Aus der Amazon.de-Redaktion
Sehnsucht nach Wildheit Die Wahrnehmung des Körpers und die Art und Weise, wie er behandelt wird, ist abhängig von Zeit, Ort und Gruppe. Piercing ist ein kultureller Akt und existiert schon seit Jahrtausenden. Naturvölker wie die Mayas, die Indios, die Indianer und viele afrikanische Stämme benutzten es unter anderem für magische Riten, Mutproben und um den Körper zu schmücken.
In den achtziger und neunziger Jahren erlebt das Piercing ein neues Coming-Out. Wegbereiter waren die Punks, die Modern Primitives und die Fetischisten. Die No-Future-Generation provoziert mit durch die Wange gestochenen Sicherheitsnadeln und beeinflußt damit die Mode und Tausende junger Menschen, die sich gegen gesellschaftliche Gleichgültigkeit auflehnen und auf sich aufmerksam machen wollen. Schmerz wird als Grenzerfahrung erlebt und der Körper als politisches Ausdrucksmittel benutzt: Durchstechen, durchlöchern, verfremden, verstümmeln -- die Macht über den eigenen Körper demonstrieren, aber auch sich selbst als lebendes Kunstwerk sehen. Angeblich werden Orgasmen durch piercen der Genitalien intensiver erlebt, das sexuelle Empfinden verändert sich.
Autorin Veronique Zbinden hat in diesem Buch das Piercing unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, die geschichtlichen Hintergründe spannend recherchiert und die Piercer und ihre Motivation hinterfragt. "Schön, stammesbezogen und sehr erotisch" -- dies sind die drei am häufigsten vorgebrachten Argumente von Leuten, die sich piercen lassen. Ein wichtiges, informatives, mit eindrucksvollen Fotos versehenes Buch, auch für interessierte Laien. --Claudia Berg
Kurzbeschreibung
Archaische Riten und modernes Piercing, also das Durchstechen der Haut, um ein Schmuckstück darin aufzuhängen, ist und war weder für die sog. primitiven Völker bedeutungslos, noch für die Teenies unserer postmodernen Gesellschaft. Zbinden beschreibt aus ethnologischer und magischer Sicht die Piercingrituale der Amazonas-Indianer, den Sonnentanz der Mandans, die Feierlichkeiten der Papuas, den Am-pallang der Dayaks und den Ohrring der Appenzeller. Im Kapitel Urban Steel analysiert sie die Rückkehr der archaischen Riten in die westliche Gesellschaft über den Punk, die sog. modern primitives, SM, Fetischismus bis zur Teenie-Mode. Umfangreich erklärt sie die Geschichte der heute praktizierten Piercings. Alle Interessierten erhalten wertvolle Tips zur Auswahl des geeigneten Piercingsstudios und eine Checkliste über medizinische Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen sowie einen Risikokatalog. Eine Philosophie des Körperkults und der Zusammenhang von body art und Schmerz runden das Werk ab.