicity des größten europäischen Massenblattes (mit den 4 großen Buchstaben und den NOCH größeren Schlagzeilen) schließlich ein "Superstar" gebacken, der in erster Linie der Vermarktungsstrategie von Plattenfirma wie auch Herrn Bohlen entspricht: Hübsch muss er sein, Teenie-massenkompatibel und BRAVO-tauglich, nach Möglichkeit auch intellektuell etwas schlicht, damit ihm der industrielle Knebelvertrag, der ihm der Sieg verschafft und der vor allem die Macher reich macht, den Künstler jedoch mit (vergleichsweise) Almosen abspeist, nicht die Luft zum Singen raubt.
Im Siegestaumel befindlich und das häufig erste große Erfolgserlebnis des jungen Lebens überhaupt nicht verkraften könnend wird der jeweilige "Superstar" - ob er nun Lombardi oder wie auch immer heißt - einer Marionette gleichend durch die Vermarktungsmaschinerie all jener im Eiltempo gedreht, die sich daran goldene Nasen verdienen: Plattenfirma, Teenie-Presse, allen voran jedoch Dieter Bohlen, der bereits -zig-fach verquirlte musikalische Einheitssauce neu abmischt und mit der ersten CD so viel verdient, dass er sich bequem zurücklehnen kann und in erster Linie damit beschäftigt ist, über sichere Anlegeformen für den garantierten Geldregen nachzudenken, statt auch nur ansatzweise musikalisches Potenzial in den Ausbau der gerade begonnenen Karriere zu stecken.
Wozu auch? Der Hype ist vorüber, wenn im wenige Monate später beginnenden neuerlichen Casting ebenso subjektiv wie suggestiv bereits der nächste "Superstar" gebacken wird, der für die Dauer eines Jahres neuerlichen Dukatenregen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspricht, um den vorangegangenen mit NOCH schlechterem musikalischen Material dem vorprogrammierten Fall in die geplante Bedeutungslosigkeit abstürzen zu lassen. Denn: Dauerhafter Erfolg erhöht zwangsläufig die prozentuale Gewinnbeteiligung des Künstlers der - wie schlicht und unbedarft auch immer er ist - die Regeln des Business zu durchschauen beginnt und somit unbequem wird.
Es bleibt, ich erwähnte es bereits, weitestgehend unverständlich, dass dieser so wunderbar funktionierende und überaus gewinnträchtige Mechanismus weitgehend undurchschaut bleibt. Auf der Strecke bleiben hier junge Künstler, die teilweise tatsächlich etwas zu bieten haben und den jähen, gnadenlosen Fall ins Nichts kaum zu verkraften in der Lage sind. Insofern ist Pietro Lombardi und die hier vorliegende CD-Produktion nur ein höchst trauriges Beispiel für die davor wie auch für die, die noch kommen werden und die allesamt nur eines wirklich verbindet: Die Hoffnung, die Begeisterung, der Höhenflug - kurz bemessen, quasi über Nacht vorbei.
Und den Sturz in die Bedeutungslosigkeit, die sie für immer hinter sich glaubten.
Der allerdings ist eben NICHT über Nacht vorbei, sondern prägt das gesamte restliche Leben - und das nachhaltig.